Kurzschluss im All Weltraumteleskop "Hubble" erblindet

Neue Panne im All: Das Weltraumteleskop "Hubble" hat einen Großteil seiner Hauptkamerafunktionen verloren. Dass sich das Teleskop, das etliche spektakuläre Aufnahmen lieferte, wiederherstellen lässt, ist unwahrscheinlich. Astronomen sind bestürzt.


Washington - Zwei Drittel von "Hubbles" Funktionen seien künftig vermutlich unbrauchbar, teilte die US-Weltraumbehörde Nasa gestern mit. Nach einem Kurzschluss seien zwei Hauptkanäle der wichtigsten Kamera an Bord ohne Strom.

Es ist die dritte Panne binnen weniger Monate: Schon seit Sommer vergangenen Jahres arbeitet die Kamera den Angaben zufolge nach einer Fehlfunktion mit einer Ersatzelektronik. Techniker würden nun versuchen, die Kamera wieder auf die Primärsysteme umzustellen, um zumindest einen teilweisen Betrieb zu ermöglichen. Das betroffene Gerät - Advanced Camera for Surveys - wurde 2002 von der Besatzung einer US-Raumfähre eingebaut. Es besteht aus drei elektronischen Kameras und einer Reihe von Filtern.

"Angesichts von Hubbles Beliebtheit unter den Astronomen sind wir natürlich enttäuscht", sagte der zuständige Nasa-Manager Preston Burch. Gleichzeitig aber versicherte er, das Teleskop sei sehr "robust"; es habe noch zahlreiche weitere "wissenschaftliche Fähigkeiten" zu bieten. Mit seinen verbliebenen Instrumenten werde "Hubble" in der kommenden Woche seine wissenschaftliche Mission wiederaufnehmen.

Liebling der Astro-Gemeinde

Viele Experten halten "Hubble" für das wichtigste astronomische Instrument überhaupt - obwohl das Teleskop am Anfang nur unscharfe Bilder lieferte und repariert werden musste. "Hubble" war 1990 zu seiner Weltraummission gestartet. Zur Freude der Wissenschaftler übermittelte es seitdem mehr als 750.000 Bilder, darunter spektakuläre Bilder von entfernten Galaxien und schwarzen Löchern. Aus 600 Kilometern Höhe blickt es ungehindert von den Luftschichten der Erde in die Tiefen des Alls.

Für wie unverzichtbar Astronomen das Teleskop in der Erdumlaufbahn halten, zeigte sich im Januar 2004, als die Nasa einen bereits geplanten Reparaturflug zu "Hubble" absagte: Ein weltweiter Proteststurm von
Wissenschaftlern war die Folge. Ähnlich deutlich setzte sich die Forschergemeinde vergangenen Herbst für das alternde Instrument ein. Damals entschied Nasa-Chef Michael Griffin über Leben und Tod von "Hubble". Man wolle "das wirklich internationale Gut" doch retten, erklärte er wenig später - und verkündete die Pläne für eine Reparaturmission zwischen Frühjahr und Herbst 2008. Sie soll elf Tage dauern und umgerechnet rund 700 Millionen Euro kosten. Anschließend wird das Teleskop vermutlich noch bis 2013 weiterarbeiten können.

Inwieweit sich die neuerliche Panne auf diese Planungen auswirke, sei noch nicht abzusehen, hieß es nun bei der Nasa. Eine Untersuchungsgruppe solle dies bis Anfang März klären.

Das Observatorium wurde nach dem US-Astronomen Edwin Hubble (1889 - 1953) benannt und gemeinsam von der US-Raumfahrtbehörde Nasa und dem europäischen Pendant Esa entwickelt. Die Raumfähre "Discovery" brachte "Hubble" am 24. April 1990 in den Orbit. "Hubble" ist über elf Tonnen schwer und etwa 13 Meter lang. In 96 Minuten umkreist es einmal die Erde. Sein Hauptspiegel hat einen Durchmesser von 2,4 Meter. Für die Betriebsenergie sorgen Solarzellen.

stx/ffr/AFP/Reuters/dpa/AP



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