Satellitenbild der Woche Die Segler machen mal Pause

Das Markermeer in den Niederlanden wirkt, als wäre es von Qualm überzogen. Doch die seltsame Satellitenoptik des bei Segelschülern beliebten Reviers nahe Amsterdam hat andere Gründe.

Sentinel-2-Aufnahme von den Niederlanden
ESA/ Copernicus Sentinel data

Sentinel-2-Aufnahme von den Niederlanden


Deutsche Touristen, darunter vermutlich überwiegend Schülergruppen auf Klassenreise, lernen das Marker- und das Ijsselmeer meist an Bord eines Plattbodenschiffes kennen. Eines der ersten Dinge, die sie dann hören, ist: Sowohl Ijssel- als auch Markermeer sind gar keine Meere. Sondern Seen.

Zum einen bedeutet das Wort "Meer" in den Niederlanden "Binnensee". Und zum anderen sind die mehr als zweitausend Quadratkilometer großen Gewässer gewissermaßen künstlich entstanden.

Während sich die Schülergruppen von ihren Skippern tagsüber über den maximal fünfeinhalb Meter tiefen Grund navigieren lassen, kriegen sie von Ebbe und Flut an der nahen Nordsee nichts mit. Das liegt an den Zuiderzeewerken, ihre Errichtung war eines der ehrgeizigsten Küstenschutzprojekte überhaupt.

30 Kilometer langer und 90 Meter breiter Deich

Sturmfluten hatten die flache Wasserlandschaft unterhalb der Westfriesischen Inseln Texel und Vlieland immer wieder über die Ufer treten lassen. Bereits die Römer sollen Vorläufer der Zuiderzee gekannt und gefürchtet haben. So hieß die Region, nachdem immer wieder Salzwasser eindrang und aus den moorigen Tümpeln allmählich eine gigantische Bucht der Nordsee geworden war. Unzählige Sturmfluten machten den Menschen auf dem flachen und tief gelegenem Land immer wieder das Leben schwer.

Fotostrecke

28  Bilder
Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Als es Anfang des 20. Jahrhunderts erneut Flutkatastrophen samt gebrochener Deiche gab, reichte es den Niederländern. Sie erinnerten sich an die Pläne des Ingenieurs und späteren Ministers Cornelis Lely - er hatte schon 1891 Dämme geplant. Nach umfangreicher Test- und Bauphase errichteten die Küstenschützer 1932 einen nahezu 30 Kilometer langen und 90 Meter breiten Deich, der das Ijsselmeer im Norden begrenzt. Heute führt eine Autobahn darüber hinweg. Und natürlich ein Fahrradweg - das gehört sich so in den Niederlanden.

Die salzige Zuiderzee war von nun an Geschichte, das neu entstandene Süßwassergewässer wurde nach einem der Zuflüsse Ijsselmeer genannt. Doch die Zuiderzeewerke, heute ein ausgeklügeltes System aus Dämmen, Kanälen, Deichen und Pumpwerken, die das Wasser in Schach halten, waren noch längst nicht abgeschlossen. 1963 etwa begann ein weiteres Großprojekt, der Houtribdeich. Der Damm trennt das Ijsselmeer vom Markermeer.

Satellitenbild der gesamten Region mit Markermeer im Süden und Ijsselmeer
USGS

Satellitenbild der gesamten Region mit Markermeer im Süden und Ijsselmeer

Noch etwas hatten die Zuiderzeewerke zur Folge: Heute können sich die segelnden Schüler nach einem Tag auf See abends etwa in den Häfen von Lelystad oder Almere nach billigem Bier oder anderen berauschenden Substanzen wie Marihuana umsehen. Auch das verdanken sie den Zuiderzeewerken.

Eis auf dem See

Die Städte liegen auf dem Foto ganz oben, das der Esa-Erdbeobachtungssatellit Sentinel-2 gemacht hat. Zu finden sind sie auf der großen von einem Kanal abgetrennten Landmasse Mitte rechts, dem Flevoland. Es wurde den Seen durch Landgewinnungsprojekte abgetrotzt. So wurde eben jenes Flevoland geboren, seit 1986 sogar eine eigene Provinz. Dafür nutzten die Ingenieure sogenannte Polder, die später trockengelegt wurden.

Allerdings ist Anfang März, als die Esa das Bild aus dem All empfing, nicht viel los im niederländischen Binnensegel-Business. Zudem überzog dieses Jahr eine feine Eisschicht weite Teile des Markermeers. Die Niederländer nutzen diese Zeit traditionell, um ihre Schlittschuhe zu beanspruchen. Deutsche Schülergruppen eher, um im nahen Amsterdam urbane Abenteuer zu erleben.

joe



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.