Erdtrabant Auf dem Mond könnte es Leben gegeben haben

Kein flüssiges Wasser, keine Atmosphäre, extreme Temperaturen: Unser Mond ist ein lebensfeindlicher Gesteinsbrocken. Das war jedoch offenbar nicht immer so.

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NASA

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Alle Lebewesen, vom Bakterium bis zum Menschen, sind ziemlich zimperlich. Ohne eine Atmosphäre, flüssiges Wasser und eine Magnetosphäre, die vor kosmischer Strahlung und Sonnenwinden schützt, wäre das Leben, wie wir es kennen, undenkbar. Zum Glück bietet die Erde all das, Schwein gehabt. Der Mond wirkt dagegen lebensfeindlich - und doch könnte er einst bewohnt gewesen sein, vermuten Astronomen.

Demnach kommen sogar zwei Zeitfenster infrage, während derer Leben auf dem Mond möglich war, schreiben die Forscher im Fachblatt "Astrobiology". Einmal kurz nach seiner Entstehung vor etwa 4,5 Milliarden Jahren und noch einmal vor etwa 3,5 Milliarden Jahren.

"Wir gehen davon aus, dass der Mond als Resultat einer gigantischen Kollision der Erde mit einem anderen Himmelskörper vor 4,5 Milliarden Jahren entstand", sagt Dirk Schulze-Makuch von der TU Berlin, der an der Studie mitgearbeitet hat. Kurz nach der Kollision könnten flüchtige Stoffe und Flüssigkeiten auf dem noch jungen Mond erhalten geblieben sein.

Keine "grünen Männchen"

Zu dieser Zeit spuckte der Mond außerdem große Mengen Gase, darunter auch Wasserdampf, vermuten Astronomen. Dasselbe passierte noch einmal vor etwa 3,5 Milliarden Jahren - gute Voraussetzungen für eine schützende Atmosphäre, die jeweils über Millionen Jahre Bestand gehabt könnte.

"Insgesamt ergibt sich daraus ein beachtliches Zeitfenster, in dem nicht nur flüssiges Wasser auf der Oberfläche des Mondes existiert haben könnte, sondern auch Leben", so Schulze-Makuch. Die möglichen Mondbewohner dürfe man sich jedoch nicht als "grüne Männchen" vorstellen, so der Forscher, sondern als Bakterien oder Mikroben.

"Es ist nicht komplett unmöglich, dass es einst flüssiges Wasser auf dem Mond gegeben haben mag, allerdings bleiben viele Unsicherheiten", sagt Physiker Axel M. Quetz vom Max-Planck-Institut für Astronomie, der nicht an den Untersuchungen beteiligt war, dem SPIEGEL. Selbst wenn es Millionen Jahre lang Wasser auf dem Mond gegeben haben sollte, scheint fraglich, ob diese Zeitspanne ausgereicht hat, damit Leben entsteht.

Von der Erde zum Mond

Die Studienautoren halten es jedoch für möglich, dass Bakterien vor etwa vier Milliarden Jahren von der Erde aus auf den Mond gelangt sein könnten. Zu dieser Zeit wurde die Erde von unzähligen Asteroiden und Meteoriten bombardiert. Dadurch könnten Mikroben gen Mond geschleudert worden sein. Dafür müssten sie jedoch sowohl den Einschlag als auch die Reise zum Mond überleben. Unmöglich wäre das nicht. Bärtierchen überleben beispielsweise im Weltall.

Fest steht: Heute herrschen lebensfeindliche Bedingungen auf dem Mond, Wasser könnte es aber trotzdem geben. Forscher vermuten, dass sich vor allem in den Mondkratern nahe der Mondpole, in die niemals Sonnenlicht gelangt, Eis befinden könnte. "Sicher nachweisen ließe sich das aber nur mit einer Landesonde", sagt Quetz.

Wenn es dort tatsächlich Eis geben sollte, wäre das ein enormer Vorteil für die Raumfahrt, sagt Quetz weiter. Aus dem Wasser ließe sich durch Elektrolyse leicht Wasserstoff und Sauerstoff gewinnen, der beispielsweise als Antriebsstoff für Raketen genutzt werden könnte.

Video: Die Kraft des Trabanten - Brauchen wir den Mond?

koe



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
permissiveactionlink 25.07.2018
1. Konjunktive bei 30°C
Wäre, würde, könnte, sollte, müsste, dürfte, hätte, hätte, Fahrradkette. Toll oder ? Alleine die Möglichkeit, dass es vor mehreren Milliarden Jahren (!) einmal nicht nur flüssiges Wasser, sondern sogar eine Atmosphäre auf dem Mond gegeben haben könnte... Gesehen hat diese Mikroorganismen aber bis jetzt noch keiner, nicht einmal fossilisiert. Bis es so weit ist, halte ich es lieber mit den Fakten : Ja wahrlich, ich habe wirklich mal eine Meerjungfrau gesehen ! Vor einigen Jahren war es genauso heiß wie jetzt, aber Halluzinationen vor lauter Durst hatte ich seinerzeit nicht, damals in Kopenhagen....
michaeldesanta 25.07.2018
2. Auf dem Mond könnte es Leben gegeben haben
Also zwischen dem 21.07.1969 und dem 11.12.1972 gab es in unregelmäßigen Abständen definitiv Leben auf dem Mond. :-)
Sumerer 25.07.2018
3.
Zitat von permissiveactionlinkWäre, würde, könnte, sollte, müsste, dürfte, hätte, hätte, Fahrradkette. Toll oder ? Alleine die Möglichkeit, dass es vor mehreren Milliarden Jahren (!) einmal nicht nur flüssiges Wasser, sondern sogar eine Atmosphäre auf dem Mond gegeben haben könnte... Gesehen hat diese Mikroorganismen aber bis jetzt noch keiner, nicht einmal fossilisiert. Bis es so weit ist, halte ich es lieber mit den Fakten : Ja wahrlich, ich habe wirklich mal eine Meerjungfrau gesehen ! Vor einigen Jahren war es genauso heiß wie jetzt, aber Halluzinationen vor lauter Durst hatte ich seinerzeit nicht, damals in Kopenhagen....
Ich bin da nicht so skeptisch. Selbst das Urknallmodel unseres Universums ist physikalisch längst überholt. Warum sollte es in einem sich dynamisch im Zeitverlauf veränderden Universum auf dem Mond kein Leben gegeben haben oder vielleicht sogar jetzt noch geben. Selbst auf der Erde findet sich Leben - auch völlig ohne Atmosphäre. Und Sauerstoff wird von Lebewesen auch nicht benötigt. Es wurde sogar von Lebewesen, in nur vermeintlich lebensfeindlicher Umgebung, poduziert. Scheintot, nur scheinbar, überleben Bärtierchen ausgetrocknet im Weltall. Ein Tropfen Wasser genügt. Und schon ...
erwachsener 25.07.2018
4. seufz...
Astrobiologen nehmen die reine Möglichkeit von flüssigem Wasser an der Oberfläche als Zeichen für Bewohnbarkeit, und die Autoren dieser Studie verwechseln einen früheren höheren Wassergehalt des Mondes mit einem Ozean. So interessant die Suche nach außerirdischem Leben auch ist: die Astrobiologen kompromittieren durch ihre ständigen Kurzschlüsse und Übertreibungen ihr eigenes Fachgebiet.
Pfaffenwinkel 25.07.2018
5. Bakterien und Mikroben
könnte es heute noch auf dem Mond geben. Um das herauszufinden, müssten die Menschen mal wieder hinfahren. Aber das schaffen sie anscheinend nicht.
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