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Kontroverse: Zweifel an Existenz von lebensfreundlichem Planeten

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Die Entdeckung hat weltweit Schlagzeilen gemacht: Forscher wollten mit hoher Wahrscheinlichkeit einen lebensfreundlichen Exoplaneten in den Tiefen des Alls gefunden haben. Andere Astronomen melden jetzt Zweifel an: Der Planet existiere womöglich gar nicht.

Exoplaneten: Kontroverse um zweite Erde Fotos
AFP / NASA / Lynette Cook

Schon mehrmals hatten Wissenschaftler gemutmaßt, eine potentiell lebensfreundliche Welt in den Tiefen des Alls gefunden zu haben. Ende September dann schienen die US-Astronomen Steven Vogt und Paul Butler sicherer als je zuvor: Der Felsbrocken namens Gliese 581g sei kaum größer als die Erde und umkreise seinen Stern in genau der richtigen Entfernung, um flüssiges Wasser besitzen zu können. Damit böte er gute Bedingungen für die Entstehung von Leben.

Der Stern Gliese ist unter Astronomen ein guter Bekannter: Vier Planeten waren zuvor bereits bei ihm entdeckt worden. Vogt und Butler fügten Ende September Nummer fünf und sechs hinzu, darunter den lebensfreundlichen Kandidaten. Allerdings hatten sie die beiden Planeten nicht direkt beobachtet, sondern ihre Existenz aus ihrer Gravitationswirkung auf den Stern abgeleitet (siehe Kasten links).

An diesen Berechnungen melden andere Forscher jetzt Zweifel an: Gliese 581g existiere vielleicht gar nicht, sagte Francesco Pepe vom Observatory of Geneva in der Schweiz. "Wir können die vier zuvor bekannten Planeten ohne Probleme finden", erklärte Pepe auf einer Tagung der International Astronomical Union in Turin. "Aber wir sehen keine Hinweise auf einen fünften Planeten, der den Stern in 37 Tagen umkreist." Damit war Gliese 581g gemeint.

US-Forscher geben sich unbeeindruckt

Wie das britische Magazin "New Scientist" berichtet, haben beide Forschergruppen dieselben Daten des "Harps"-Instrument am Very Large Telescope in der chilenischen Atacama-Wüste verwendet. Vogt und Butler haben von dort 119 Messungen bezogen und benutzten zusätzlich 122 Datensätze des "HIRES"-Instruments am Keck-Teleskop auf Hawaii.

Pepe und seine Kollegen sahen sich 180 "Harps"-Datensätze an - und konnten darin keinen eindeutigen Hinweis auf Gliese 581g finden. Das Signal, das Vogt und Butler für den Planeten hielten, sei kaum stärker als das Hintergrundrauschen, sagte Pepe dem Magazin "Science News". Es gebe eine Wahrscheinlichkeit von mehreren Prozent, dass das Signal nur ein Datenfehler sei.

Vogt zeigte sich davon nicht weiter überrascht. "Es handelt sich um sehr schwache Signale", sagte er dem "New Scientist". Die 60 zusätzlichen Messpunkte, die Pepes Team vorlägen, müssten in dieser Hinsicht keine Verbesserung bedeuten. Vogt betonte außerdem, dass die Entdeckung von Gliese 581g erst durch die Daten des Keck-Teleskops möglich geworden sei, die vom Genfer Team aber gar nicht mit einbezogen wurden.

Kontroversen unter Planetenjägern keine Seltenheit

Vogt gab sich zuversichtlich, mit der Verkündung der Gliese-581g-Entdeckung richtig zu liegen: "Wir haben akribisch und akkurat die Informationen herausgelesen, die in diesen Daten vorhanden waren." Sein Team habe in den vergangenen 15 Jahren mehr als hundert Exoplaneten entdeckt. "Wir haben bisher noch keine falsche Behauptung veröffentlicht, mussten keinen Fehler einräumen und haben noch nie einen Artikel zurückgezogen."

Zudem sei man offen mit den bestehenden Unsicherheiten umgegangen, sagte Vogt. Tatsächlich haben er und Butler in ihrem Fachbeitrag betont, dass die Signale der beiden neu entdeckten Planeten-Kandidaten schwach seien, in den Datensätzen systematische Fehler stecken könnten - und dass es höchst wünschenswert wäre, wenn andere Teams die Berechnungen überprüfen würden.

