Kosmische Karriere: Forscher finden Diamant-Planeten

Einst war er selbst ein Stern: Ein neu entdeckter Planet rast in nur zwei Stunden um sein Zentralgestirn im Sternbild Schlange. Dass er nicht von der Schwerkraft zerrissen wird, liegt an seinem faszinierenden Inneren - der Himmelskörper besteht aus Diamant.

Pulsar und Planet (grafisch): Gelber Kreis markiert Größe unserer Sonne zum Vergleich Zur Großansicht
DPA / Swinburne Astronomy Productions

Pulsar und Planet (grafisch): Gelber Kreis markiert Größe unserer Sonne zum Vergleich

Berlin - Das Himmelsobjekt hat eine ungewöhnliche Karriere hinter sich. Astronomen haben einen ehemaligen Stern entdeckt, der mittlerweile als Planet seine Bahnen zieht - und wahrscheinlich seit der Zeit seiner Transformation zum großen Teil aus Diamant besteht. Der ungewöhnliche Trabant habe eine größere Dichte als jeder andere bislang aufgespürte Planet, berichtet ein internationales Forscherteam mit deutscher Beteiligung im Fachmagazin "Science".

Der Edelplanet umkreist einen ebenfalls ungewöhnlichen Stern, einen sogenannten Pulsar. Pulsare sind ausgebrannte Sonnen, die in sich zusammengestürzt sind. Sie senden einen gebündelten Strahl von Radiowellen ins All, der mit der Rotation der Sternleiche regelmäßig über die Erde streicht. Das Pulsar-Planeten-Paar liegt in etwa 4000 Lichtjahren Entfernung im Sternbild Schlange. Ein Lichtjahr ist die Entfernung, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, und entspricht knapp zehn Billionen Kilometern. Der Planet wurde mit dem 64-Meter-Parkes-Radioteleskop in Australien gefunden.

In dem Signal des kürzlich entdeckten Pulsars PSR J1719-1438 machten die Astronomen charakteristische Schwankungen aus, die auf einen massereichen Begleiter hinweisen. Aus der genauen Analyse dieser regelmäßigen Schwankungen schließen die Forscher, dass dieser Trabant etwa halb so groß ist wie der Planet Jupiter in unserem Sonnensystem und den Pulsar rasend schnell umkreist: Ein Umlauf dauert nur zwei Stunden und zehn Minuten. Damit muss der Planet dem Pulsar so nahe stehen, dass dessen Schwerkraft ihn eigentlich zerreißen würde.

Offensichtlich handelt es sich um ein sehr kompaktes, massereiches Objekt. "Die Dichte des Planeten ist mindestens so hoch wie die von Platin", erklärte der Leiter des Forschungsteams, Matthew Bailes von der Swinburne University of Technology in Australien. Das Forscherteam nimmt an, dass der Planet den winzigen Kern eines einst massereichen Sterns darstellt, der nur knapp der kompletten Zerstörung entgangen ist. Dabei könne es sich nur um einen sogenannten Weißen Zwerg handeln, der 99,9 Prozent seiner Masse an den Pulsar verloren habe.

Der übriggebliebene Kern bestehe vermutlich überwiegend aus Kohlenstoff und Sauerstoff in kristallisierter Form. Diamanten sind spezielle, besonders dichte Kohlenstoff-Kristalle. Ein großer Teil des Planeten dürfte daher wie ein Diamant aufgebaut sein, folgern die Forscher.

