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Mars-Rover "Opportunity": Nasa löst das Rätsel um den Donut-Stein

Mars-Rover "Opportunity": Herkunft des mysteriösen Donuts geklärt Fotos
Nasa / JPL

Wochenlang rätselten Nasa-Forscher über einen Steinklumpen auf dem Mars, der plötzlich neben dem Rover "Opportunity" lag - auf älteren Fotos jedoch fehlte. Nun haben die Experten eine Erklärung für das mysteriöse Phänomen gefunden.

Washington - Zunächst wollten die Wissenschaftler ihren Augen nicht trauen: Anfang Januar war ein vier Zentimeter großer Brocken plötzlich auf einem Foto des Mars-Rovers "Opportunity" aufgetaucht. Auf früheren Fotos derselben Stelle fehlte der Donut-förmige Stein. Woher kam der Brocken?

Nach wochenlangem Rätselraten ist die Herkunft nun geklärt. Der Klumpen sei Teil eines größeren Steins, teilte die US-Raumfahrtagentur Nasa am Freitag (Ortszeit) in Washington mit. "Opportunity" habe ihn während der Fahrt mit einem seiner Räder abgebrochen. Die Nasa-Wissenschaftler hatten den runden Brocken "Pinnacle Island" genannt.

"Nachdem wir 'Opportunity' nach der Untersuchung von 'Pinnacle Island' etwas wegbewegt hatten, konnten wir direkt darüber am Hügel einen umgeworfenen Stein sehen, der dasselbe ungewöhnliche Aussehen hat", sagte Nasa-Wissenschaftler Ray Arvidson. "Da sind wir drübergefahren. Wir können die Spuren sehen. Da kommt 'Pinnacle Island' her."

Anfangs wussten die Nasa-Forscher nicht so recht, woher der Stein stammen könnte. Erste Analysen offenbarten merkwürdige Bestandteile. "Es ist nicht vergleichbar mit allem, was wir vorher gesehen haben", erklärt der Nasa-Wissenschaftler Steve Squyres. Die "Füllung des Donuts" sei sehr schwefel- und magnesiumhaltig. Der Stein enthalte zudem doppelt so viel Mangan, wie die Forscher üblicherweise in den Marsproben gemessen haben.

Nach Lösung des Rätsels soll der Rover nun Richtung Süden fahren und einen Hügel erklimmen. Dort soll er weiter das Gestein untersuchen. "Opportunity" war vor zehn Jahren am 25. Januar 2004 auf unserem Nachbarplaneten gelandet. Sein Zwilling "Spirit" hatte schon ab dem 4. Januar begonnen, den Mars zu erkunden. Ursprünglich sollten die Missionen der Roboter nur jeweils 90 Tage dauern, sie wurden aber immer wieder verlängert. Zu Hilfe kamen den Forschern dabei auch immer wieder Stürme auf dem Mars, welche die verstaubten Solarzellen freiputzten und so die Energieversorgung sicherstellten.

Die Landung in zwei Teilen

Am 4. Januar 2004 landete der Mars-Rover "Spirit" auf dem roten Planeten. Wochen später folgte ihm am 25. Januar sein Zwilling "Opportunity". Das Bild des Landeteils, aus denen die Rover herausfuhren, gehörte zu den ersten, die die Roboter von der Oberfläche sandten. Zuvor mussten sie jedoch mit verklemmten Airbags kämpfen. Sie hatten die Rampen blockiert.

Erstmal umschauen

Nicht nur die Weiten des Mars waren für die Nasa interessant, der Rover untersuchte auch seine Landeumbegung ausgiebig. Die Auswirkungen auf seinen Hitzeschild interessierte die Forscher besonders. So begutachtete "Opportunity" seine abgestreifte Schutzhülle und erlebte gleich in der Nähe eine Überraschung: Ein auffälliger Meteorit, mit dem die Forscher nicht gerechnet hatten.

Stein ist nicht gleich Stein

Den "Heat Shield Rock" getauften Stein sahen sich die Forscher genauer an und konnten ihr Glück kaum fassen. Auf dem Mars Gestein zu untersuchen, das nicht von dem Planeten stammt, war nicht geplant. Sie hatten die Mission darauf ausgelegt die natürlichen Gesteinsformationen auf der Oberfläche nach Spuren von Wasser abzusuchen. Der Meteorit sei eine Art "wissenschaftlicher Goldfund", hieß es von Chef-Forscher Jim Garvin.

Dreck in der Spur?

Und sogar kleine technische Fehlfunktionen hatten ihr Gutes: Ein verklemmtes Rad des Rovers "Spirit" durchpflügte unsanft den Marsboden. Die Wissenschaftler bemerkten dabei eine ungewöhnlich helle Bodenschicht und stolperten so über interessante Mineralien und Verbindungen. Es waren Ablagerungen, die ein weitere Hinweis auf einstiges Wasser auf dem Planeten waren.

Einmal Scheiben putzen, bitte

Vor allem die kleineren Stürme auf dem Mars stellten sich für die Rover als Glücksfall heraus: Immer wieder putzten sie die Solarzellen frei. Vom Staub befreit hielt die Energieversorgung der Marsautos Jahre durch, statt wie geplant Wochen oder Monate. Seit 10 Jahren läuft "Opportunity" nun mit der unerwarteten Sonnenenergie. Mit der natürlichen Putzkolonne auf dem Mars, die das ermöglicht, hatten die Nasa-Wissenschaftler nicht gerechnet.

