Kosmischer Crash "Hubble" schießt scharfes Foto vom Jupiter-Einschlag

Es war eine gigantische Kollision: Ein kosmisches Objekt ist in den Jupiter eingeschlagen und hat eine Narbe von der Größe des Pazifischen Ozeans hinterlassen. Jetzt hat das "Hubble"-Weltraumteleskop das bisher schärfste Foto des Kollisionsgebiets geschossen.


Ein solches Spektakel ist nicht jeden Tag am Himmel zu sehen - und deshalb entschlossen sich Wissenschaftler der US-Weltraumbehörde Nasa zu einem ungewöhnlichen Schritt: Sie unterbrachen die Prüfung und Kalibrierung des vor kurzem reparierten "Hubble"-Teleskops, um das Weltraum-Observatorium auf den Jupiter auszurichten.

Dort nämlich hatte sich Erstaunliches ereignet: Ein Asteroid oder Komet war offenbar am 19. Juli auf Jupiter gestürzt und hatte einen riesigen schwarzen Fleck hinterlassen. Die Spur, die ein Amateur-Astronom als Erster entdeckte, wirkt klein im Verhältnis zur Gesamtgröße des Gasplaneten. Doch sie besitzt die Ausmaße des Pazifischen Ozeans - und hat sich seit der Kollision weiter ausgedehnt. Ein solches Ereignis konnten Astronomen bisher nur ein einziges Mal zuvor beobachten, als vor 15 Jahren der Komet "Shoemaker-Levy 9" in den Jupiter krachte.

"Wir glauben, dass ein Einschlag dieser Größe selten ist", sagte Amy Simon-Miller vom Goddard Space Flight Center der Nasa in Greenbelt (US-Bundesstaat Maryland). "Deshalb hatten wir großes Glück, dass wir ihn mit dem 'Hubble'-Teleskop beobachten konnten." Das dabei entstandene Foto zeige eine klumpige Trümmerwolke, verursacht durch Turbulenzen in der Atmosphäre des Planeten.

Das Bild beweist nach Meinung der Wissenschaftler auch, dass die Reparatur und Aufrüstung des "Hubble"-Teleskops im Mai ein voller Erfolg war. "Die hervorragende Bildqualität zeigt eine erstaunliche Vielfalt an Details von der Einschlagstelle", sagte Heidi Hammel vom Space Science Institute in Boulder (US-Bundesstaat Colorado). "Durch die Kombination mit Daten von Teleskopen am Boden und aus anderen Wellenbereichen werden uns die 'Hubble'-Daten ein umfassendes Verständnis darüber ermöglichen, was genau mit den Trümmern des Einschlags geschieht."

Astronomin Simon-Miller glaubt, dass das Geschoss einen Durchmesser von mehreren hundert Metern besaß. Die beim Aufschlag freigesetzte Energie sei Tausende Male größer gewesen als die des Tunguska-Ereignisses, bei dem im Juni 1908 ein Komet oder Asteroid über Sibirien explodierte. Dabei wurden Schätzungen zufolge rund 60 Millionen Bäume in einem Gebiet von 2000 Quadratkilometern umgeknickt.

mbe



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