"Lunar Lander": Europas Mondmission fällt aus

Von Christoph Seidler

Mondroboter: "Lunar Lander" wird nie landen Fotos
Astrium

Der europäische Forschungsroboter "Lunar Lander" sollte in einigen Jahren am Südpol des Mondes landen. Doch daraus wird nichts. Weil Staaten wie Frankreich, Italien und Großbritannien kein Geld geben wollen, zieht Deutschland jetzt die Reißleine.

Berlin - Der Südpol des Mondes ist für Wissenschaftler ein attraktives Ziel. Möglicherweise hat dort Wassereis in der Finsternis tiefer Krater die Zeiten überdauert. Auch deswegen hatte sich die Europäische Weltraumorganisation (Esa) vorgenommen, die Region ab 2019 mit einem unbemannten Roboter zu untersuchen. Doch nun ist klar: Der "Lunar Lander" wird nicht auf dem Erdtrabanten aufsetzen - weil sich das Geld dafür in Europa nicht zusammenbringen lässt.

"Deutschland hätte das Projekt gern umgesetzt", sagt Peter Hintze (CDU), der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Man sei bereit gewesen, sich mit 45 Prozent der Kosten zu beteiligen. Doch nur acht Esa-Staaten hätten das Projekt unterstützt: "Die ganz Großen waren nicht dabei." Gemeint sind zum Beispiel Frankreich, Italien oder Großbritannien.

Hintze bestätigte einen Bericht des "Tagesspiegel" zum Aus für das Projekt. Der Raumfahrtkonzern Astrium hatte sich längere Zeit bemüht, den vierbeinigen Lander bauen zu dürfen. Noch vor knapp einem Monat hatte die Firma ihr Konzept am Standort Bremen stolz öffentlich vorgestellt. Demnach würden Technologieentwicklung, Start und Missionsbetrieb rund eine halbe Milliarde Euro kosten - das ist viel Geld, bedenkt man Europas gestresste Haushalte.

Auch auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin war im September ein Modell des Roboters noch prominent ausgestellt worden. Es ist nun wohl reif fürs Technikmuseum. Deutschland rückt allerdings zu einem interessanten Zeitpunkt von dem teuren Vorhaben ab: In der kommenden Woche treffen sich die Esa-Mitgliedstaaten in Neapel zu einem Gipfel, auf dem die Raumfahrtprojekte der kommenden Jahre festgelegt werden sollen.

Planetenforscher: "Das wäre eine spannende Mission gewesen"

Dabei wäre die Mondmission nur ein Streitpunkt von vielen gewesen. Auch über die Zukunft der "Ariane"-Rakete und den weiteren europäischen Beitrag zur Internationalen Raumstation (ISS) konnten sich die Staaten bislang nicht einigen. Vor allem zwischen Deutschland und Frankreich knirscht es. Möglicherweise hofft man in Berlin nach der Beerdigung des in Paris ungeliebten Mondprojekts auf Entgegenkommen in anderen Bereichen.

"Das wäre eine spannende Mission gewesen", stellt Planetenforscher Harald Hiesinger von der Universität Münster im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE fest. Jede Mondmission ließe sich gut begründen: "Das genaue Verständnis vom Mond ist ein wichtiger Schritt, um das restliche Sonnensystem zu verstehen."

Es ist mittlerweile schon das dritte Mal, dass sich Deutschlands Wissenschaftler von der Idee einer von ihnen mitgestalteten Mondmission verabschieden müssen. Zuletzt war solch ein Projekt bei den schwarz-gelben Koalitionsgesprächen in Herbst 2009 gestorben, zuvor schon einmal bei Haushaltsverhandlungen im Sommer 2008. Schuld waren auch damals die leeren Kassen. Die rein deutsche Mission "Leo" ("Lunarer Erkundungsorbiter") sollte 350 Millionen Euro kosten, dafür aber nicht auf dem Mond landen können.

Und zumindest einstweilen schließt Raumfahrtkoordinator Hintze aus, dass Deutschland sich ohne Partner doch noch auf den Weg zum Mond macht: "Für einen Alleingang haben wir im Moment nicht die Mittel." Gleichzeitig arbeiten weltweit mehrere Teams von Enthusiasten an absoluten Low-Cost-Missionen zum Erdtrabanten, auch mit deutscher Beteiligung. Beim Google-Lunar-X-Prize hoffen sie auf 20 Millionen Dollar, wenn sie ein Fahrzeug sanft auf dem Mond absetzen.

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insgesamt 46 Beiträge
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1. Keine Kohle
goldfuchs 16.11.2012
aber für ne 1/2 Milliarde einen Sateliten auf den Mond schiessen...
2. ||||||||||||
sample-d 16.11.2012
Zitat von goldfuchsaber für ne 1/2 Milliarde einen Sateliten auf den Mond schiessen...
33,3 Milliarden für Verteidigung - aber nicht mehr als eine Viertel für eine Mondlandung ?
3. Das bisschen Geld...
Airkraft 16.11.2012
kann man ja auch woanders - z.B. "GALILEO" - noch mit "versenken"
4.
Meckermann 16.11.2012
Zitat von goldfuchsaber für ne 1/2 Milliarde einen Sateliten auf den Mond schiessen...
Da wäre das Geld allemal besser angelegt als bei der Rettung der HypoReal...
5. Nee...
lyseas 16.11.2012
Für Wissenschaft, wenn auch nur aus reiner Neugier, da haben unsere Staatschefs kein Geld... aber für die Gier einiger Global Player, da haben die mehr als genug... Irgendwie hat man den Eindruck, als wären hier die Prioritäten falsch gesetzt. Technologischer Fortschritt ist nicht nur die nächste iPhone-Generation!
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