chs/dpa

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1. Jetzt geht die Suche los.
AusVersehen 26.08.2011
Zitat von sysopEinst war er selbst ein Stern: Ein neu entdeckter Planet rast in nur zwei Stunden um sein Zentralgestirn im Sternbild Schlange. Dass er nicht von der Schwerkraft zerrissen wird, liegt an seinem faszinierenden Inneren -*der Himmelskörper*besteht aus Diamant. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,782557,00.html
Da haben wir den Salat! Jetzt müssen wir eine Frau finden, die dick genug ist den Diamanten an einem finger zu tragen.
2.
Neurovore 26.08.2011
Zitat von sysopEinst war er selbst ein Stern: Ein neu entdeckter Planet rast in nur zwei Stunden um sein Zentralgestirn im Sternbild Schlange. Dass er nicht von der Schwerkraft zerrissen wird, liegt an seinem faszinierenden Inneren -*der Himmelskörper*besteht aus Diamant. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,782557,00.html
Daß mir den keiner anpackt! Das ist meiner!
3. Jep...
sappelkopp 26.08.2011
...ich werde ihn heute Nacht meiner Frau schenken! LOL, so nah und doch so weit! Gibt es da nicht ein paar finanzkräftige Minengesellschaften, so weit ist er ja auch nicht weg.
4. fast da
AusVersehen 26.08.2011
Zitat von sappelkopp...ich werde ihn heute Nacht meiner Frau schenken! LOL, so nah und doch so weit! Gibt es da nicht ein paar finanzkräftige Minengesellschaften, so weit ist er ja auch nicht weg.
Jo, wären die Ägypter in ihren neu gebauten Pyramidenraumschiffen damals sofort los geflogen, wären sie vielleicht schon fast da. Hmmm, vielleicht sind sie es ja sogar!?
5. hihi
Layer_8 26.08.2011
Zitat von sysopEinst war er selbst ein Stern: Ein neu entdeckter Planet rast in nur zwei Stunden um sein Zentralgestirn im Sternbild Schlange. Dass er nicht von der Schwerkraft zerrissen wird, liegt an seinem faszinierenden Inneren -*der Himmelskörper*besteht aus Diamant. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,782557,00.html
DAS ist doch das interessante in der Astrophysik. 'Alles, was durch physikalische Gesetze nicht ausdrücklich verboten ist, existiert auch irgendwo, irgendwann im Universum'. Verrückte Welt, lol. Warum bin ich nur in der Informatik gelandet? *sigh*
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Exoplaneten: Suche nach der zweiten Erde
Methoden der Planetenjagd
Die Suche nach der zweiten Erde
ESO
Die Entdeckung der ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems galt als wissenschaftliche Sensation. 1992 wiesen Forscher die ersten Exoplaneten im Orbit um den Pulsar PSR B1257+12 nach. 1995 fanden Michel Mayor und Didier Queloz erstmals einen Planeten in der Umlaufbahn eines Sterns, der unserer Sonne ähnelt. Zuvor war unter Forschern heftig umstritten, ob es überhaupt Planeten in den Tiefen des Alls gibt - oder ob unser Sonnensystem das einzige seiner Art ist. Inzwischen sind jedoch rund 600 Exoplaneten in mehr als 480 Systemen bekannt.
Die größte Hürde
Mit heutigen Teleskopen können Exoplaneten nur unter größten Schwierigkeiten direkt beobachtet werden, da ihr Heimatstern sie bei weitem überstrahlt. Astronomen sind deshalb auf indirekte Methoden angewiesen, die in den vergangenen Jahren immer weiter verfeinert wurden und die Entdeckung immer kleinerer Planeten erlauben. Das begehrteste Objekt ist eine "zweite Erde": ein Felsplanet, der in Größe und Masse der Erde ähnelt und seinen Stern in der sogenannten Grünen Zone umkreist, in der die Existenz von flüssigem Wasser auf der planetaren Oberfläche möglich ist.
Radialgeschwindigkeitsmessung
Die Messung der Radialgeschwindigkeit ist das älteste Verfahren zum Nachweis extrasolarer Planeten. Wenn ein Planet einen Stern umrundet, zwingt er ihm eine leichte Taumelbewegung auf: Der Stern schlingert wie ein Hammerwerfer. Dadurch bewegt er sich minimal auf den Betrachter zu und von ihm weg. Durch den Doppler-Effekt wird das Licht dabei abwechselnd kurzwelliger und langwelliger.

Anfangs war diese Methode noch so grob, dass mit ihr nur große Gasplaneten vom Kaliber des Jupiters entdeckt werden konnten, die ihren Stern zudem in einem engen Orbit umrunden. Leben ist auf diesen glühend heißen Giganten aber kaum möglich. Erst seit kurzem können Wissenschaftler mit dieser Methode auch kleinere Planeten von der Größe der Erde entdecken - vorzugsweise im Orbit um Rote Zwergsterne. Sie sind wesentlich kleiner und kühler als unsere Sonne, weshalb erdähnliche Planeten sie in einer engen Bahn umkreisen und dennoch lebensfreundlich sein können.
Transitmethode
Die Transitmethode kann angewandt werden, wenn ein Planet von der Erde aus gesehen direkt vor seinem Heimatstern vorbeizieht. Dabei verdeckt er einen Teil des Sternenlichts. Anhand der Abdunkelung können Astronomen auf die Existenz des Planeten schließen. Und nicht nur das: Die Transitmethode erlaubt auch gewisse Rückschlüsse auf die Atmosphäre eines Planeten. Während des Transits werden je nach Zusammensetzung der Gashülle verschiedene Wellenlängen des Sternenlichts unterschiedlich stark absorbiert. Auf diese Weise konnten Forscher in der Atmosphäre von HD 209458b Wasserstoff, Sauerstoff und möglicherweise sogar Wasserdampf nachweisen.
Gravitationslinseneffekt
Beim Gravitationslinseneffekt, auch "gravitational microlensing" genannt, wird das Licht eines Himmelskörpers durch ein Objekt im Vordergrund verstärkt. Der Effekt wird von Albert Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie beschrieben: Die Schwerkraft eines Objekts mit großer Masse, etwa eines Sterns oder einer Galaxie, krümmt die Raumzeit und lenkt das Licht ab - so, als ob eine gigantische optische Linse im Raum schweben würde. Auf diese Weise können auch lichtschwache Objekte sichtbar werden, die Astronomen sonst verborgen blieben. Mit dieser Methode wurden bereits mehrere Exoplaneten entdeckt.