"Liberty"-Rakete: Nasa macht bei transatlantischem All-Projekt mit

Sie soll fast so groß werden wie die legendäre Mondrakete der Amerikaner: Die Nasa möchte sich an der Entwicklung der 90 Meter langen "Liberty"-Rakete beteiligen, an der europäische und amerikanische Techniker seit einiger Zeit tüfteln. Nur kosten soll das am besten nichts.

"Liberty"-Rakete (grafische Darstellung): Anderthalb mal so lang wie "Ariane 5" Zur Großansicht
AP/ ATK

"Liberty"-Rakete (grafische Darstellung): Anderthalb mal so lang wie "Ariane 5"

Washington - Wie kommen Amerikaner in Zukunft ins All? Nach dem Ende des Space-Shuttle-Programms ist die US-Weltraumbehörde Nasa darauf angewiesen, ihre Astronauten bei den russischen Kollegen in "Sojus"-Kapseln mitreisen zu lassen. Doch nicht nur weil die eigentlich extrem zuverlässigen russischen Transporter zuletzt Grund zur Sorge gaben, wollen die Amerikaner möglichst bald wieder eigene Transportkapazitäten haben - es geht ums Prinzip.

Nun hat die Nasa ihre Mitarbeit an einem amerikanisch-europäischen Raketenprojekt angekündigt. Die "Liberty"-Rakete solle von 2015 an Astronauten, Satelliten und anderes Material ins Weltall befördern können, teilte die Weltraumbehörde mit. Das rund 90 Meter lange Transportgerät wird seit einiger Zeit gemeinsam von dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS und dem US-Raumfahrtspezialisten Alliant Techsystems (ATK) entwickelt. Die Europäer hoffen dabei auf eine gleichberechtigte Partnerschaft, es wäre ein Paradigmenwechsel in der Raumfahrt. Ein erster Testflug ist bis Ende 2013 geplant.

Die Nasa wird den Entwicklern nun nach eigenen Angaben helfen, ein Startsystem zu entwickeln und die Sicherheitsanforderungen sowie das Design zu überprüfen. Finanzielle Mittel werde die US-Behörde jedoch nicht für das Projekt zur Verfügung stellen. Sie interessiere sich vor allem dafür, herauszufinden, wie die "Liberty" einmal ihre Besatzungen ins Weltall bringen könnte.

Bereits existierende Technik wird neu kombiniert

Die schlanke und hohe "Liberty" wäre anderthalb mal so lang wie die "Ariane 5". Sie soll fast 20 Tonnen Last in den unteren Erdorbit hieven können. Das Projekt konkurriert allerdings mit ähnlichen Vorhaben anderer privater Unternehmen. Commercial Crew Development heißt ein Entwicklungsprogramm der Nasa, in dessen Rahmen die Firmen möglichst preiswerte Raumtransporter entwickeln sollen. Die Nasa hat dieses Programm im Frühjahr mit 270 Millionen Dollar gefördert.

Die Rakete kombiniert bereits existierende Technik der transatlantischen Partner. Von ATK kommen die Feststoffraketen, die beim Space Shuttle links und rechts vom riesigen Tank montiert waren - und die in der inzwischen de facto beerdigten "Ares"-Rakete zum Einsatz kommen sollten. Und EADS bringt die Hauptstufe der europäischen Rakete "Ariane 5" mit in die Ehe ein. Durch den Einsatz bewährter Technik sollen die Entwicklungskosten gering gehalten werden - hoffen jedenfalls die beteiligten Unternehmen. Außerdem versprechen die Firmen, dass ihre Entwicklung sicherer ist als Projekte der Konkurrenz. Schließlich sind die wichtigsten Hauptbestandteile bereits vielfach überprüft.

chs/dpa

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1. Und die...
rex_danny 14.09.2011
...die Ariane 5 mit ATV? Trägt laut Wikipedia 21 t Nutzlast? http://de.wikipedia.org/wiki/Ariane_5
2. Eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ...
JaguarCat 14.09.2011
... für Luft- und Raumfahrtingenieure. Mehr ist dieses Projekt nicht. Liberty ist viel unflexibler als die Ariane V, im besten Fall (Start in das Orbit der ISS) gleich leistungsfähig, sonst weniger leistungsfähig. Kostenmäßig dürfte es mit der Liberty im Vergleich zur Ariane V keine Einsparungen geben: Bei der Ariane V macht die Hauptstufe den Großteil der Kosten aus, und genau diese Komponente braucht man ja auch bei der Liberty. Ob man da nun einen großen Booster drunter oder zwei mittelgroße Booster seitlich anflanscht, macht vielleicht ein paar Prozent Kostenunterschied. Liberty spart sich im Vergleich zur Ariane V die Oberstufe. Im Gegenzug muss man aber die Ariane-V-Hauptstufe verändern und dort die ganzen Komponenten einbauen, die bei der Ariane bisher nur in der Oberstufe waren, insbesondere die Steuerelektronik und die beiden Triebwerke zur Verhinderung des Rollens (= Drehen um die eigene Achse). Man spart am Ende somit vielleicht die halben Kosten der Oberstufe. Rechnet man die Kosten für die ganzen Anpassungen und den zusätzlichen Startkomplex hinzu, rentiert sich die "Liberty" angesichts des geringen Kostenvorteils im Vergleich zur Ariane V frühestens nach einigen Dutzend Flügen. Es bleiben die bekannten Probleme der Ares I: Ungünstige Lage des Schwerpunkts und die schwierige Stufentrennung: Feststofftriebwerke produzieren recht lange nach Erreichen des Brennschlusses noch Schub, und so besteht die Gefahr, dass die Unterstufe nach der Stufentrennung, bei der die Oberstufe nur leicht "weggeschubst" wird, gegen die Oberstufe knallt. Zumal das Vulcain 2 der Ariane V etliche Sekunden Zeit zum Hochfahren braucht, bis es vollen Schub liefert. Von der Ariane V erbt man wiederum das Problem, dass die Hauptstufe ein sehr großes Vollmasse-zu-Leermasse-Verhältnis hat. Direkt nach der Zündung ist sie untermotorisiert (das Vulcain 2 erzeugt weniger Schub, als die Stufe wiegt; ohne die beiden Booster könnte die Ariane V noch nicht mal abheben, und selbst nach Ausbrennen der beiden Booster beträgt der Schub weniger als 1 g, also weniger als die Erdanziehung), kurz vor Brennschluss dann übermotorisiert (hätte die Oberstufe der Liberty dieselbe Masse wie die Hauptstufe der Ariane V, und zudem 21 t Nutzlast, beträgt die Beschleunigung kurz vor Brennschluss dann 4 g. Zum Vergleich: Der Space Shuttle bringt es nur auf 3 g, was angenehmer für die Astronauten ist). Die einzigen Argumente für "Liberty" sind politischer Natur: Die NASA könnte diese als "eigene" Rakete verkaufen, obwohl die entscheidende Hauptstufe, die für 2/3 der Gesamtbeschleunigung verantwortlich ist, aus Europa kommt. Jag
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