Hamburg - Die Mondsüchtigen wurden enttäuscht: Die totale Mondfinsternis hat sich in den meisten Teilen Deutschlands hinter Wolken abgespielt. Vor allem im Süden gab es zwar laut dem Deutschen Wetterdienst immer wieder Wolkenlücken. Vielerorts sei der Himmel aber komplett zugezogen gewesen. Wer den Blutmond sehen wollte, musste sich mit Live-Übertragungen im Internet begnügen.
Die längste Mondfinsternis seit mehr als zehn Jahren hatte um 20.23 Uhr begonnen, als der Mond sich in den Kernschatten der Erde schob. Davon war in Deutschland jedoch unabhängig von der Bewölkung nichts zu sehen, denn um diese Uhrzeit war der Trabant noch nicht aufgegangen.
Erst nach 21.00 Uhr, je nach Ort, stieg der Mond über den hierzulande sichtbaren Südosthorizont. Ab 21.23 Uhr lag er komplett im Erdschatten, wie Live-Bilder aus Israel zeigten. Bis zum Ende der totalen Verschattung gegen 23.00 Uhr kletterte der Erdtrabant je nach Beobachtungsort in Deutschland nur 10 bis 15 Grad über den Horizont - oft zu wenig, um Wolkenlücken zu erreichen. Nur im Süden und Osten gaben sie teils den Blick auf den Nachthimmel frei. Um 0.03 Uhr war der Zauber dann endgültig vorüber.
Es werde noch Jahre dauern, bis eine derart lange totale Mondfinsternis von Deutschland aus zu sehen sein wird, sagte Monika Staesche, Leiterin des Planetariums am Insulaner in Berlin. Zwar verfinstere sich der Mond zwei- bis dreimal pro Jahr, aber so gut sichtbar sei das nur selten. 2011 trifft der Erdtrabant den Schatten besonders zentral.
Beobachter außerhalb Deutschlands hatten mehr Glück: Live-Übertragungen aus Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigten einen dunkelrot schimmernden Himmelskörper.
Bei einer totalen Mondfinsternis wandert der Mond durch den Kernschatten der Erde und schimmert währenddessen rotbraun. Der Kernschatten ist der Bereich, in dem unser Planet das Licht der Sonne fast komplett abschirmt. Die Atmosphäre streut jedoch langwelliges, rotes Licht in den Schattenbereich und lässt den Erdtrabanten in rötlicher Färbung glimmen. Das Phänomen wird daher als Blutmond bezeichnet. Der Farbton ändert sich von Finsternis zu Finsternis und hängt unter anderem vom Aschegehalt der Atmosphäre ab.
Seit fast elf Jahren habe es keine so lange totale Mondfinsternis mehr gegeben, sagte der Stuttgarter Astronom Hans-Ulrich Keller. "Alles in allem, also mit dem Durchlaufen von Kern- und Halbschatten, dauerte sie vier Stunden und 40 Minuten." Die nächste Chance auf eine totale Mondfinsternis gibt es in Deutschland erst wieder 2015. Zwar kommt es am 10. Dezember 2011 erneut zu einer totalen Finsternis, über Deutschland geht der Mond dann jedoch erst nach dem Ende der totalen Phase auf.
fdi/wbr/dpa
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