Erfolgreiche Landung der Nasa-Sonde "Insight" schickt ihre ersten Fotos vom Mars

Staub, viel Staub - und das ist gut so: Die Nasa-Sonde "Insight" ist erfolgreich auf dem Mars gelandet und hat bereits erste Fotos geliefert. Nun wollen Forscher schnell ihre Messgeräte absetzen. Aber ein bisschen üben müssen sie noch.

NASA/AP

Aus Pasadena berichtet


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Hat der alte Erdnuss-Trick also wieder funktioniert. Seit 1964 mampfen die Ingenieure im Kontrollraum des Jet Propulsion Laboratoty (JPL) in Pasadena traditionell Nüsschen, wenn eines der von ihnen beaufsichtigten Raumfahrzeuge vor einem kritischen Manöver steht. Damals hatten die Amerikaner gerade sechs unbemannte Mondmissionen vermasselt - mal waren die Sonden sofort zur Erde zurückgestürzt und verglüht, mal weit am Ziel vorbeigeflogen, mal dort aufgeschlagen ohne Daten zu sammeln.

Und alles, was sie bei der schließlich erfolgreichen "Ranger 7"-Mission aus ihrer Sicht anders gemacht hatten: Der Flugdirektor am JPL hatte Erdnüsse gegessen.

NASA/AP

Also gibt es seitdem die Snacks als Glücksbringer im kalifornischen Kontrollraum. "Eine Tradition, kein Aberglaube", stellt Jim McClure, der Chef der Missionskontrolle klar. Für "Insight" jedenfalls scheint es geklappt zu haben: Die Nasa-Sonde ist am Montagabend um kurz vor 21 Uhr Mitteleuropäischer Zeit weich auf dem Mars aufgesetzt.

Es war erst die achte erfolgreiche Landung auf dem Roten Planeten überhaupt - und die erste seit rund sechs Jahren.

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"Insight" auf dem Mars: Jubel über erfolgreiche Landung

Sieben Minuten lang war "Insight" zuvor mit bis zu 20.000 Kilometern pro Stunde durch die Atmosphäre gerast, der Hitzeschutzschild der Sonde hatte sich auf bis zu 1500 Grad Celsius erwärmt. Der Flug lief vollautomatisch. Die Kontrolleure in Pasadena hätten schlicht nicht eingreifen können. Schließlich hätte es allein acht Minuten gedauert, ein Steuersignal mit Lichtgeschwindigkeit von der Erde zum Mars zu schicken. Bis es die Sonde erreicht hätte, wäre die bereits auf dem Mars angekommen. So oder so.

"Unglaublich emotional", beschreibt Projektmanager Tom Hoffman die Wartezeit in der Pressekonferenz nach der Landung. Sein Herz habe für sieben Minuten aufgehört zu schlagen. "Ich weiß nicht, ob das gesund ist."

Trump und Pence melden sich nach der Landung per Telefon

Die erlösende Nachricht kommt schließlich über Funk: "Touchdown confirmed." Im Kontrollzentrum springen die rund 40 Flugkontrolleure und etwa ein Dutzend VIPs um Nasa-Chef Jim Bridenstine auf. Man klatscht ab, umarmt sich, führt Tänze mit wilden Choreografien auf. "Der Vierjährige in meinem Inneren ist rausgekommen", sagt Hoffmann grinsend.

"Das ist ein erstaunlicher, erstaunlicher Tag", wird Bridenstine später sagen. Vor den Journalisten wird er von der Stille berichten, von der Anspannung, die in den Minuten vor der Landung im Raum geherrscht habe. Und davon, wie sie sich gelöst habe, wie ihn später sowohl US-Präsident Donald Trump als auch dessen Vize Mike Pence sofort angerufen hätten, um zu gratulieren. "Sie sind unfassbar stolz auf das, was hier heute passiert ist."

Mit der Ebene Elysium Planitia nördlich des Mars-Äquators hatten sich die Missionsplaner eine geologisch vergleichsweise langweilige Gegend zum Aufsetzen ausgesucht. "Diesmal soll die Landschaft so simpel wie möglich sein", so Nasa-Wissenschaftschef Thomas Zurbuchen vorab. An der Landestelle gebe es genug Sonnenenergie für die beiden Solarpaneele der Sonde. Außerdem könnten die Instrumente die Schwingungen im Inneren des Mars dort viel besser messen, als wenn man irgendwo im Geröll stehen würde.

