Kopfloser Flug Kometen überleben heißes Rendezvous

Bei einem spektakulären Rennen durch die Sonnenatmosphäre haben zwei Kometen buchstäblich den Kopf verloren: Wie Fotos des Satelliten Soho zeigen, rast nur noch ein Schweif durchs All.




Kometenpaar im Anflug auf die Sonne: Mit dem Schweif davongekommen
SOHO (ESA/NASA)

Kometenpaar im Anflug auf die Sonne: Mit dem Schweif davongekommen

Wenn Kometen dem Zentralgestirn zu nahe kommen, geht die Begegnung meist übel für sie aus: Das europäisch-amerikanische Sonnenobservatorium Soho hat seit seinem Start im Jahr 1995 schon viele Schweifsterne beobachtet, die auf Nimmerwiedersehen im heißen Brodem verschwanden.

Nicht so zwei Kometen, die das fliegende Teleskop jetzt verfolgt hat: Die beiden eisigen Wanderer, die am 24. Mai auf Kamikaze-Kurs der Sonne entgegenrasten, sind noch einmal mit dem Schweif davongekommen. Fotos und Videos von Soho zeigen, wie sich nach der heißen Begegnung ein unscheinbares Wölkchen vom Gestirn entfernte.

Die Beobachtung hat aus zweifachem Grund Seltenheitswert: Zum einen kommt es nicht allzu oft vor, dass Zwillinge zusammen auf die Sonne stürzen. Und zum anderen bleibt nach dem Bad in der über eine Million Grad Celsius heißen Korona nur selten etwas von ihnen übrig. Das letzte Mal konnten die Soho-Wissenschaftler ein solches Ereignis vor fünf Jahren aufzeichnen.

Die beiden Schweifsterne, die in einer Distanz von einem Zehntel Sonnenradius an der heißen Oberfläche vorbeischrammten, sind so genannten Sonnenstreifer: Eisbrocken, die in Gruppen auf gefährlich engen Bahnen das Zentralgestirn umrunden. Das jetzt fotografierte Paar zählt zur so genannten Kreutz-Familie, die sich vermutlich aus Bruchstücken eines vor langer Zeit zerborstenen größeren Kometen zusammensetzt.

Der kopflose Schweif auf den Soho-Bildern besteht wahrscheinlich aus staubigen Resten der dahingeschmolzenen Kometenkerne. Weitere Studien sollen die genauen Bestandteile der Wolke enthüllen: "Der Schweif hält vermutlich deshalb so gut zusammen, weil alle Staubteilchen die gleiche Größe haben", erklärt Douglas Biesecker, der Leiter des Soho-Kometenprogramms.



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