Satellitenbild der Woche Vorhang auf für die "Inseln der Trostlosigkeit"

Mitten im südlichen Indischen Ozean liegt der Kerguelen-Archipel. An einem der abgelegensten Orte der Erde ist das Klima rau: Hier herrscht fast ständig Sturm.

Loch in den Wolken über den Kerguelen
NOAA/ NASA

Loch in den Wolken über den Kerguelen


Wenn Sie einmal wirklich runterkommen und so richtig Ihre Ruhe haben wollen, dann sollten Sie vielleicht einen Urlaub auf den Kerguelen in Erwägung ziehen. Sie sollten allerdings über Organisationstalent verfügen und Spaß an Individualreisen haben. Denn Pauschalangebote für den abgelegenen Archipel dürfte es kaum geben.

Aus dem All ist der Archipel nur schwer zu beobachten - oft liegt es unter Regenwolken. Die Aufnahme oben, die ausnahmsweise einen direkten Blick auf die Inselgruppe ermöglicht, stammt vom Nasa-Satelliten "Suomi NPP".

Die Inselgruppe gehört zu den abgelegensten Flecken der Erde: Sie befindet sich nahezu 4000 Kilometer von Australien, fast 3800 von der südafrikanischen Küste und immer noch etwa 2000 Kilometer von der Antarktis entfernt im südlichen Indischen Ozean zwischen den "Roaring Forties" und den "Furious Fifties".

Bei der Nennung dieser Breitengrade bekommen selbst erfahrene Segler nervöse Zuckungen - hier peitschen das ganze Jahr über Stürme über den Ozean und sorgen für mächtigen Wellengang. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit beträgt etwa 35 Kilometer pro Stunde, das entspricht gerade noch Windstärke 5 auf der Beaufort-Skala.

Entsprechend unterkühlt ist die Atmosphäre vor Ort, es herrscht ein recht raues Klima, nur ganz selten wird es mal über zehn Grad warm. Schwierig ist es auch mit der Anreise, hier sollten sie etwas Zeit mitbringen. Denn einen Flughafen gibt es nicht, sie müssten das Schiff nehmen. Die Überfahrt mit der "Marion Dufresne" dauert etwa acht bis zehn Tage, allerdings fährt das Forschungsschiff nur von November bis März. Auch vor Ort ist es nicht weit her mit der Infrastruktur. Sie kommen praktisch nur mit dem Hubschrauber von A nach B.

Aber kommen wir noch einmal zum Faktor Ruhe: Die werden Sie dort auf jeden Fall finden, versprochen. Die etwa 400 Inseln sind unbewohnt. Nur ein paar Dutzend Wissenschaftler tummeln sich im Winter auf einer einzigen Forschungsstation. Im Sommer können es dann aber leicht mal über hundert sein. Sollte ihnen das zu wuselig werden, empfiehlt es sich, aufs Zelten auszuweichen.

Von Vorteil für Ihre Reise wäre, wenn sie eher nicht der Touristentyp "Strandlieger" sind. Die Küsten sind überwiegend felsig, meist mit mächtigen Steilküsten versehen. Dafür haben sie vom etwa 800 Meter hohen Cap des Aiguilles einen prächtigen Ausblick.

Und das Gute ist: Sie können in Euro bezahlen. Die Kerguelen, übrigens benannt nach ihrem Entdecker, dem französischen Konteradmiral Yves Joseph de Kerguelen de Trémarec, gehören zu den Französischen Süd- und Antarktisgebieten, die Amtssprache ist Französisch - also falls Sie jemanden zum sprechen finden.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Zu den Attraktionen der Insel gehört der Baie de Recques, ein über 20 Kilometer langer Fjord. Ein weiterer Hotspot: Der Mont Ross, ein 1850 Meter hoher Vulkan. Der ist noch nicht so touristisch überlaufen, seit der Erstbesteigung 1975 hatten nur noch zwei weitere Expeditionen Lust, den Gipfel zu erklimmen. Sie könnten zum vierten Ersteigerteam gehören. Zum Pflichtprogramm gehört außerdem der 27 Kilometer lange Cook-Gletscher im Westen der Hauptinsel Grande Terre - immerhin der größte auf französischem Terrain.

Auch Spuren von einigen Expeditionen, dem Überlebenskampf von gestrandeten Walfängern oder dem gescheiterten Versuch, Schafe zu züchten, lassen sich auf den Kerguelen finden. Zudem befindet sich auf der Insel das südlichste deutsche Soldatengrab. 1940 kam hier ein Matrose des Hilfskreuzers "Atlantis" bei einem Unfall ums Leben.

Das Satellitenfoto der Inselgruppe hat der Orbiter "Suomi NPP" aus über achthundert Kilometer Höhe gemacht. Seit 2011 erfasst er für die Nasa und die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) Wetter- und Umweltveränderungen.

Falls Sie nun aber den Eindruck haben, dass die "Inseln der Trostlosigkeit", wie sie der englische Seefahrer James Cook in seinen Aufzeichnungen einmal genannt hatte, doch nicht ihr nächstes Urlaubsziel wird: Fahren Sie halt einfach wieder nach Mallorca.

joe



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