Reflexionsnebel Messier 78: Staubwischen am kosmischen Kindergarten

Faszinierend sieht er aus, gar keine Frage. Doch wenn Astronomen auf den Reflexionsnebel Messier 78 blicken, dann versperrt ihnen Staub teilweise die Sicht. Wie praktisch wäre es doch, die Staubwolken einfach zur Seite zu wischen. Und genau das ist jetzt möglich - aber testen Sie selbst!

Berlin - Ganz schön viel Staub hier! Der Reflexionsnebel Messier 78, er liegt etwas nördlich vom Gürtel des Orion, wäre vermutlich der Albtraum jeder galaktischen Super-Hausfrau. Für Astronomen ist das Gebiet dagegen ein attraktives Beobachtungsziel. Die riesigen Staubwolken streuen das Licht der benachbarten Sterne. Reflexionsnebel heißt so etwas bei Fachleuten - und Messier 78 gilt als hellster Vertreter dieser Art am Nachthimmel.

Interessant sind solche dichten Staubwolken nicht zuletzt, weil aus ihnen einst neue Sterne entstehen können. Im Bereich des sichtbaren Lichts sind die kosmischen Kindergärten aber nur unvollständig zu beobachten. Das liegt daran, dass der Staub dunkel erscheint und den Blick auf entfernter liegende Objekte versperrt. Aktuelle Bilder der Europäischen Südsternwarte (Eso) zeigen nun, welche faszinierende Welt sich dem ersten Blick verschließt - und wie sie sich doch noch zugänglich machen lässt.

Die entscheidenden Beobachtungen wurden unter der Federführung von Thomas Stanke (Eso), Tom Megeath (University of Toledo, US-Bundesstaat Ohio) und Amy Stutz (Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg) durchgeführt. Die Wissenschaftler haben Daten des Apex-Teleskops ("Atacama Pathfinder Experiment") in ein Bild der Region im Bereich des sichtbaren Lichtes eingefügt. Dadurch zeigen sich die Staubwolken von Messier 78 in nie gekannter Detailtiefe.

Das Apex-Radioteleskop steht in 5100 Meter Höhe auf einem Hochplateau in Nordchile. Dort entsteht auch die gigantische Teleskopanlage Alma ("Atacama Large Millimeter Array") mit ihren 66 Einzelantennen. Apex ist ein leicht modifizierter Prototyp einer solchen Antenne - und arbeitet bei Wellenlängen von 0,2 bis 2,0 Millimeter, also weit oberhalb des sichtbaren Lichts.

Das Teleskop kann auf diese Weise auch das schwache Leuchten der dichten und kalten Staubklumpen sichtbar machen. Einige von ihnen sind übrigens kälter als -250°C. Auf dem mit den Apex-Daten angereicherten Bild ist nach Angaben der Eso übrigens zu sehen, wie aus einigen dichten Staubklumpen mit hoher Geschwindigkeit Gas ausströmt. Das sei ein Hinweis auf junge Sterne, die gerade aus dem Rohmaterial der umgebenden Gas- und Staubwolke entstünden.

chs

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