Mars-Roboter Deutsche Katze statt Nasa-Rover

Die Roboter, die die Nasa zur Erkundung der Marsoberfläche einsetzt, haben ein Problem: Sie sind schwerfällig und kommen nicht überall hin. Bremer Forscher entwickeln nun die Antwort: Aramies, die Kletterkatze mit den vier Krallen.


Bremen - Schon in naher Zukunft könnte sich eine seltsam aussehende Gestalt auf fremden Planeten herumtreiben. Mit ihren flinken Aluminiumfüßchen könnte sie laufen, krabbeln und sogar klettern. Keine Schlucht wäre ihr zu tief, keine Klippe zu steil. Sie könnte Gegenden vom Mars untersuchen, in die ein anderer Roboter nie kommen würde. Aramies heißt dieser Laufroboter auf vier Beinen. Entwickelt wird er von Wissenschaftlern im Bremer Labor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Laufroboter "Aramies": Einsetzbar auf Mars und Mond
DDP

Laufroboter "Aramies": Einsetzbar auf Mars und Mond

Wie eine nackte Katze sieht Aramies aus. Und genau das ist auch beabsichtigt. Denn bei der Entwicklung des Roboters haben sich die Bremer Forscher um Frank Kirchner bewusst an der Tierwelt orientiert. Mit "Abkupfern aus der Natur" ließe sich dieser Ansatz in der Forschung zur künstlichen Intelligenz beschreiben, sagt Kirchner. Der Weg führe nicht über lange Berechnungen. "Wenn ich etwas mit einfachen Mitteln beschreiben kann, habe ich es verstanden", sagt Kirchner. Kleinste Tierchen haben kein Gehirn. Dennoch können sie sich komplex bewegen. Ebenso funktioniert Aramies. Stößt der Kletterroboter auf ein Hindernis, weicht er aus. Läuft er auf Matsch, bewegt er sich anders als auf Geröll.

Gegenüber den schwer beräderten Robotern, die momentan rollend den Mars erforschen, hat Aramies einen enormen Vorteil. "Dort, wo es für die Wissenschaftler richtig interessant ist, kommen diese 'Rover' gar nicht hin. In engen, steinigen Schluchten oder an steilen Kraterwänden können sie nun mal nicht fahren", sagt Kirchner. Da könnte Aramies zum Einsatz kommen. Mit ihren vier Krallen würde die 34 Kilogramm schwere Roboterkatze mühelos Halt finden. Sie könnte Gesteinsproben entnehmen und so wichtige Erkenntnisse zur Entwicklung ferner Planeten liefern. "Aramies soll eines Tages in der Lage sein, selbstständig wissenschaftlich zu arbeiten", sagt Kirchner. Einsetzbar wäre der Roboter sowohl auf dem Mars als auch auf dem Mond.

Doch bis es soweit ist, haben die Forscher des DFKI noch reichlich Arbeit. "Ein Problem sind beispielsweise die Temperaturunterschiede im Weltall", erklärt Heiko Zschenker, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Aramies-Projekt. Mal ist es extrem heiß, mal extrem kalt. Der Kletterroboter muss deshalb so konstruiert sein, dass ihm das nichts ausmacht.

Der Einsatz von Aramies soll nicht allein auf Weltraum-Missionen beschränkt sein. Auch auf der Erde könnte die Roboterkatze gute Dienste leisten. Baustellen könnte sie bewachen, unübersichtliche Werksgelände ebenso. Zusammen mit einer fliegenden Roboterdrone würde Aramies jeden Winkel im Auge behalten. Die beiden wären besser als ein menschlicher Wachdienst.

Andere Roboter im DFKI werden auf ihren Unterwassereinsatz programmiert. Sie sollen einmal Häfen und Schiffe inspizieren und so Informationen zu möglichen Schäden liefern. Momentan müssen Taucher so etwas sehr aufwändig kontrollieren, wobei sie im schmutzigen Wasser kaum etwas sehen können, erklärt Kirchner. "Und selbst wenn der Taucher etwas sieht, kann er das Bild nicht abspeichern." Der Roboter könne viele Informationen aufnehmen. "Durch die entsprechende Software werden sie dann in Bilder umgesetzt", sagt Kirchner. Eine solche Genauigkeit könne ein Mensch kaum erreichen. "Es sei denn, man legt den ganzen Hafen trocken."

Claudia Kuzaj, ddp



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