Geplante Kometenlandung Raumsonde hat Tschuris Umlaufbahn erreicht

"Rosetta" ist am Ziel: Nach zehnjähriger Reise hat die Raumsonde den Kometen Tschuri erreicht. Der schwierigste Teil der Mission steht noch bevor: Erstmals soll ein Mini-Labor auf einem Kometen abgesetzt werden.


Darmstadt - Am Mittwoch hat die Raumsonde "Rosetta" ihren Zielkometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, auch Tschuri genannt, erreicht. Gegen 11.06 Uhr schwenkte sie auf die Umlaufbahn ein, teilte die Europäische Weltraumorganisation (Esa) in Darmstadt mit. Nun fliegt sie in etwa hundert Kilometern Entfernung zu dem Gesteinsbrocken. "Rosetta" ist das erste Raumfahrzeug überhaupt, das einem Kometen so nahe kommt.

Seit ihrem Start am 2. März 2004 hat "Rosetta" mehr als sechs Milliarden Kilometer zurückgelegt. Dabei kam sie bereits dreimal an der Erde und einmal am Mars vorbei, um sich neuen Schwung für ihre Reise zu holen. 2011 wurden für einen Ausflug Richtung Jupiter für 957 Tage so gut wie alle Systeme an Bord der Sonde abgeschaltet, um Energie zu sparen. "Rosetta" gewinnt Strom aus Solarzellen.

Triangelpfad zum Kometen

Seit dem 20. Januar 2014 ist sie wieder wach. Das Rendezvous mit Tschuri wird seither akribisch vorbereitet: Seit Anfang Mai wurde die Flugbahn zehn Mal korrigiert. Die Kommandos für das aktuelle, letzte Manöver hatte die Esa bereits in der Nacht vom 4. August an "Rosetta" geschickt.

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"Rosetta" erreicht Tschuri: "Hello, Comet!"

"Rosetta" fliegt nun auf einer Art Triangelpfad: Über drei Arme, die je 100 Kilometer lang sind wird sie sich Tschuri nähern, bis sie von ihm angezogen wird. An jeder Ecke eines Arms nutzt sie erneut Energie, um auf den nächsten einzuschwenken. Für jeweils 100 Kilometer braucht sie auf der Route etwa drei bis vier Tage.

"Rosetta" und Tschuri fliegen nun mit einer Geschwindigkeit von etwa 55.000 Kilometern pro Stunde auf dessen stark elliptischer Bahn um die Sonne und zurück ins All Richtung Jupiter. Für eine Umlaufbahn braucht der Komet sechs Jahre und 203 Tage. Derzeit befinden sich Komet und Sonde in einer Entfernung von 405 Millionen Kilometern zur Erde, etwa auf halbem Weg zwischen den Umlaufbahnen von Jupiter und Mars.

Ungewissheit vor erster Kometenlandung

Im November 2014 steht die größte Herausforderung der Mission bevor: "Rosetta" soll das Mini-Labor Philae auf Tschuri absetzen - die erste Landung auf einem Kometen überhaupt. Bis dahin wird die Sonde den Kometen noch genauer erforschen und bis Oktober hoffentlich einen geeigneten Landeplatz für Philae finden.

Das Mini-Labor soll der Esa Informationen über die Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren liefern. Noch ist die Landung aber mit vielen Unsicherheiten verbunden. Ende Juli hatte das Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Harpune getestet, mit der Philae auf Tschuri befestigt werden soll, allerdings schlug die Harpune deutlich zu fest ein.

Auch über die Form des Zielkometen herrschte immer wieder Unsicherheit. Mitte Juli tauchten Bilder auf, nach denen Tschuri aus zwei Teilen zu bestehen scheint. Zuvor war man davon ausgegangen, dass seine Form eher einer Kartoffel ähnelt.

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3D-Modell der Raumsonde

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insgesamt 43 Beiträge
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brille000 06.08.2014
1. Ja und?
Wo bleiben denn die Nahaufnahmen vom Kometen? Was ist mit der "Erkenntnis", dass duiese aus zwei Teilen besteht? War letzteres vielleich eine vorschnelle Idee dümmlicher Journalisten bei der Interpretation eines völlig verwaschenen Fotos? Die Bereichterstattung erscheint mir doch recht dürftig. Übrigens hatten die Japaner bereits 2001 mit ihrer Sonde Near den Asteroiden Eros umkreis und hatten dann auch die Sonde darauf abgesetzt.
Emil Peisker 06.08.2014
2. die Meisterprüfung...
Zitat von sysopDLR"Rosetta" ist am Ziel: Nach zehnjähriger Reise hat die Raumsonde den Kometen "Tschuri" erreicht. Der schwierigste Teil der Mission steht noch bevor: Erstmals soll ein Minilabor auf einem Kometen abgesetzt werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/kometenlandung-rosetta-hat-umlaufbahn-von-komet-tschuri-erreicht-a-984698.html
Eine extrem schwer zu steuernde Mission. Dass jetzt am Ende des Jahres ein Labor auf dem Komenten landet, ist für die Europäer schon eine einmalige Leistung. Die ESA hätte damit die Meisterprüfung im Raumfahrthandwerk angelegt....:-))
Emil Peisker 06.08.2014
3. n neben b...
Zitat von Emil PeiskerEine extrem schwer zu steuernde Mission. Dass jetzt am Ende des Jahres ein Labor auf dem Komenten landet, ist für die Europäer schon eine einmalige Leistung. Die ESA hätte damit die Meisterprüfung im Raumfahrthandwerk angelegt....:-))
Natürlich "abgelegt"
Goldschwund 06.08.2014
4.
Zitat von sysopDLR"Rosetta" ist am Ziel: Nach zehnjähriger Reise hat die Raumsonde den Kometen "Tschuri" erreicht. Der schwierigste Teil der Mission steht noch bevor: Erstmals soll ein Minilabor auf einem Kometen abgesetzt werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/kometenlandung-rosetta-hat-umlaufbahn-von-komet-tschuri-erreicht-a-984698.html
Was dieser ganze Blödsinn kostet, wird natürlich verschwiegen. Es ist so, wie es schon immer war: Der Steuerzahler finanziert die Spielereien irgendwelcher Techno-Eliten. Nutzen aus dieser Aktion: Vermutlich keiner! Man muss sich über die Europa-Müdigkeit großer Teile der arbeitenden Bevölkerung dann aber auch nicht wundern.
kl-ing 06.08.2014
5. @brille000
Schlag nach bei Wikipedia: NEAR war kein japanisches, sondern ein NASA-Projekt. Außerdem ist Eros ein Asteroid, kein Komet. Und das mit der Sonde war auch mehr eine Improvisation: "Nach einem Jahr im Orbit um Eros landete die Sonde am 12. Februar 2001 erfolgreich auf der Oberfläche des Asteroiden. Auch dies war ein Novum in der Raumfahrt, da sie gar nicht für eine Landung ausgelegt war. Noch bis zum 28. Februar 2001 übermittelte die Sonde Daten von der Oberfläche des Asteroiden, danach brach der Kontakt ab, da die Solarpanele nicht mehr in Richtung Sonne zeigten."
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