Mondkrater-Inventur Asteroiden-Einschläge häufiger als gedacht

In den vergangenen Jahren sind deutlich mehr größere Kometen und Asteroiden auf den Mond geprallt als bislang angenommen. Das ist ein Risiko für künftige Mondmissionen.


Der Mond ist übersäht mit Kratern. Das ist spätestens seit 1610 bekannt. Damals schaute Galileo Galilei durch ein Fernrohr und entdeckte die Spuren der Einschläge auf der Mondoberfläche.

Manche von ihnen sind Hunderte Kilometer breit und stammen aus der Zeit des "Großen Bombardements". So nennen Wissenschaftler eine frühe Entwicklungsphase des Sonnensystems für rund vier Milliarden Jahren.

Doch auch in der jüngeren Vergangenheit prasselten Kometen und Asteroiden auf dem Mond ein. In den vergangenen sieben Jahren entstanden 222 neue Krater mit Durchmessern zwischen 2 und 43 Metern, wie Nasa-Forscher im Fachblatt "Nature" berichteten. Die Wissenschaftler haben dazu aktuelle Fotos der Oberfläche mit Bildern von 2009 verglichen - auch von der Rückseite des Mondes.

33 Prozent mehr große Einschläge als gedacht

Dabei stellten sie fest, dass deutlich mehr größere Kometen und Asteroiden auf den Mond geprallt sind als angenommen: Laut einer anerkannten Prognose sollten jährlich etwa 12 Krater mit mehr als 10 Metern Durchmesser entstehen. Tatsächlich waren es aber 16 pro Jahr. Das heißt, die Einschlag-Frequenz ist 33 Prozent größer.

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Kometen und Asteroiden: Die Bilder der Mondkrater

Da der Mond keine Atmosphäre besitzt, verglühen die Himmelskörper nicht und schlagen mit voller Wucht ein.

Gefahr für mögliche Mondstationen durch Splitter

Das heißt auch, dass die Gefahr für mögliche Mondreisende, Mondstationen oder gar zukünftige Mondkolonien größer ist als bisher gedacht. Die Wahrscheinlichkeit, direkt von einem Asteroiden oder Kometen getroffen zu werden, sei immer noch sehr gering, sagt die Planeten-Geologin Stephanie Werner im Gespräch mit "Nature". Gleichwohl gehe große Gefahr von den Splittern bei den Einschlägen aus. Die können kilometerweit fliegen.

Mondoberfläche ist jünger

Der Befund wirft auch ein neues Licht auf die Geschichte der Mondoberfläche: Ihr jetzige Form ist offenbar jünger als bislang angenommen. Da in der jüngeren Vergangenheit mehr Einschläge von Asteroiden und Kometen stattgefunden haben, wurde die Oberfläche in kürzerer Zeit umgegraben.

mpz

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