Weltraumteleskop am Ende: "Herschel" stirbt den Hitzetod

"Herschel"-Weltraumteleskop: Missionsende durch Überhitzung Fotos
ESA/ C. Carreau

"Herschel" ist Geschichte. Nach vier Jahren Dienst im All ist dem Weltraumteleskop planmäßig das Kühlmittel ausgegangen. Wissenschaftler werten die Mission als glänzenden Erfolg: Sie hat viele Fragen beantwortet - und zahlreiche neue Rätsel eröffnet.

Sein 3,5-Meter-Spiegel war der größte, der jemals für ein Weltraumteleskop gebaut wurde, und mit ihm spähte "Herschel" in die kältesten Regionen des Kosmos. Mehr als 35.000 wissenschaftliche Beobachtungen stemmte das Observatorium, seit es im Mai 2009 ins All gebracht wurde. Jetzt hat es seinen Dienst quittiert. Wie die Europäische Weltraumagentur Esa mitteilte, ist "Herschel" wie geplant das Kühlmittel ausgegangen.

Das flüssige Helium hat die Sensoren des Infrarotteleskops kontinuierlich auf die Betriebstemperatur von minus 271 Grad Celsius gekühlt, was sich nahe dem absoluten Nullpunkt bewegt. Doch die 2300 Liter an Bord verflüchtigten sich nach und nach, bis das Helium am Montag aufgebraucht war. Am Montagnachmittag habe das Teleskop das Ende des Vorrats und einen starken Anstieg der Temperaturen aller Instrumente gemeldet. Weitere Beobachtungen seien nicht mehr möglich, so die Esa.

"'Herschel' hat alle Erwartungen übertroffen und uns eine unglaubliche Fülle an Daten beschert, mit deren Auswertung die Astronomen noch mehrere Jahre lang beschäftigt sein werden", sagte Alvaro Giménez, Esa-Direktor für Wissenschaft und unbemannte Forschung. Das Teleskop habe zum Beispiel viel zum Wissen über die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien beigetragen.

"Neuer Blick auf ein verborgenes Universum"

Das Observatorium hat unter anderem die Entstehung neuer Sterne und Galaxien erforscht. Mit den Instrumenten Pacs, Hifi und Spire blickte es in verschiedenen Wellenlängen durch Staub- und Gaswolken. Das erlaubte auch Aufnahmen durch Nebel hindurch, die etwa im optischen Bereich des Lichts undurchdringlich gewesen wären. "Herschel hat uns einen neuen Blick auf ein bis dahin verborgenes Universum erlaubt", sagte Esa-Wissenschaftler Göran Pilbratt.

In weit entfernten Galaxien stieß das Teleskop auf wahre Sternenfabriken, die Hunderttausende Sonnenmassen pro Jahr produzieren. In unserer Milchstraße entstehen laut Esa dagegen neue Sterne von im Durchschnitt nur einer Sonnenmasse pro Jahr. Wie die Galaxien des frühen Universums derart gigantische Menge an neuen Sternen hervorbringen konnten, ist für Astronomen noch immer ein Rätsel.

Auch Planeten, Asteroiden und Kometen beobachtete "Herschel". Vor kurzem vermaß das Teleskop den Asteroiden Apophis, welcher der Erde im Jahr 2036 recht nahe kommen wird. "Wir konnten Wasser durch das All verfolgen, von molekularen Wolken bis hin zu neugeborenen Sternen und ihren Scheiben, aus denen Planeten entstehen", so Pilbratt.

"Herschel" soll weiter für einige Zeit mit seinen Bodenstationen in Funkkontakt bleiben, um nach der Erschöpfung des Heliumvorrats noch eine Reihe technischer Tests durchzuführen. Im Mai soll das Teleskop dann auf eine langfristig stabile Umlaufbahn um die Sonne befördert werden.

mbe/dpa

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