Kurioser Fund: Sowjet-Shuttle am Persischen Golf aufgetaucht

Von Markus Becker

Deutsche Journalisten haben am Persischen Golf einen kuriosen Fund gemacht: einen offenbar echten russischen Spaceshuttle. Es könnte sich um eine der Testversionen des "Buran"-Raumschiffs handeln, die 1988 ihren ersten - und einzigen - Flug absolvierte.

Sowjetisches Spaceshuttle: Seltsamer Fund am Persischen Golf
Chris G. Maier

Sowjetisches Spaceshuttle: Seltsamer Fund am Persischen Golf

Ein Düsseldorfer TV-Team stieß bei Dreharbeiten zur Formel 1 in Bahrein zufällig auf das Gerücht vom russischen Spaceshuttle, der schon seit geraumer Zeit in der Region läge - ohne dass sich jemand dafür interessiere. Wenig später standen die Deutschen vor einem Relikt des sowjetischen Space-Shuttle-Programms aus den achtziger Jahren: ein Gefährt, das den US-Shuttles stark ähnelt. Es könnte sich um eine der Testversionen der Raumfähre "Buran" ("Schneesturm") handeln.

Mit dem Shuttle-Projekt, an dem zeitweise bis zu 30.000 Menschen arbeiteten, wollten die Sowjets mit den Amerikanern im bemannten Weltraumflug gleichziehen. Doch das Vorhaben stand unter keinem guten Stern. Schon zu seinem Beginn in den späten siebziger Jahren war klar, dass die Sowjetunion eigentlich keine Verwendung für eine wiederverwendbare Raumfähre hatte. "Buran", so der Name des einzigen Sowjet-Shuttles, der jemals ins All vorstieß, war ein reines Prestigeobjekt - und ein äußerst teures.

Am 15. November 1988, nach mehr als zehn Jahren Entwicklungszeit, hob "Buran" ohne Besatzung zum ersten und zugleich letzten Orbitalflug ab, der nach zwei Erdumrundungen planmäßig beendet wurde. Ein Jahr später verschwand der Eiserne Vorhang - und mit ihm ein großer Teil der Geldmittel für die sowjetische Raumfahrt.

TV-Produzent Maier im Cockpit der Raumfähre: Relikt aus der Sowjetunion
Chris G. Maier

TV-Produzent Maier im Cockpit der Raumfähre: Relikt aus der Sowjetunion

Die Raumfähre "Buran" konnte zwar mehr Nutzlast transportieren als die US-Shuttles und auch ferngesteuert fliegen, doch weder ihre Bordcomputer noch ihr Lebenserhaltungssystem funktionierten bis zuletzt ausreichend gut. Das Raumschiff wurde eingemottet und im Mai 2002 beim Einsturz einer Hangardecke im Weltraumbahnhof Baikonur zerstört. Eine zweite Fähre namens "Ptitschka" ("Vögelchen), die 1990 fertiggestellt wurde, kam nie zum Einsatz: Das Programm wurde 1993 offiziell beendet.

Neben den beiden flugfähigen Sowjet-Shuttles soll es noch drei weitere unfertige Raumfähren und eine Reihe von Testversionen gegeben haben. Eine dient heute in Moskau als Restaurant, eine weitere hat Russland als Ausstellungsstück für die Olympischen Spiele 2000 nach Sydney verkauft. "Ptitschka" soll sich noch in Baikonur befinden.

Unklar ist, welches Exemplar das Düsseldorfer Fernsehteam am Persischen Golf aufgetan hat. Niemand weiß, wie das Museumsstück dorthin gelangte. Laut TV-Produzent Chris Maier könnte es sich um das Modell handeln, das ehemals in Sydney stand. Dafür würde sprechen, dass die Raumfähre 25 Testflüge in der Erdatmosphäre absolviert haben soll. Die Russen hatten unterschiedlichen Berichten zufolge den aerodynamischen Testflieger "Buran OK-GLI" nach Australien geliefert, mit dem das automatische Landesystem der Raumfähren erprobt wurde. Deshalb war die Maschine als einzige der Testvarianten mit Triebwerken ausgestattet.

"Wir müssen noch genau feststellen lassen, um welche Version es sich handelt", räumt Maier ein. Einen Kaufinteressenten hat die Raumfähre indes schon gefunden: Laut Volker Hartmann, einem Mitglied des TV-Teams, will der in den Golfstaaten tätige deutsche Geschäftsmann Kai Niedermeier mit der Raumfähre auf weltweite Tournee gehen - und Teile ihrer Außenhülle im Internet versteigern.

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