Leben im All Ferne Hochdruckwelt gilt als neue zweite Erde

Die Suche nach einer zweiten Erde ist noch nicht zu Ende: Ein Planet, der als heißer Kandidat galt, ist womöglich zu heiß. Als Ursache gilt zu viel Kohlendioxid in der Atmosphäre. Aber es gibt schon einen neuen Anwärter für Leben im All.

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Werner von Bloh hatte von Anfang an Zweifel. Der Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) wollte nicht so recht glauben, was Astronomen im April berichtet hatten: Im Sternbild Waage, 20 Lichtjahre von der Erde entfernt, gebe es einen erdähnlichen, potentiell lebensfreundlichen Planeten.

Die Suche nach einer zweiten Erde, einem Planeten, auf dem Leben möglich ist, wie wir es kennen, beschäftigt Astronomen seit langem. Darum galt die Veröffentlichung des Forscherteams um Stéphane Udry vom Observatorium Genf auch als kleine Sensation, mit der zum jetzigen Zeitpunkt kaum ein Experte gerechnet hatte.

Der neu entdeckte Planet mit dem Namen Gliese 581c sei rund 50 Prozent größer als die Erde und etwa fünfmal so schwer, sagte Udry. "Unseren Schätzungen zufolge liegt die mittlere Temperatur auf seiner Oberfläche zwischen Null und 40 Grad." Laut dem Modell der Forscher sollte der Planet entweder felsig oder von Ozeanen bedeckt sein - ideale Bedingungen für Leben.

Der Geophysiker von Bloh ist jedoch der Meinung, dass Udry und seine Kollegen etwas Entscheidendes übersehen haben: die Atmosphäre. Leben erfordere nicht nur ein leuchtendes Zentralgestirn und moderate Temperaturen, sondern auch Kohlendioxid in der Atmosphäre. Und genau davon gebe es bei dem Planeten Gliese 581c zu viel.

Das Planetensystem Gliese 581 weist vermutlich drei Planeten auf, die um einen Roten Zwerg kreisen. Dieser Zentralstern leuchtet etwa hundertmal schwächer als unsere Sonne. Die beiden ins Visier genommenen Planeten sind sogenannte Super-Erden, also Planeten, die bis zu zehnmal mehr Masse als die Erde besitzen.

Von Bloh hat gemeinsam mit Kollegen ein Modell entwickelt, mit dem er den CO2-Gehalt in der Atmosphäre beliebiger Planeten abschätzen kann - so auch bei dem vermeintlichen Erdzwilling Gliese 581c. Das klingt zunächst völlig verrückt: Schließlich weiß man über den Planeten eigentlich fast nichts außer seiner Masse, dem Abstand zum Stern und einem Schätzwert für den Radius.

Zu heiß, zu wenig CO2

Trotzdem glaubt von Bloh, Rückschlüsse auf das lebenswichtige Kohlendioxid ziehen zu können. "Nach einigen hunderttausend Jahren befindet sich das CO2 in einer Planetenatmosphäre im Gleichgewicht. Die CO2-Konzentration ändert sich also nicht mehr", sagte er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. CO2-Quellen, also Vulkane, und CO2-Senken, verwitternde Silikate, die CO2 als Karbonat zurück in den Erdmantel brächten, hielten sich die Waage.

Wo dieses Gleichgewicht liegt, kann der Geophysiker berechnen, sofern er die Parameter Planetenmasse, Planetenradius, Wasserbedeckung, Abstand zur Sonne, Leuchtkraft der Sonne und Alter des Planeten kennt. Alles bis auf die Wasserabdeckung ist für Gliese 581c zumindest grob bekannt. Bei der Wasserabdeckung rechneten von Bloh und seine Kollegen deshalb mit den beiden Extremen: Entweder ist der Planet komplett mit Wasser bedeckt oder hat gar keine Meere und Seen.

Das Ergebnis der Modellrechnungen: Auf der angeblichen zweiten Erde ist es vermutlich zu heiß, weil der Treibhauseffekt zu stark ist. Gliese 581c befinde sich zu dicht an seinem Zentralgestirn, erklärten die Forscher.



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