Mars-Sonde Computer war schuld an "Schiaparelli"-Crash

Das Rätsel um den Absturz der Marssonde "Schiaparelli" ist gelöst. Ein Untersuchungsbericht erklärt, warum der Forschungsroboter aus fast vier Kilometer Höhe ungebremst aufschlug.

"Schiaparelli" in der Marsatmosphäre (künstlerische Darstellung)
ESA/ ATG medialab/dpa

"Schiaparelli" in der Marsatmosphäre (künstlerische Darstellung)


Die unabhängigen Experten haben sich Zeit gelassen - aber rund ein halbes Jahr nach der Bruchlandung der europäisch-russischen Sonde "Schiaparelli" auf dem Mars liegt nun ein offizieller Untersuchungsbericht vor.

Er belegt, was sich bereits kurze Zeit nach dem Crash abzuzeichnen schien: Ein Computerproblem ist schuld daran, dass der Flugkörper aus fast vier Kilometer Höhe ungebremst auf die Oberfläche des Roten Planeten stürzte, dort mit einer Geschwindigkeit von 540 Kilometern in der Stunde aufschlug und sogar einen kleinen neuen Krater schuf.

Das entscheidende Problem trug sich demnach kurz nach der Öffnung des Bremsfallschirms bei doppelter Schallgeschwindigkeit zu. Zu diesem Zeitpunkt bewegte sich "Schiaparelli" offenbar beim Weg durch die immer dichter werdende Marsatmosphäre stärker als vorhergesehen hin und her. Das wiederum sorgte dafür, dass ein Messgerät, das die Eigendrehung der Sonde überwachte, die sogenannte IMU, überlastet wurde.

Statt wie vom Hersteller versprochen schon 15 Millisekunden nach einer Überlastung wieder betriebsbereit zu sein, blockierte das Problem den Bordcomputer für rund eine Sekunde. Dadurch wiederum wurde aus den Bewegungsdaten eine falsche Höhenangabe berechnet.

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"Schiaparelli" kam dabei auf einen Wert, der sogar bereits unter der Marsoberfläche zu liegen schien. Doch statt dieses Ergebnis in Zweifel zu ziehen, wurden Fallschirm und der verbleibende Schutzschild abgeworfen sowie die Bremstriebwerke der Sonde gezündet.

Diese sollten eigentlich erst wenige Meter über dem Boden zum Einsatz kommen. Die Aggregate feuerten für eine Mindestzeit von drei Sekunden und schalteten sich dann ab - und "Schiaparellis" freier Fall zum Mars begann.

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Das Ergebnis der anschließenden halben Minute Freifall ist bekannt: Totalschaden. Nach der Bruchlandung hatte die Esa demonstrativ erklärt, ein Großteil der Missionsziele seien trotzdem erreicht worden.

Der Untersuchungsbericht spricht nun 16 teils detaillierte Empfehlungen an die Raumfahrtorganisation aus. Dazu gehört auch, die Lieferungen von Unterauftragnehmern bei Entgegennahme besser zu prüfen.

Europa und Russland planen eine weitere Marslandung für das Jahr 2020. Dann soll ein Roboterauto auf die Planetenoberfläche gebracht werden. Dabei sollen teilweise die gleichen Technologien zum Einsatz kommen wie bei "Schiaparelli". Für das Landemodul ist dann Russland verantwortlich.



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