Hineinhorchen in den Mars

Herumfahren wie etwa der Rover "Curiosity" wird die aktuelle Sonde nicht - wo genau auf dem Mars sie ihre Messungen macht, ist ziemlich egal. "Wir wollen das Innere des Planeten besser verstehen", erklärt Nasa-Manager Zurbuchen. Die Forscher horchen dazu in den Planeten hinein.

Mit Hilfe eines in Frankreich gebauten Seismometers wollen sie Marsbeben aufzeichnen. Diese können durch geologische Prozesse im Inneren ausgelöst werden, aber auch durch den Einschlag von Meteoriten. Die Bebenwellen wiederum verraten den Forschern, wie der Planet im Inneren aussieht: Wie groß ist der Kern? Und ist er flüssig wie der unserer Erde? Wie dick sind Kruste und Mantel des Mars? Warum gibt es dort keine Plattentektonik?

Wer die innere Struktur des Planeten kennt, kann zum Beispiel auch Antworten auf die Frage finden, warum der Mars einst ein kräftiges Magnetfeld hatte - und warum das heute so gut wie verschwunden ist.

Maulwurf soll sich in fünf Meter Tiefe hämmern

Ein weiteres, vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickeltes und gebautes Messgerät namens "HP3" misst den Wärmefluss bis zu fünf Meter tief im Marsboden. Dafür muss es ein Loch in den harten Grund hämmern. Tiefer als jedes andere auf einem fremden Himmelskörper soll es werden. Und auch mit diesen Daten dürften sich interessante Fragen beantworten lassen - unter anderem, in welcher Tiefe im Marsboden flüssiges Wasser zu vermuten wäre. Und damit eine Zone, in der womöglich Leben existieren könnte.

Die Instrumente trägt "Insight" gewissermaßen huckepack, mit Hilfe eines Greifarms werden sie in den kommenden Wochen auf der Oberfläche abgesetzt: Erst der Seismometer, der bekommt außerdem noch eine Art Haube übergestülpt, die ihn vor Wind und Wetter schützen soll; dann schließlich kommt der Marsmaulwurf dran.

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Welche Manöver genau für das Absetzen nötig sind, üben die Ingenieure in einer Art großem Sandkasten am JPL. "Das verantwortliche Team hat das bestimmt schon hundertmal trainiert", sagt Flugingenieurin Farah Alibay. Man könne es sich auf dem Mars einfach nicht leisten, Fehler zu machen. Deswegen solle es keine Überraschungen geben. "Wir wollen, dass alles so langweilig wie möglich abläuft", sagt Alibay.

Große Lampen an der Decke des Teststands liefern das passende - ziemlich helle und ziemlich gelbe - Marslicht für die Kameras auf dem Greifarm. Um die letzten Trainingsläufe so realistisch wie möglich zu machen, wollen die Experten nun noch die genaue Landschaft an der Landestelle nachbauen. "Wir brauchen drei bis neun Stunden für dieses 'Marsforming'", sagt JPL-Ingenierin Marleen Sundgard.

Der Nachbau wird auf zwei Zentimeter genau und basiert auf den Bildern von "Insight". Sundgaard und ihre Kollegen bekommen die Fotos auf eine Spezialbrille projiziert - und sehen beisipelsweise, wo sie per Hand Material ab- und auftragen oder wo Felsbrocken platziert werden müssen.

Das erste Foto ist schon da - und zeigt viel Sand

Das erste Bild von "Insight" ist übrigens deutlich schneller als bei früheren Mars-Missionen zur Erde geschickt worden. Das lag an zwei Mini-Satelliten, die den Landroboter auf seinem Weg begleitet hatten. Sie waren fürs direkte Weiterleiten der Daten zuständig. Und weil sie im Gegensatz zu den sonst genutzten Mars-Orbitern gleichzeitig empfangen und senden konnten, ergab sich der Zeitvorteil.

