Zerstörter Komet Keine Hoffnung auf Wiedersehen mit "Ison"

Die Sonne war zu viel für ihn. Erst zerfiel "Ison" in mehrere Teile, dann verlor der Komet seinen Schweif. Nun haben Astronomen die Hoffnung aufgegeben: Ein Lichtspektakel im Advent wird es nicht geben.

REUTERS/ NASA/ ESA

Der Komet "Ison" hat sein Rendezvous mit der Sonne nicht überlebt. Der Schweifstern existiere in seiner bisherigen Form nicht mehr, berichtet das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) im südniedersächsischen Katlenburg-Lindau. Nach jüngsten Berechnungen sei der feste Kern des Kometen schon vor dem Sonnenvorbeiflug in zwei oder mehr Stücke zerbrochen, sagte MPS-Sprecherin Birgit Krummheuer.

Während der Sonnenpassage am Donnerstagabend habe es zwar noch aktive Teile gegeben, die Staub spuckten. Deshalb sei neben dem eigentlichen Kometenschweif ein zweiter kleinerer Schweif zu beobachten gewesen. Inzwischen gebe es diese Emissionen aber nicht mehr. "Ob jetzt überhaupt noch etwas Festes da ist, kann man nicht sagen. In jedem Fall ist da nichts mehr aktiv."

Der Kometenkern hatte ursprünglich einen Durchmesser von mehreren Kilometern. Er bestand aus Eis und Gestein. "Möglicherweise hat dieser Kern sich inzwischen unter dem Einfluss der Sonne komplett aufgelöst", sagte Krummheuer.

Definitiv kein Lichtspektakel

Am vergangenen Donnerstag war "Ison" nur knapp einen Sonnendurchmesser entfernt am Zentralgestirn vorbeigeflogen. Dabei war der Komet extremen Temperaturen von schätzungsweise 2000 bis 3000 Grad Celsius ausgesetzt - und verlor offenbar seine komplette Gashülle.

Nach der Passage habe sich der Staubschweif des Kometen zweigeteilt, sagte Hermann Böhnhardt vom MPS. Ein Teil bestand demnach aus Staubteilchen, die deutlich vor dem sonnennächsten Punkt freigesetzt wurden. Der andere Teil enthalte offenbar jüngeres Material: Dieses wurde während des Vorbeiflugs ausgestoßen und deutet darauf hin, dass zu diesem Zeitpunkt zumindest noch ein Teil des Kerns existierte und aktiv war.

Diese Beobachtungen hatten die Hoffnung genährt, "Ison" könnte möglicherweise doch noch am vorweihnachtlichen Himmel zu sehen sein. Nun scheint auch diese verflogen: Ein Spektakel werde es definitiv nicht geben, sagte Birgit Krummheuer. Also ruht nun alle Hoffnung auf "Lovejoy". Dieser Komet soll noch bis Ende des Jahres mit dem Feldstecher zu sehen sein, unter guten Bedingungen sogar mit bloßem Auge.

che/dpa

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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
zimex 02.12.2013
1. ?
Trösten wir uns, nächstes Jahr ist wieder Adventszeit und damit Zeit für Wunder!
harald.gegenfurtner 02.12.2013
2. Aus ISON ...
... wurde ISOFF. (Kleiner Leihscherz.)
postit2012 02.12.2013
3. Das kommt davon,
Zitat von sysopSOHO (Esa / Nasa)Die Sonne war zu viel für ihn. Erst zerfiel "Ison" in mehrere Teile, dann verlor der Komet seinen Schweif. Nun haben Astronomen die Hoffnung aufgegeben: Ein Lichtspektakel im Advent wird es nicht geben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/komet-ison-a-936813.html
wenn man sich von Schneebällen aus dem Backofen Wunder erwartet.
tdw34 02.12.2013
4. optional
Es kann sehr wohl noch ein Wiedersehen mit ISON geben, vielleicht auch ein unliebsames, wenn die Erde zwischen Weihnachten und dem 4. Januar ISONS Bahn kreuzt. Je nach dem, was von ISON noch übrig ist gibt es dann einen Sternschnuppen- oder Meteoritenhagel.
hanoh 02.12.2013
5. Strahlen
Sonnenstrahlen scheinen ungeheuerliche Macht über Kometen zu haben.
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