Kosmisches Konzert Raumsonde hört Gesang des Saturns

Der Saturn kann nicht nur schön aussehen, sondern auch singen. Die Raumsonde "Cassini" hat faszinierende Klänge vom Ringplaneten aufgezeichnet. Manche erinnern an den Gesang von Delfinen, andere an ein schlagendes Herz. SPIEGEL ONLINE gibt eine Hörprobe.


Saturn-Blitze (Grafik): Mit dem "RPWS" misst "Cassini" von den Blitzen erzeugte Radiowellen
NASA/ JPL/ University of Iowa

Saturn-Blitze (Grafik): Mit dem "RPWS" misst "Cassini" von den Blitzen erzeugte Radiowellen

Das All ist zwar luftleer, aber nicht stumm. Der Weltraum besteht aus einem dünnen Gas geladener Teilchen, die in Überschallgeschwindigkeit zwischen Sonne und Planeten fließen - dem Sonnenwind. Treffen diese geladenen Teilchen auf das Magnetfeld eines Planeten, entsteht elektromagnetische Strahlung.

Der Astrophysiker Don Gurnett von der University of Iowa hat nun die ersten Töne vom Saturn veröffentlicht: Geräusche, die von Saturns Rotation um die eigene Achse stammen, und den Klang, als die "Cassini"-Sonde in das Magnetfeld des Planeten eintrat. Gurnett lauscht dem All-Funk schon seit Jahren. Er ist der leitende Forscher für das "Radio and Plasma Wave Science"-Instrument (RPWS) der Raumsonde, das Radio- und Plasmawellen auf dem Weg zum Saturn und in seiner Umlaufbahn misst und vergleicht. Mit Hilfe des Instruments war Gurnett im Oktober 2003 bereits die Vertonung des Sonnenwinds gelungen.

Vor allem die Rotationstöne des Saturns haben es in sich, denn aus ihnen können die Forscher die Dauer der Achsendrehung des Planeten ermitteln. Da Gasplaneten wie Saturn und Jupiter keine feste Oberfläche haben und überall von Wolken bedeckt sind, lässt sich ihre Umdrehung nicht direkt beobachten. Die Forscher messen stattdessen die Rotationsrate der Radiowellen, die entstehen, wenn die Sonnenwindpartikel auf das Planetenmagnetfeld treffen.

Achsenrotationszeit des Saturns verändert sich

Dabei stellte sich heraus, dass sich die Umdrehungsdauer des Saturns in den letzten Jahren um mehrere Minuten verändert hat, erklärten die Wissenschaftler gegenüber dem Onlinedienst "Science Express". Während die Raumsonden "Voyager 1" und "Voyager 2" Anfang der achtziger Jahre noch eine Rotationsdauer von zehn Stunden, 39 Minuten und 24 Sekunden ermittelt hatten, beträgt sie den "Cassini"-Daten zufolge nun sechs Minuten mehr: Zehn Stunden, 45 Minuten und 45 Sekunden.

Laut Gurnett könnte das die These des amerikanischen Astrophysikers Alex Dessler stützen. Dessler hatte 1985 vorgeschlagen, das Magnetfeld von Gasplaneten mit dem der Sonne und nicht mit dem der Erde zu vergleichen. Das Gasplaneten-Magnetfeld dreht sich demnach nicht wie ein fester Körper: Je nach Breitengrad hat der Planet eine andere Rotationszeit.

"Cassini"-Mission (Grafik): Vier Jahre lang erforscht die Raumsonde den Saturn und seine 33 Monde
Nasa

"Cassini"-Mission (Grafik): Vier Jahre lang erforscht die Raumsonde den Saturn und seine 33 Monde

Die Forscher wiesen auch auf eine weitere interessante Entdeckung hin: Die Blitze auf dem Saturn scheinen eine Million Mal stärker als die auf der Erde zu sein. Denn "Cassini" konnte die ersten Saturn-Radiowellen schon aus 161 Millionen Kilometern Entfernung auffangen, während die Signale von der Erde nach 89.200 Kilometern verstummten. Auch auf ihrem Vorbeiflug am Jupiter vorbei nahm die Sonde Töne auf.

"Cassini" ist ein gemeinsames Projekt der Nasa und der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa. Es ist die erste Raumsonde, die in die Saturn-Umlaufbahn eingetreten ist. "Cassini" soll den zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems in den kommenden vier Jahren 76-mal umkreisen und mit ihren zwölf Instrumenten studieren. Am 25. Dezember wird sie die Sonde "Huygens" ausklinken, die Mitte Januar auf dem größten Saturn-Mond Titan landen soll. Dieser besitzt als einziger Mond unseres Sonnensystems eine Atmosphäre.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.