Einer der beiden ,"MarCO-B", hatte den Experten im Kontrollzentrum allerdings zuletzt noch Sorgen bereitet - weil er sich nicht mehr bei den riesigen Antennen des Deep Space Network auf der Erde gemeldet hatte. Aber sechs Stunden vor der Landung ließ sich der Kontakt dann wiederherstellen. Und die "MarCO"-Zwillinge schickten bereits wenige Minuten nach der Landung das Bild, das die Experten in Verzückung versetzte.

Orangebrauner Sandboden bis zum Horizont, hellerer Himmel - und viel Staub auf einem Schutzfilter vor der Kamera. "Wir sehen wenig - was gut ist", sagt DLR-Planetenforscher Tilman Spohn. Er ist der verantwortliche Wissenschaftler für den Marsmaulwurf "HP3". Bis auf zwei Steine sei an der Landestelle alles flach und glatt. "Das ist genau, was wir brauchen, um unsere Experimente gut da aufstellen zu können."

Der nächste Marsroboter wird nebenan schon gebaut

Währenddessen bauen sie in der "High Bay" des JPL bereits am nächsten Marsroboter. Er soll in zwei Jahren landen - und bis dahin noch einen schicken Namen bekommen. Einstweilen steht er kopfüber in einer Montagebox des weißen Reinraums, wo er nach und nach verkabelt und ausgestattet wird. Ein paar Meter weiter wird an dem Teil der Sonde gearbeitet, der sich um die Reise zum Mars kümmern wird, wiederum daneben steht der Landemechanismus, der für schwerere Lasten als jetzt bei "Insight" ausgelegt wird.

Denn "Mars 2020" wird - ähnlich wie ein europäisch-russisches Roboterauto, das dann ebenfalls landen soll - wieder auf der Marsoberfläche herumfahren können. "Eine der wichtigsten Aufgaben dieser Mission wird es sein, interessante Materialproben einzusammeln, die wir eines Tages zur Erde zurückbringen wollen", sagt Keith Comeau, der Vizechefingenieur. "Wir werden die Proben verpacken und ablegen. Sie einzusammeln, darum wird sich eine andere Mission kümmern müssen."

Nach der Marslandung ist also vor der Marslandung. Und Menschen, so sagt Nasa-Chef Bridenstine, würden nach seiner Einschätzung vielleicht bis Mitte der Dreißigerjahre auf der Oberfläche stehen.


Zusammengefasst: Die Nasa-Forschungssonde "Insight" ist mit einem deutschen und einem französischen Instrument an Bord sanft auf dem Mars gelandet. In den kommenden Tagen werden die Geräte auf dem Boden abgesetzt. Das üben die Forscher aber zunächst noch - damit nichts schiefgeht. Dann soll die Technik Daten liefern, mit denen die Wissenschaftler das Innere des Mars besser verstehen können.

insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
freudentanz 27.11.2018
1. Erste Landung seit 6 Jahren ?
Keine Ahnung warum das immer wieder wiederholt wird? Ah verstehe, Schiaparelli war ja ein Mißerfolg. Der europäische Betonklotz ist einfach abgestürzt. Gut, die Amis können es halt. Keine Experimente, Schritt für Schritt, Asbach Uralt Technik die funktioniert. Glückwunsch!
spazpresser 27.11.2018
2. Glückwunsch
Well done NASA!! Sehr schöner Artikel ! Keep it rocking!
hubie 27.11.2018
3. Glückwunsch!
Eine tolle Landung. Ich hoffe auf neue, spannende Erkenntnisse durch Insight.
mimas101 27.11.2018
4. Ähh
Ich glaube bei Bild 5 der Galerie wurde gesagt das die Funkwellen 8 Lichtminuten bis zur Erde brauchen. Das ist eher falsch aber dafür ist die Sonne 8 Lichtminuten von der Erde entfernt, Radiowellen brauchen schon so um die 20 Lichtminuten um vom Mars bis zur Erde zu schleichen. Allerdings: Würden die Astronomen jetzt endlich mal den Sub-Raum benutzen dann wären die Radiowellen in Nullzeit auf der Erde; vorausgesetzt das galaktische Zentrum kreuzt nicht gerade zwischen Erd- und Marsbahn auf denn dann, so Uhura, bricht alle Verbindung temporär ab.
touri 27.11.2018
5.
Gratuliere, Ihr sinnloser Beitrag hat es auf Position 1 geschafft!
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