Klima-Theorie: Venus war Milliarden Jahre lang bewohnbar

Neben dem Mars könnte auch die Venus einst Leben beherbergt haben: Der Klimawandel, der auf der Venus eine Höllenglut entfachte, ist vermutlich viel später eingetreten als bisher vermutet. Der Planet könnte zwei Milliarden Jahre lang bewohnbar gewesen sein.

Venus: Möglicherweise zwei Milliarden Jahr lang bewohnbar
NASA/ JPL

Venus: Möglicherweise zwei Milliarden Jahr lang bewohnbar

Auf ihrer Oberfläche würde Blei zerfließen, aus ihren dichten Wolken regnet Schwefelsäure: Lebensfreundliche Orte sehen anders aus als die Venus. Zwar herrschten auf dem Planeten vor langer Zeit erdähnliche Temperaturen, gewaltige Ozeane schwappten zwischen den Kontinenten. Doch gilt als gesicherte Erkenntnis, dass das Wasser durch einen galoppierenden Treibhauseffekt verdampfte, der die Venus in einen glutheißen Ort mit einer Oberflächentemperatur von bis zu 400 Grad Celsius verwandelte.

Zwei Milliarden Jahre lang erdähnliches Klima

Die Frage ist, wann die fatale Entwicklung ihren Lauf nahm. Bisher wurde angenommen, dass das Klima auf der Venus vor etwa vier Milliarden Jahren "umkippte", nur 600 Millionen Jahre nach der Entstehung des Sonnensystems. David Grinspoon vom Southwest Research Institute in Texas glaubt jedoch, dass der Klimawandel erst viel später eintrat. Auf der Venus, erklärte der Forscher gegenüber dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist", hätte demnach zwei Milliarden Jahre lang ein erdähnliches Klima geherrscht - mehr als genug für die Entstehung von Leben.

Der Fehler der bisherigen Schätzungen liegt laut Grinspoon in der Tatsache, dass sie die Wolkenbildung bei der Berechnung des Klimawandels nicht berücksichtigt hätten. Wolken könnten die Atmosphäre jedoch um bis zu 100 Grad Celsius abkühlen, indem sie das Sonnenlicht in den Weltraum zurück reflektieren.

Das würde nach Grinspoons Berechnungen bedeuten, dass es zwei Milliarden Jahre lang Ozeane, gemäßigte Temperaturen und damit möglicherweise Leben auf der Venus gab. Andere Forscher vermuten, dass hartnäckige Organismen bis heute auf der Venus überlebt haben könnten - allerdings nicht auf der Oberfläche des Planeten, sondern in den äußeren Schichten der Atmosphäre, unter vergleichsweise gemäßigten Temperatur- und Druckverhältnissen.

Verdampfende Ozeane könnten Tektonik gestoppt haben

Der späte Klimawandel könnte laut Grinspoon zugleich einen weiteren globalen Wandel auf der Venus erklären. Vor rund 700 Millionen Jahren ist die gesamte Oberfläche des Planeten anscheinend geschmolzen und hat sich neu formiert. Grinspoon glaubt, dass das Verdampfen der Ozeane die Tektonik vollständig zum Erliegen gebracht hätte - die Venus hätte das effektivste Ventil für ihre innere Hitze verloren, die Kruste wäre geschmolzen.

Grinspoons Theorie könnte für die Planetologie weit reichende Konsequenzen haben: Die "grüne Zone" - der Entfernungsbereich zur Sonne, innerhalb dessen Planeten Leben hervorbringen können - würde stark anwachsen, da die Venus bisher weit außerhalb dieser Region vermutet wurde.

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