Annäherung an die Sonne Forscher finden keine Spur von Komet "Ison"

"Ison" hat die Annäherung an die Sonne möglicherweise nicht überstanden: Der Komet scheint verschwunden zu sein. Doch Forscher wollen die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben. Noch sei es möglich, den Kern des Schweifsterns wieder zu entdecken.

AFP/ ESA/ NASA/ SOHO/ SDO

Hamburg - Gibt es den Kometen "Ison" noch? Manche Forscher sind skeptisch. "Es scheint, als ob der Komet seine Reise nicht überlebt habe", sagt Karl Battams vom Naval Research Laboratory nach Betrachten von Weltraumbildern. Andere Wissenschaftler äußerten sich ähnlich."Ich sehe nichts, das jenseits der Sonnenscheibe hervorkommt", sagte Battams bei einer Diskussionsrunde, die von der US-Raumfahrbehörde Nasa organisiert worden war. Phil Plait vom "Bad Astronomy"-Blog äußerte den "starken Verdacht, dass 'Ison' ein Ex-Komet sein könnte". Dean Pesnell vom Nasa-Sonnenobservatorium Solar Dynamics Observatory (SDO) vermutete: "Der Komet scheint verschwunden und sich in den letzten Stunden aufgelöst zu haben."

Weder das SDO noch die gemeinsam von der Nasa und der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa betriebene Sonnensonde "Soho" finde noch eine Spur des Kometen, obwohl sie "sehr gute Detektoren für Kometen" habe, sagte Pesnell. Die Kometenexpertin Carey Lisse von der Johns Hopkins Universität hatte den Kometen zuvor mit einem "losen Schneeball" verglichen, der zu 30 oder 50 Prozent aus Wassereis bestehe. Zudem sei er mit 1,2 Kilometern Durchmesser eher klein.

Warten auf weitere Messungen

Andere Experten äußerten sich dagegen vorsichtiger. "Wir wissen nicht, ob der Kern des Schweifsterns noch existiert", sagte Birgit Krummheuer, Sprecherin des Max-Planck-Institutes für Sonnensystemforschung im südniedersächsischen Katlenburg-Lindau, am Donnerstagabend. Die Forscher hatten es für möglich gehalten, dass "Ison" den Sonnenvorbeiflug heil übersteht. Sie hatten aber auch nicht ausgeschlossen, dass der aus Eis und Gestein bestehende Kern bei der Passage zerbricht oder verdampft. Was tatsächlich geschehen ist, müssten weitere Messungen und Untersuchungen klären, sagte Krummheuer.

Der Schweifstern hatte am Donnerstag gegen 19.30 Uhr den sonnennächsten Punkt seiner Bahn erreicht. Zu diesem Zeitpunkt betrug sein Abstand zum glühend heißen Zentralgestirn nur noch einen Sonnendurchmesser. Bei einer Entfernung von 1,17 Millionen Kilometern war er Temperaturen von 2700 Grad Celsius ausgesetzt und verlor drei Millionen Tonnen pro Sekunde. In astronomischen Maßstäben streift er damit den Glutofen im Zentrum des Sonnensystems geradezu.

Der Komet fasziniert Astronomen, seitdem er im September 2012 von russischen Forschern entdeckt wurde, da sein Ursprung rund 4,5 Milliarden Jahre bis in die Anfänge des Sonnensystems zurückreicht. "Ison" löste sich vor mehreren Millionen Jahren aus der sogenannten Oort-Wolke, einer Ansammlung von Gesteinsbrocken auf halber Strecke zwischen der Sonne und dem nächstgelegenen Stern.

Kometenforscher Battams betonte, es sei noch nie ein solcher Komet aus der Oort-Wolke gesehen worden, der sich derart der Sonne nähere. Wenn sich Kometen auf ihrer Reise durchs All der Sonne nähern, bilden sie oft Gas- und Staubschweife aus, die stets von der Sonne wegweisen.

wit/dpa/AFP



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