Lädierter Rover Nasa lässt "Spirit" auf dem Mars stecken

Seit Monaten steckt "Spirit" im Sand des Mars fest. Alle Versuche der Nasa, den kleinen Roboter zu befreien, sind gescheitert. Jetzt will die Raumfahrtbehörde dem Rover wenigstens einen sinnvollen Lebensabend bieten: "Spirit" soll als Forschungsstation weiterarbeiten.

"Spirit" im Selbstporträt: Der Nasa-Rover war sechs Jahre lang auf dem Mars im Einsatz
AFP/HO/NASA/JPL

"Spirit" im Selbstporträt: Der Nasa-Rover war sechs Jahre lang auf dem Mars im Einsatz


Washington - Noch vor wenigen Wochen feierte die Nasa den sechsten Jahrestag von "Spirits" Landung auf dem Mars. Doch der kleine Marsrover war schon ziemlich gezeichnet von seinen Erkundungstouren auf dem roten Planeten. Erst waren zwei seiner sechs Räder ausgefallen, und im Mai 2009 kam es zu einem Missgeschick, das unweigerlich zum Ende von "Spirit" führen wird: Der Mars-Roboter blieb im Sand stecken.

Lange Zeit wollte die Nasa ihren Marsrover nicht abschreiben. In monatelanger Arbeit entwarf die US-Raumfahrtbehörde ein Programm, um "Spirit" Millimeter um Millimeter, Zentimeter um Zentimeter aus seiner Sandfalle zu befreien. Doch alle Versuche führten dazu, dass das Fahrzeug noch weiter einsank. Letztlich musste die Nasa den Kampf aufgegeben. Am Dienstag gab sie bekannt, man werde die Bemühungen zur Befreiung des Roboters einstellen.

Rest in Peace, kleiner "Spirit"? Mitnichten. Auch für seinen Lebensabend hat die Nasa Pläne: Aus der Maschine soll nun eine stationäre Forschungsplattform werden.

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Doug McCuistion, Direktor des Mars-Forschungsprogramms im Nasa-Hauptquartier in Washington, verkündete die Pläne mit einer kräftigen Portion Pathos: "Spirit ist nicht tot, er hat nur eine neue Phase seines langen Lebens begonnen. Wir haben der Welt im vergangenen Jahr gesagt, dass unsere Versuche, unseren geliebten Roboter zu befreien, vielleicht nicht erfolgreich sein werden. Es sieht so aus, als würde Spirits derzeitiger Ort auf dem Mars sein letzter Ruheplatz."

Der Rover und sein Zwillingsbruder "Opportunity" waren im Januar 2004 auf dem Mars gelandet. "Spirit" sorgte schnell für Euphorie unter den Wissenschaftlern. Nicht nur, dass beide Fahrzeuge eine gewaltige Menge an phantastischen Bildern geliefert haben - sie taten dies auch bei weitem länger als erwartet. Ursprünglich war die Nasa von einer Lebensdauer von nur 90 Tagen ausgegangen, doch die beiden kleinen Roboter liefen und liefen. Für "Spirit" war Schluss, als im vergangenen Frühjahr seine Räder durch die krustige Oberfläche des Mars-Sands brachen. Zuvor hatte er schon mit Computerproblemen zu kämpfen.

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Jetzt will sich die Raumfahrtbehörde darauf konzentrieren, "Spirit" durch den bevorstehenden Winter zu bringen. Er hat sich leicht seitwärts geneigt festgefahren und kann in dieser Position mit seinen Solarzellen wahrscheinlich nicht genügend Licht auffangen, um während des Winters mit der Erde zu kommunizieren. Deshalb versucht die Nasa jetzt, den Neigungswinkel zumindest um ein paar Grad zu verbessern.

Als Forschungsstation kann "Spirit" unter anderem mit Hilfe seines Roboterarms den Boden in seiner Nähe intensiv erkunden - und weil der Name des Gefährts offenbar Programm ist, hat "Spirit" damit auch schon begonnen.

cib/dpa



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