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Kosmischer Geist: Hobby-Astronomin entdeckt neue Himmelskörper-Klasse

Mit einem Zufallsfund schreibt eine niederländische Lehrerin Astronomiegeschichte. Sie entdeckte ein mysteriöses grünes Objekt, dessen Rätsel die Astronomen nun nach und nach entschlüsseln. Demnächst soll sogar das "Hubble-Weltraumteleskop" auf "Hannys Ding" gerichtet werden.

New Haven - Weil Kevin Schawinski beim Schreiben seiner Doktorarbeit in Oxford langweilig war, hat er der Astronomie 150.000 neue Forscher beschert. Und eine von ihnen, die Niederländerin Hanny van Arkel, hat nun eine Entdeckung gemacht, die Astronomie-Geschichte schreiben könnte.

Und das kam so: Schawinski musste für seine Arbeit fast 50.000 Galaxien klassifizieren und katalogisieren. Am besten funktioniert das mit einem geübten Blick, denn das menschliche Auge ist Computern in dieser Hinsicht noch immer überlegen. Schawinski überlegte sich, die wichtige, aber manchmal auch recht stupide Arbeit über das Internet an interessierte Hobby-Astronomen zu verteilen. Die Webseite "Galaxy Zoo" war geboren, an der sich auch Forscher der britischen Universitäten Portsmouth und Oxford sowie der Johns Hopkins University im US-Bundesstaat Maryland beteiligen.

Innerhalb eines Jahres haben enthusiastische Hobbyforscher eine Million Bilder bearbeitet. Der holländischen Lehrerin Hanny van Arkel aber gelang im vergangenen Herbst der Clou: Auf einem der Bilder entdeckte sie im Sternbild Kleiner Löwe ein mysteriöses Objekt. Es sah aus wie eine Gaswolke, die sich um einen riesigen Hohlraum schließt. Zunächst erschien das mysteriöse Fundstück blau, später stellte sich heraus, dass es grün leuchtete.

Als "komischer Geist" oder "Hannys Ding" wurde die Erscheinung in den Foren von "Galaxy Zoo" diskutiert. Die Astronomen rätselten zunächst, ob sich das Phänomen innerhalb der Milchstraße oder weit außerhalb befindet. In weiteren Untersuchungen ermittelten sie dann eine Entfernung von rund 700 Millionen Lichtjahren - also weit jenseits der Milchstraße und genauso weit entfernt wie die Spiralgalaxie IC 2497, die sich auf den Teleskopaufnahmen gleich neben dem grünen Objekt befindet.

Vermutlich schimmere der "Geist" im Licht der nahen Galaxie, erklären nun die Astronomen um Schawinski von der Yale University. Die Gase, die das Objekt überwiegend ausmachen dürften, sind rund 10.000 Grad Celsius heiß. Sie umschließen einen Hohlraum, der einen Durchmesser von 16.000 Lichtjahren hat. Die Forscher vermuten, dass eine starke Radioquelle, ein sogenannter Quasar, die Gaswolke zum Leuchten gebracht hat. Der Quasar ist nach Vermutungen der Astronomen schon vor 100.000 Jahren erloschen. Der grüne "Geist" aber leuchtet immer noch in dem Licht, das der Quasar einst ausgesandt hatte.

Die Entdeckung ist so ungewöhnlich, dass die Astronomen darin eine neue Klasse von Himmelskörpern vermuten. Im kommenden Jahr soll das "Hubble"-Weltraumteleskop seine Optik auf "Hannys Ding" ausrichten. Für insgesamt sieben Erdumrundungen, also etwa sechseinhalb Stunden wird dann der kosmische Späher auf die Region mit der wundersamen grünen Wolke schauen.

chs/ddp

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"Hannys Ding": Grünes Leuchten im All


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