Kosmische Feuerhölle Senior-Stern lässt geröstete Planeten zurück

In fünf Milliarden Jahren wird es auf der Erde ziemlich heiß: Die Sonne wird sich aufblähen und unseren Planeten verschlingen. Astronomen haben jetzt zwei Planeten gefunden, die durch solch eine Gluthölle gegangen sind - und irgendwie überlebt haben.

Kosmische Überlebenskünstler (grafische Darstellung): "Würde einfach verdampfen"
S. Charpinet / dapd

Kosmische Überlebenskünstler (grafische Darstellung): "Würde einfach verdampfen"


London - Am Ende ihrer Karriere starten manche Sterne noch einmal die große Show. Wenn sie ihren Brennstoff weitgehend aufgebraucht haben, blähen sie sich zu einem sogenannten Roten Riesen auf. Dieses Schicksal blüht in rund fünf Milliarden Jahren auch unserer Sonne. Dann wird sie die inneren Planeten unseres Sonnensystems rösten: Merkur, Venus und Erde, wahrscheinlich auch den Mars.

Astronomen haben nun zum ersten Mal Planeten gefunden, die eine solche Gluthölle überlebt haben. Sie sind vermutlich etwa so groß wie die Erde und wurden vom Weltraumteleskop "Kepler" im Orbit um einen gealterten Stern erspäht. Das Objekt mit dem Namen KIC 05807616, das 3850 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, hat seine Roter-Riese-Phase bereits hinter sich. Es könnte neue Erkenntnisse über das Schicksal unseres Sonnensystems liefern, berichten die Forscher um Stéphane Charpinet von der Universität im französischen Toulouse im Fachblatt "Nature".

Erst am Dienstag hatten Astronomen ebenfalls in "Nature" die kleinsten bisher bekannten Exoplaneten vorgestellt. Dagegen waren Charpinet und seine Kollegen ursprünglich gar nicht auf Planetenjagd. Sie hatten das "Kepler"-Teleskop benutzt, um detailliert die regelmäßigen Helligkeitsschwankungen eines veränderlichen Sterns zu studieren. Auf diese Weise lässt sich unter anderem dessen innere Zusammensetzung erkunden.

Abgeschmolzen bis auf den Kern?

In den Beobachtungsdaten stießen die Astronomen jedoch auf zwei rhythmische Schwankungen, die sich nicht mit dem üblichen Pulsieren des alten Sterns erklären ließen. Die Analyse zeigt nach Angaben der Wissenschaftler, dass die Schwankungen von zwei Planeten stammen müssen, die den fernen Stern in fünf Stunden und 46 Minuten beziehungsweise acht Stunden und 14 Minuten umkreisen. Dabei reflektieren sie das Sternenlicht mal mehr, mal weniger - wie der Mond in seinen Phasen. Das lässt die Sternhelligkeit um etwa ein Fünftausendstel Prozent schwanken.

Der Heimatstern der beiden Exoplaneten ähnelte einst unserer Sonne. Dann dehnte er sich aus und hüllte seine beiden Begleiter komplett ein, ehe er wieder schrumpfte. Bislang haben Astronomen angenommen, dass kein Planet dieses Feuerbad überleben kann.

Die beiden widerstandsfähigen Planeten könnten allerdings einst viel größer und weiter entfernt von ihrem Zentralgestirn gewesen sein als jetzt, glauben die Forscher. In diesem Fall wären sie erst durch die Reibung am heißen Gas der aufgeblähten Sternhülle abgebremst worden - und auf diese Weise eng an ihre Sonne herangerückt. Die jetzt aufgespürten Begleiter des 28.000 Grad Celsius heißen Sternenrests wären dann lediglich die Kerne der ursprünglichen Planeten.

"Nur Planeten mit einer sehr viel größeren Masse als die Erde, wie Jupiter oder Saturn, könnten vielleicht überleben", meint Elizabeth Green vom Steward Observatory der University of Arizona. Sie gehört zu den Autoren der aktuellen Arbeit - und hat trotz der neuen Erkenntnisse wenig Hoffnung für unsere kosmische Heimat: "Würde ein kleiner Planet wie die Erde eine Milliarde Jahre in einer solchen Umgebung verbringen, würde er einfach verdampfen."

chs/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.