Lunar X Prize Privat-Rennen zum Mond beginnt

Der Wettlauf um die erste privat finanzierte Mondlandung hat begonnen. Wer als Erster seine selbstgebaute Sonde zum Erdtrabanten bringt, gewinnt 20 Millionen Dollar. Zehn Teams wurden jetzt zur Endrunde des Lunar X Prize zugelassen.

Von Guido Meyer, Miami


Spinnenbeinige Stakser, Roll-Rover mit Fahrradreifen, Kugeln mit Ionenantrieb: Gestern hat die X Prize Foundation in Kalifornien die zehn Teams bekannt gegeben, die sich am Roboter-Wettrennen zum Mond beteiligen dürfen. Eines von ihnen kommt aus Italien und heißt "Amalia" - eine spinnenförmige Sonde, die über den Mond schreiten und dabei seine Staubschicht unter die Lupe nehmen soll. Derzeit strampelt "Amalia" noch im Politecnico di Milano, an der Universität von Mailand.

"Amalia" ist eine Abkürzung für "Ascensio Machinae Ad Lunam Italica Arte". Eine Maschine für den Mond aus Italien also, die sich damit am neuesten Wettlauf zum Mond, dem Lunar X Prize, beteiligt. "Mit diesem neuen Wettrennen betrachten wir den Mond erstmals als irdische Insel vor der Küste", philosophiert Gregg Maryniak, geschäftsführender Direktor der X Prize Foundation. Damit werde der Erdtrabant auch wirtschaftlich interessant.

Ob das erste privat finanzierte Team auf dem Mond tatsächlich Profit macht - beispielsweise Bodenschätze abbaut, dort Forschung betreibt oder einfach nur herumfährt -, ist egal. Wirtschaftlich interessant in Form des Preisgeldes von 30 Millionen Dollar ist es zunächst einmal, als Erster da zu sein.

"Es kostet mehrere Milliarden Dollar, Menschen zum Mond zu schicken, denn dummerweise brauchen sie Atemluft, und sie müssen wieder zurückkommen", so die Rechnung von Peter Diamandis, dem Vorsitzenden der X Prize Foundation. Roboter hingegen könnten die einfache Strecke fliegen, was die Reise billiger mache. "Ich hoffe, dass dieser Wettbewerb dafür sorgt, dass sich die Teams völlig neue Ansätze ausdenken", sagt Diamandis. "So könnte eine entsprechende Mission schon mit zehn Millionen Dollar zu schaffen sein, vielleicht mit 20, 30 oder 40." Das sei immer noch zehnmal billiger als das US-Regierungsprogramm es vorsehe.

20 Millionen Dollar bekommt das Team, das bis Silvester 2012 automatisch und mobil auf dem Mond unterwegs ist, fünf Millionen das zweite. Wer Wassereis in Kratern am Mond-Südpol nachweisen kann, bekommt weitere fünf Millionen. Gelingt die Landung nicht bis 2012, wird das Preisgeld um fünf Millionen Dollar reduziert. Das soll Tempo ins Wettrennen bringen.

Dennoch dürfte das Preisgeld die Kosten der einzelnen Firmen nicht abdecken. Der Hauptinvestor des ersten kommerziellen Raumschiffs "SpaceShipOne", Paul Allen, hat 30 Millionen Dollar in das Projekt gesteckt und nur zehn Millionen gewonnen. Das war aber nur scheinbar kein guter Deal: Nach dem Gewinn des X Prize stand Richard Branson mit seiner Firma Virgin Galactic auf der Matte und kaufte gleich sechs Raumschiffe – womit das Geschäft zündete. "Wir von Odyssey Moon sind ebenfalls bereit, mehr zu investieren, um einen robotischen Lander auf dem Mond zu plazieren als Startschuss für die Privatindustrie", so Robert Richards, Gründungschef des britischen Unternehmens Odyssey Moon, das sich mit einem Rover am Lunar X Prize beteiligt.

Außer aus Italien und Großbritannien macht ein weiteres europäisches Team aus Rumänien mit, das eine Art Kugel mit Raketenantrieb über den Mond jagen will. Weitere sieben Unternehmen kommen aus den USA, darunter eines von der University of Arizona. "Unser Team kann eine solche Mission in der Hälfte der Zeit durchführen, die die US-Raumfahrtbehörde Nasa braucht, und zu einem Viertel der Kosten", sagt Dante Lauretta, Vize-Chef der Firma Astrobotics, die sich auf den Tranquility Trek begeben will – so der Name der Mission.

Das Team möchte mitten im Meer der Ruhe, dem Mare Tranquilitatis, einen Rover plazieren. In dieser Lavafläche war 1969 mit "Apollo 11" die erste bemannte Mondmission gelandet. Deren Relikte in Form der Abstiegssonde, der US-Flagge und den Fußabdrücken der Astronauten soll der Rover aufspüren. Auch dafür gibt es - im Erfolgsfall - ein Bonus-Preisgeld von fünf Millionen Dollar.



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