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10. September 2018, 13:44 Uhr

Satellitenbild der Woche

Im Schnee-Sumpf

Saukalt ist es im Nordwesten Kanadas - eigentlich. In diesem Sommer aber kletterten die Temperaturen in der arktischen Tundra auf 29 Grad. Satelliten haben die Folgen der Hitze festgehalten.

Der Lowell-Gletscher im äußersten Nordwesten Kanadas ist ein einsamer Ort - allein schon wegen der Temperaturen trauen sich nur wenige Menschen hierher. Der Gletscher liegt im Kluane Icefield, dem größten zusammenhängenden Gletscher-Eisfeld außerhalb der Polregionen. An vielen Stellen ist das Eis mehr als einen Kilometer dick. Selbst im Sommer kann hier bis zu 30 Zentimeter Neuschnee fallen.

Doch in diesem Jahr war alles anders: Im Juli kletterten die Temperaturen plötzlich auf 29 Grad Celsius. In nur vier Tagen schmolz der Schnee aus dem vergangenen Winter und bildete einen riesigen See aus Schneematsch. "Man kann sich das als eine Art Schnee-Sumpf vorstellen", sagt der Glaziologe Mauri Pelto vom Nichols College im US-Bundesstaat Massachusetts.

Er habe schon ähnliche Schlammpfützen auf anderen Gletschern gesehen, aber dieser sei absolut ungewöhnlich. "Ich habe noch nie einen Schnee-Sumpf dieser Größe gesehen, der sich so schnell gebildet hat", sagt Pelto, der bereits seit 38 Jahren Gletscher in der Region untersucht.

Das Schiebebild unten zeigt die dramatische Veränderung der Landschaft: Links ist der Großteil des Lowell-Gletschers noch mit Eis bedeckt, doch nur vier Tage später ist kaum noch etwas von den Eismassen übrig, dafür bedeckt nun ein See aus Schneematsch eine Fläche von mehr als 40 Quadratkilometern.

Wahrscheinlich hätte niemand etwas von dem riesigen Schnee-Sumpf mitbekommen, wenn nicht Satelliten es festgehalten hätten. Die Aufnahmen wurden nun von der Nasa veröffentlicht. Das linke Bild wurde am 22. Juli vom Erdbeobachtungssatelliten "Sentinel-2" der europäischen Weltraumorganisation Esa aufgenommen. Das rechte stammt vom Nasa-Satelliten "Landsat 8".

Um Landschaft und Vegetation besser unterscheiden zu können, haben die Forscher den Infrarotdaten des Satelliten verschiedene Farben zugeordnet. Gebiete, die von Eis bedeckt sind, erscheinen hellblau. Das Schmelzwasser ist dunkelblau dargestellt. Die grünen Bereiche stehen für Vegetation und die braunen für Felsen.

Nach nur wenigen Tagen war der Schneematsch komplett verschwunden, weil auch noch die letzten Eispackungen geschmolzen und in den Lowell Lake am Ende des Gletschers geflossen waren. Der immense Wasserverlust wird laut Pelto wohl dazu führen, dass sich der Lowell-Gletscher weiter zurückziehen wird.

koe

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