Kosmisches Fotoshooting Satellit knipst riesige Sonneneruption

Flecken, Eruptionen und Plasmastürme: Satelliten und Teleskope liefern spektakuläre Aufnahmen der Sonne. Jetzt haben Astronomen eine besonders heftige Eruption unseres Zentralgestirns im Kasten.

DPA/ NASA

Just in dem Moment, als sich die Sonnenflecken-Region 1105 von der Erde wegdrehte, geschah es: Am Donnerstag spie die Sonne unvorstellbare Mengen an heißen Plasmateilchen ins All, die jetzt durch den Weltraum rasen - glücklicherweise aber nicht die Erde treffen werden.

Erst vor kurzem hatte es zwei weitere heftige beeindruckende Eruptionen gegeben, deren Front sogar die Erde erreicht hatte. Manche fürchteten einen solaren Tsunami, doch die Folgen waren überschaubar und schön zugleich: Treffen Plasmateilchen, eingefangen vom Erdmagnetfeld, auf die Atmosphäre, regen sie Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle zum Leuchten an - zu sehen als Polarlichter tief im Süden oder hoch im Norden.

Über Polarlichter können wir uns diesmal allerdings nicht freuen, denn die ausgestoßenen Teilchen sind nicht in Richtung Erde unterwegs. Wie der Internetdienst spaceweather.com mitteilt, hätte das möglicherweise schwerwiegendere Folgen haben können: Im Prinzip können die Eruptionen auch Folgen auf der Erde haben und zum Beispiel Stromnetze lahmlegen. Die hohe Elektronendichte in der Ionosphäre kann in den Leitungsnetzen am Boden für Spannungsspitzen sorgen, sogenannte geomagnetisch induzierte Ströme. Diese wiederum könnten Transformatoren-Stationen lahmlegen.

Der Gasball gleicht einer Sonnenblume

Die erneute Eruption ereignete sich in der Nacht zu Donnerstag; beobachtet wurde sie von Forschern des US-Sonnenobservatoriums SDO. Mit Hilfe ihres Satelliten machten sie die spektakulären Aufnahmen des kosmischen Naturschauspiels.

Auch Forschern des New Jersey Institute of Technology sind vor kurzem einzigartige Bilder der Sonne gelungen. Die Fotografien der Sonnenflecken wirken auf den ersten Blick, als hätten die Experten im Garten Sonnenblumen aus der Nähe abgelichtet (siehe Fotostrecke). Tatsächlich zeigen die Bilder den lodernden Gasball in bisher unbekanntem Detail.

Geglückt sind die Aufnahmen dank eines neuen Teleskops: Hoch in den San Bernardino Mountains (im US-Bundesstaat Kalifornien) steht das Big Bear Solar Observatory (BBSO), dessen Superauge einen Spiegeldurchmesser von gut anderthalb Metern hat. Die Ergebnisse des kosmischen Fotoshootings zeigen Ausschnitte mit einer Auflösung von gerade mal 80 Kilometern - eine winzige Distanz angesichts des Gesamtumfangs der Sonne von gut 4,3 Millionen Kilometern.

Die Forscher interessieren sich besonders für die dunklen Flecken, also kühlere Areale auf der Oberfläche des Sterns, die durch Störungen des Magnetfelds entstehen und den Wissenschaftlern immer noch Rätsel aufgeben.

cib

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