Anzeichen für Wasser

So kann "Opportunity", nachdem "Spirit" seit Mai 2011 als verloren gilt, immer noch seinen Dienst tun: Steine, deren Form und Beschaffenheit Hinweise auf Wasser und die früheren Bedingungen auf dem Mars liefern, sind seine tägliche Arbeit. Immer wieder untermauern Studien zur Geologie und den Mineralien auf dem Planeten, dass Wasser floss und einst dort Leben hätte entstehen können.

Was für eine Aussicht

Die Rover kletterten auf ihren Wegen auch auf Erhöhungen. An vielen Panorama-Aufnahmen konnten sich nicht nur die Wissenschaftler berauschen. Obwohl Aufnahmen des Mars oft eine atemberaubende Umgebung zeigen: Kälte, Strahlung und Trockenheit machen ihn zu einer Wüste. Auch das vermittelten die Rover immer wieder.

Blaubeeren auf dem Mars

Dass aber einst Wasser auf dem Planeten existiert hat, zeigen die sogenannten Blaubeeren. Die Gesteinsformation erhielt ihren Namen durch Falschfarbenbilder, die die Kügelchen als blaue Erhebungen auf dem Marsboden zeigten. Ablagerungen um die Beeren herum beweisen, dass saures Wasser in der Zeit ihrer Entstehung geflossen sein muss.

Plötzlich ein Stein-Donut im Weg

Überraschenden Besuch erhielt "Opportunity" jüngst, als ein Donut-Stein in der Nähe auftauchte. Er lag ohne Anzeichen von einem Tag auf den anderen vor dem Roboter. Noch immer rätseln Wissenschaftler, wie der Stein mit der ungewöhnlichen Zusammensetzung dort gelandet ist. Möglicherweise hat ihn ein Rad des Rovers während der Fahrt aufgewirbelt. Aber auch ein Meteoriteneinschlag in der Nähe könnte ihn dort hingeschleudert haben.

hda/dpa

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insgesamt 37 Beiträge
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    Seite 1    
1. Erklaerung ziemlich unglaubwuerdig
meckerziege24 15.02.2014
Toll wie die Techniker nach 12 Tagen (Ortszeit) genau die selbe Stelle wieder finden? Das beim rangieren sich augenscheinllich kein Kruemmelchen veraendert. ( leider ist das erste Bild ja etwas unscharf und aus einer anderen Perspektive). Im Reifen kann sich das Objekt nicht verklemmt haben, also muss es von irgendwo dahin gerollt sein. Warum kriegen wir die ominoese Stelle wo drueber gefahren wurde nicht zu sehen? Fragen ueber Fragen! Vielleicht ist es nur eine Marsschnecke, die sich das Geraet mal ansieht. Oder es ist einfach nur in der Wueste von Nevada und ein portugisischer Techniker hat da sein "Pastel de Nata" verzehrt und die Verpackung liegengelassen.
2. ...Requisite vergessen...
hr_schmeiss 15.02.2014
...kommt bei längeren Dreharbeiten gerne mal vor. Antike Römerfilme mit Armbanduhr, oder bei Armageddon etwa, da wurde ganz schlampig gearbeitet. Vielleicht kommt ja auch mal eine Cola-Dose ins Bild...?
3. grosse leistung aber
rockinrabbit66 15.02.2014
aber trotzdem muss ich fragen: warum hat man nicht selbst eine vorrichtung gebaut die die solarpaneele freibläst? milliarden dollar machen sich durch glück um das 100fache nützlicher? sieht denen gar nicht ähnlich,sowas zu vergessen...
4. Mit wird Angst und Bange um die NASA
tailspin 15.02.2014
Ich waere mit dieser Meldung nicht rausgekommen. Der Vorgang mag intellektuell anspruchsvoll und bedeutsam sein, aber wenn die Hot Shots von der NASA um jeden umgeworfenen Stein 14 Tage diskutieren wollen, muss ich leider festellen, die haben keine gescheiten Aufgaben mehr. Bitte nicht mit meinen Steuergeldern.
5.
sschuste 15.02.2014
Zitat von meckerziege24Toll wie die Techniker nach 12 Tagen (Ortszeit) genau die selbe Stelle wieder finden? Das beim rangieren sich augenscheinllich kein Kruemmelchen veraendert. ( leider ist das erste Bild ja etwas unscharf und aus einer anderen Perspektive). Im Reifen kann sich das Objekt nicht verklemmt haben, also muss es von irgendwo dahin gerollt sein. Warum kriegen wir die ominoese Stelle wo drueber gefahren wurde nicht zu sehen? Fragen ueber Fragen! Vielleicht ist es nur eine Marsschnecke, die sich das Geraet mal ansieht. Oder es ist einfach nur in der Wueste von Nevada und ein portugisischer Techniker hat da sein "Pastel de Nata" verzehrt und die Verpackung liegengelassen.
Das ist nicht sonderlich schwierig, wenn man 12 Tage an der gleichen Stelle verharrt. Kannst du ja mal gelegentlich ausprobieren. Kriegt eigentlich jeder hin.
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