Das ist nun geschehen, wenn auch mit einem für Vogt und Butler wenig erfreulichen Ergebnis. Allerdings ist es keine Seltenheit, dass Exoplaneten-Jäger uneins sind. "Derzeit laufen gleich mehrere Kontroversen um die Existenz von Planeten", sagt Hans-Jörg Deeg vom Instituto de Astrofísica de Canarias. "Es gibt immer gewisse Unsicherheiten in den Daten und unterschiedliche Methoden, sie herauszurechnen. Dabei sind unterschiedliche Resultate durchaus möglich."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Diese Nachrichten dienen lediglich dazu, Forschungsgelder los zu machen!
Holledauer, 14.10.2010
Mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln haben wir nicht die Spur einer Chance, lebensfreundliche Planeten zu identifizieren. Auch das Argument überzeugt wenig, dass ja dieses Leben auf einer anderen Basis entstehen hätte können. So viel wir heute wissen, ist offensichtlich nur der Kohlenstoff als Leitelement in der Lage, in Verbindung mit Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und etwas Schwefel Molekülketten zu bilden, die einen kontrollierten Stoffwechsel haben und sich reproduzieren können. (Natürlich sind in biologischem Gewebe noch andere wichtige Elemente enthalten, beinahe das gesamte Periodensystem!). Die Bedingungen auf einem Planeten müssen also erdähnlich sein: Temperaturen über dem Gefrierpunkt von Wasser und unter dessen Siedepunkt. Wenn irgendjemand Glauben machen möchte, dass er bereits aus der Entfernung eines Planeten zum Zentralgestirn und vielleicht noch seiner Masse den Schluss ziehen kann, dann leidet derjenige schlicht und ergreifend an Selbstüberschätzung. Vergleichbar mit dem YETI-Projekt: Wer glaubt, aus der Auswertung von Radiowellen eine fremde Zivilisation zu entdecken, vergisst, dass es keine stärkeren Sender in einem Planetensystem als das Zentralgestirn gibt. Und dieses übertönt alles!
2.
kaitou1412 14.10.2010
Planeten mit Leben ausser der Erde gibt es definitiv. Bei der immensen Anzahl an Galaxien und deren Sternen ist es extrem unwahrscheinlich, dass es höchstwahrscheinlich keinerlei weiteres Leben existiert. Und das Leben, man kennt es von der Erde, ist recht anpassbar. Deswegen würde es sich hier und da schon aushalten lassen. Das Problem ist eben, hier und da ausfindig zu machen und dahin zu reisen sowie ist es sehr unwahrscheinlich, das fremdes Leben zu uns sprechen will und das Gesprochene zufällig jetzt unsere Erde erreicht. Die schlichte Suche nach einem erdähnlichen Planete ist also am einfachsten davon und irgendwann gibts einen Treffer. Abwarten und Tee trinken.
3. intelligente Lebewesen
WolArn 14.10.2010
---Zitat--- Damit böte er gute Bedingungen für die Entstehung von Leben. ---Zitatende--- Also könnte, falls es doch stimmen sollte, daß es ein erdähnlicher Planet sein könnte, dort aber auch schon Leben existieren, oder nicht? Und warum dann nicht auch intelligente Lebewesen? Oder darf es nur auf der Erde intelligente Lebewesen geben? Denn ansonsten wäre für uns ein lebensfreundlicher Planet, der mit intelligenten Lebewesen bevölkert ist, für eine neue Heimat, ziehmlich uninteressant.
4. *
praise 14.10.2010
Zitat von kaitou1412Planeten mit Leben ausser der Erde gibt es definitiv. Bei der immensen Anzahl an Galaxien und deren Sternen ist es extrem unwahrscheinlich, dass es höchstwahrscheinlich keinerlei weiteres Leben existiert. Und das Leben, man kennt es von der Erde, ist recht anpassbar. Deswegen würde es sich hier und da schon aushalten lassen. Das Problem ist eben, hier und da ausfindig zu machen und dahin zu reisen sowie ist es sehr unwahrscheinlich, das fremdes Leben zu uns sprechen will und das Gesprochene zufällig jetzt unsere Erde erreicht. Die schlichte Suche nach einem erdähnlichen Planete ist also am einfachsten davon und irgendwann gibts einen Treffer. Abwarten und Tee trinken.
Nein.Belege? Die einzigen "Wahrscheinlichkeitsüberlegungen", die ich diesbezüglich kenne, werden aus der vermeintlich hohen Anzahl von Sonnensystemen u.a. heraus gerechnet. Der Fehler dabei besteht jedoch darin, dass die Anzahl nichts über die Habilität aussagt. Dazu kommt, das es ohne Antriebe, die zigfache Lichtgeschwindigkeit erreichen können, nicht möglich ist, solche Planeten tatsächlich zu erreichen und zu erforschen. Solche Antriebe sind aber derzeit nicht einmal vorstellbar.
5. Vorstellen ?
Rafaelblond 14.10.2010
Dazu kommt, das es ohne Antriebe, die zigfache Lichtgeschwindigkeit erreichen können, nicht möglich ist, solche Planeten tatsächlich zu erreichen und zu erforschen. Solche Antriebe sind aber derzeit nicht einmal vorstellbar.[/QUOTE] ICH kann es mir auch nicht vorstellen ! Nur ist es leider (oder Gottseidank) völlig irrelevant, was sich Menschen nach heutigem Wissensstand vorstellen können. MfG
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