Kometenbeobachtung nach Ison Lovejoy zeigt seinen Schweif

Auch wenn Ison die ganz große Show doch nicht gelang, für Astrofans war 2013 das Jahr der Kometen-Festspiele. Nun richten sich die Blicke auf Lovejoy. Ein neues Bild zeigt seinen prächtigen Schweif.

Komet Lovejoy: Zum Zeitpunkt der Aufnahme 130 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt
NAOJ/ Masafumi Yagi

Komet Lovejoy: Zum Zeitpunkt der Aufnahme 130 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt


Dass sich am irdischen Himmel 2013 gleich mehrere Kometen strahlend schön inszeniert haben, ist sehr ungewöhnlich. Denn Schweifsterne, die auch ohne größere Hilfsmittel sichtbar sind, zeigen sich sonst nur alle paar Jahre einmal. Aber: "2013 war das Jahr der Kometen. Absolut. Für Wissenschaftler genauso wie für Hobbyastronomen", sagt Peter Oden, geschäftsführender Vorstand der Bonner Volkssternwarte. "Ich habe in diesem Jahr so viele Kometen beobachten können wie zuvor in meinem ganzen Leben nicht."

Im Frühjahr 2013 sorgten vor allem die Kometen Panstarrs und Lemmon für herausragende Hingucker. In der zweiten Jahreshälfte ließ dann Ison viele Herzen höherschlagen. Er kam vom äußersten Rand unseres Sonnensystems. Rund 4,6 Milliarden Jahre hatte er laut Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) auf dem Buckel.

"Lovejoy ist besser zu sehen als Ison es jemals war"

Mit einem wachsenden Tempo von 400 Kilometern pro Sekunde raste er auf die Sonne zu. Am sonnennächsten Punkt, in einem Abstand von nur einer Million Kilometern und bei Temperaturen von über 1500 Grad Celsius, zerbrach Ison am 28. November und löste sich auf. Das erhoffte Mega-Spektakel am Himmel blieb aus.

Doch der nächste Komet ist schon im Anflug. Der Schweifstern Linear entwickelt sich vielversprechend. Anfang 2014 soll er seine volle Leuchtkraft erreichen. Vor allem aber gerät Lovejoy gerade stark in den Fokus, der zuvor in Isons Schatten stand. "Lovejoy ist derzeit besser zu sehen als Ison es jemals war", sagt Peter Oden. Am Morgen könne man ihn den Dezember über am Ost-Nordost-Himmel erspähen, am Abend am West-Nordwest-Himmel - bei optimalen Sichtverhältnissen auch ohne Hilfsmittel.

Was dem durchschnittlichen Himmelsgucker dabei verborgen bleibt, zeigt ein aktuelles Bild des Subaru-Teleskops am Mauna-Kea-Observatorium auf Hawaii. Mit seiner Hilfe haben Astronomen den Schweif des Kometen in bisher nicht gekannter Detailtiefe aufnehmen können. Am 3. Dezember war Lovejoy noch 130 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt.

Für die Forschung ist Lovejoy ebenfalls spannend. Zwar kreise er als langperiodischer Komet alle 9900 Jahre um die Sonne herum, sagt MPS-Sprecherin Birgit Krummheuer. Aber auch bei dem über vier Milliarden Jahre alten Lovejoy sei noch von einem weitgehend ursprünglichen, unveränderten Material auszugehen.

Die offizielle Bezeichnung lautet übrigens C/2013 R1, damit er nicht mit dem namensgleichen Sonnenstreifer C/2011 W3 verwechselt werden kann. Die Namensgleichheit kommt nicht von ungefähr - beide Kometen wurden vom australischen Hobbyastronomen Terry Lovejoy entdeckt.

Lovejoy werde seinen sonnennächsten Punkt am 22. Dezember erreichen - und dabei einen Sicherheitsabstand von 120 Millionen Kilometern einhalten. Ein leuchtender Schlussakt für 2013.

chs/dpa

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