Kommerzielle Raumfahrt Boeing will Astronauten zur ISS bringen

Die Nasa sucht derzeit Konzepte, wie sie nach dem Ende des Space-Shuttle-Programms billig Astronauten zur Internationalen Raumstation bringen kann. Gefragt ist die Privatwirtschaft. Nun hat Boeing angekündigt, sich an einem Wettbewerb der Behörde zu beteiligen.

US-Astronaut John Olivas (im September 2009): Bald mit Privatunternehmen ins All?
dpa

US-Astronaut John Olivas (im September 2009): Bald mit Privatunternehmen ins All?


St. Louis - Wie bringt man Astronauten möglichst kostengünstig zur Internationalen Raumstation? Diese Frage treibt die US-Weltraumbehörde Nasa um, seit klar ist, dass die knappen Finanzen nicht für ihre Mondpläne reichen dürften. Eine Kommission hatte das Budget der Organisation unter die Lupe genommen und geurteilt, dass vor allem beim Transport von Menschen in die Erdumlaufbahn eine Kooperation mit privaten Unternehmen sinnvoll wäre. Die Zukunft des "Orion"-Programms der Nasa steht dagegen aus finanziellen und technischen Gründen in den Sternen.

Die Liste möglicher Kooperationsinteressenten aus der Privatwirtschaft ist lang. Bereits Anfang September hatten sich mehr als 40 Unternehmen bei der Nasa gemeldet. Mit Boeing hat nun ein weiteres Schwergewicht der Branche sein Interesse bekundet. Das Unternehmen erklärte, es wolle seine Weltraum-Aktivitäten auf den stark wachsenden Markt der kommerziellen Raumfahrt ausweiten. Deswegen habe man bei der Nasa Vorschläge für eine Zusammenarbeit eingereicht. Dabei gehe es um Flüge zur Beförderung von Astronauten und Weltraumtouristen von und zur ISS sowie in die erdnahe Umlaufbahn. Dafür wolle Boeing "substantielle Investitionen" in Forschung und Entwicklung der kommerziellen Raumfahrt vornehmen.

Das Unternehmen betonte, dass es mit der Nasa bereits in vielen Bereichen der bemannten Raumfahrt zusammenarbeite. Die Weltraumbehörde hatte zuvor angekündigt, im Rahmen des sogenannten "CCDev"-Programms, 50 Millionen Dollar für eines oder mehrere Teams aus der Privatwirtschaft bereitzustellen.

Das Geld stammt aus dem Konjunkturprogramm der US-Regierung. Schon im November will die Nasa entscheiden, welches der kommerziellen Konzepte sie weiter verfolgen will. Boeing ist nach eigenen Angaben in vier Bewerberteams für das Nasa-Programm vertreten und arbeitet unter anderem mit der Firma Bigelow Aerospace zusammen, die ebenfalls kommerzielle Weltraumprojekte plant.

Auf der Nasa-Interessentenliste für das kommerzielle Transportprogramm stehen schon jetzt unter anderem die Firmen Raytheon, Ball Aerospace, Lockheed Martin und Pratt & Whitney. Für die Unternehmen dürften die langfristigen Aussichten noch interessanter sein als die vergleichsweise kleine Summe aus dem aktuellen Nasa-Projekt. Nicht nur aus Kosten-, sondern auch aus Prestigegründen sähen es viele US-Politiker lieber, wenn die Nasa-Astronauten nach dem Ende des Shuttle-Programms weiterhin von US-Transportern ins All starten würden. Für private Auftragnehmer käme ein Langzeitauftrag der Nasa damit einer Lizenz zum Gelddrucken gleich.

chs/dpa



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