Kleine Magellansche Wolke Junge Sterne benehmen sich daneben

Die Sterne sind jung und wild - und verunstalten ihre Kinderstube, einen Nebel in der Kleinen Magellanschen Wolke. Ihre hochenergetische Strahlung pustet und frisst ein Loch in den Nebel. Das Hubble-Teleskop hat die verräterischen Anzeichen des Effekts entdeckt.


Eltern kennen das: Aus dem Kinderzimmer kommt einem mitunter Spielzeug entgegengeflogen, auch die Möbel werden dann und wann von den Kleinen verschönert. Doch solcherlei Rabauken gibt es nicht nur im heimischen Kinderzimmer, sondern auch im All: In der Kleinen Magellanschen Wolke haben gerade erst entstandene Sterne ihr Unwesen getrieben, wie die Europäische Raumfahrtbehörde Esa mitteilt. Die jungen Wilden hätten ein Loch in ihre Geburtsstätte gepustet: in die sternbildende Region, die in dem hellen Nebel namens NGC 602 liegt. Das Resultat zeigt dieses Bild des Hubble-Teleskops, das bereits im Juli 2004 aufgenommen, aber erst jetzt veröffentlicht wurde.

Junge Wilde: Im Zentrum der Kleinen Magellanschen Wolke, im Nebel NGC 602, formen gerade erst entstandene Sterne ein Loch
NASA / ESA

Junge Wilde: Im Zentrum der Kleinen Magellanschen Wolke, im Nebel NGC 602, formen gerade erst entstandene Sterne ein Loch

Die jungen Sterne in der Kleinen Magellanschen Wolke sind heiß und leuchten hell. Hochenergetische Strahlung lodert von den blau schimmernden Jungsternen auf - und verwüsten den Nebel: Die Strahlung formt die innere Kante der äußeren Nebelbereiche, unterhöhlt diese langsam und frisst sich regelrecht durch das darunter liegende Material. Nur die äußeren Gegenden des Nebels verhindern, dass die Strahlung aus dem Sternenhaufen entweicht.

In diesem Bild verlaufen die Kanten aus Staub und gasförmigen Fäden nach links oben und nach rechts unten. Die Staubsäulen, die zu den heißen blauen Sternen zeigen, sind für Astronomen verräterische Zeichen des unterhöhlenden Effekts. Sichtbar wurden sie hier, indem Hubble-Bilder aus dem Bereich von sichtbarem und infrarotem Licht mit Aufnahmen kombiniert wurden, die Wasserstoff und Stickstoff von den jungen Sternen zeigen.

Neben den jungen Wilden gibt es in der Kleinen Magellanschen Wolke viele Sternhaufen und Nebel. Von der Südhalbkugel der Erde aus kann man die Wolke mit bloßem Auge sehen, so wie auch die Große Magellansche Wolke direkt daneben. Beide sind Zwerggalaxien in nächster Nachbarschaft zu unserer Galaxie, der Milchstraße. Etwa 200.000 Lichtjahre sind sie Schätzungen zufolge von uns entfernt.

fba

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