Rot wird der Mond am Mittwochabend über Deutschland aufgehen. Grund ist die längste Mondfinsternis seit mehr als zehn Jahren. Die zweite Hälfte der Finsternis wird von ganz Deutschland aus zu sehen sein - sofern das Wetter mitspielt. Zwischen Mondaufgang und Mitternacht können Beobachter das Himmelsphänomen verfolgen. Bis 2015 werde keine derart lange totale Mondfinsternis von Deutschland aus zu sehen sein, sagte Monika Staesche, Leiterin des Planetariums am Insulaner in Berlin. Zwar verfinstere sich der Mond zwei- bis dreimal pro Jahr, aber so gut sichtbar sei das nur selten.
Der Deutsche Wetterdienst sieht vor allem für den Süden und Osten Deutschlands gute Chancen für Himmelsgucker. "Es werden am Mittwochabend noch ein paar Wolkenfelder herumdriften, aber im Süden, Osten und auch in der Mitte Deutschlands könnten die transparent oder aufgelockert sein, so dass der Mond zumindest zeitweise zu sehen ist", sagte der Meteorologe Olaf Pels Leusden vom Deutschen Wetterdienst am Dienstag. Im Nordwesten sei die Wahrscheinlichkeit allerdings hoch, dass Wolken den Mond verdeckten.
Mond wandert in Kernschatten der Erde
Bei einer totalen Mondfinsternis wandert der Mond durch den Kernschatten der Erde und schimmert währenddessen rotbraun. Der Kernschatten ist der Bereich, in dem unser Planet das Licht der Sonne fast komplett abschirmt. Die Atmosphäre streut jedoch langwelliges, rotes Licht in den Schattenbereich und lässt den Erdtrabanten in rötlicher Färbung glimmen. Das Phänomen wird daher auch als Blutmond bezeichnet. Der Farbton ändert sich von Finsternis zu Finsternis und hängt unter anderem vom Aschegehalt der Atmosphäre ab.
Seit fast elf Jahren habe es keine so lange totale Mondfinsternis mehr gegeben, sagte der Stuttgarter Astronom Hans-Ulrich Keller. "Alles in allem, also mit dem Durchlaufen von Kern- und Halbschatten, dauert sie vier Stunden und 40 Minuten." Allerdings lässt sich nur der zweite Teil der Finsternis in Deutschland beobachten. Der Mond geht bereits verdunkelt auf.
Von 20.23 Uhr an beginnt der Mond, sich in den Kernschatten der Erde zu schieben. Davon ist in Deutschland noch nichts zu sehen, denn um diese Uhrzeit ist der Mond noch nicht aufgegangen. Erst nach 21.00 Uhr erscheint der Erdtrabant tief am Südosthorizont. An den meisten Orten ist er dann bereits vollständig verfinstert - diese sogenannte Totalität beginnt um 21.22 Uhr und dauert bis 23.03 Uhr. Um 0.03 Uhr ist der Zauber vorbei, der Mond hat den Kernschatten wieder verlassen.
Auch in anderen Ländern ist der Hingucker am Abendhimmel zu bestaunen. An der türkischen Riviera haben Hobbyastronomen besonders gute Sicht - dort steht der Mond am höchsten. Nordamerika und alle Länder östlich von Indien bekämen dagegen nichts von der Finsternis mit, erläuterte Planetariumschefin Staesche.
wbr/dpa
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