Marsmond: Phobos entstand vermutlich durch eine Explosion

Er ist das Produkt einer Katastrophe: Der Marsmond Phobos ist offenbar aus Geröllteilen zusammengesetzt, die vom Roten Planeten stammen. Entstanden ist der Begleiter vermutlich durch eine gigantische Explosion - oder einen Einschlag auf dem Mars.

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ESA / DLR / FU Berlin

Marsmond Phobos: Minerale, die auch auf dem Mars vorkommen

Rom - Der Ursprung des Marsmondes Phobos ist bisher nicht bekannt. Einer These zufolge ist Phobos ein kleiner Planet, der am äußeren Rand des Asteroidengürtels entstand und durch die Anziehungskraft des Mars in dessen Umlaufbahn gelangte.

Alternativ könnte sich der Mond aber auch an Ort und Stelle gebildet haben - und zwar durch die Zusammenlagerung von felsigen Schuttmassen. Diese könnte bei einem Einschlag auf dem Mars selbst entstanden oder aber Überreste eines früheren Mondes sein, der durch die Gezeitenkraft von Mars zerstört wurde.

Zwei unabhängige Messungen der Esa-Sonde "Mars Express" und der Nasa-Sonde "Mars Global Surveyor" stützen nun die Schutthypothese. Das berichteten die Forscher Marco Giuranna vom Nationalen Institut für Astrophysik in Rom und Pascal Rosenblatt vom Königlichen Observatorium von Belgien auf dem "European Planetary Science Congress 2010" in Rom.

"Um zu erkennen, welcher der beiden Erklärungsansätze der richtige ist, müssen wir die Zusammensetzung des Marsmondes entschlüsseln", sagte Marco Giuranna. Für die Untersuchungen wurde unter anderem ein spezielles Spektrometer verwendet, das die Mondoberfläche erkunden kann.

"Wir haben bestimmte Minerale, nämlich Schichtsilikate, auf der Oberfläche von Phobos gefunden", berichteten die Wissenschaftler. Zudem gab es Hinweise auf die Existenz von Mineralen, die auch auf dem Mars vorkommen. Insgesamt lasse das darauf schließen, dass Phobos enger mit dem Mars als mit anderen Objekten des Sonnensystems verwandt ist.

Weitere Messungen zeigten außerdem, dass die Dichte des Mondmaterials deutlich geringer ist als die von Asteroiden. Dies lässt darauf schließen, dass Phobos wie ein Schwamm aufgebaut ist, mit Poren, die bis zu 45 Prozent des Mondinneren ausmachen. Auch diese Entdeckung stützt laut den Forschern die Explosionshypothese, denn ein Objekt aus einem solch porösen Material hätte den Sog in die Marsumlaufbahn überhaupt nicht überlebt. Der Mond scheint also eher vor Ort oder zumindest in nächster Nähe entstanden zu sein, indem sich Trümmer und Gesteinsbrocken aneinander lagerten. Die Poren entstehen, weil sich zunächst die größten Geröllteile zusammenfinden und dann kleinere Bruchstücke nachfolgen, ohne aber alle Lücken auszufüllen.

Auch wenn die neuen Untersuchungen alle auf die Explosionshypothese hindeuten, gibt es nach wie vor keine Sicherheit über die Ursprünge von Phobos. Es reiche nämlich nicht aus, die Dichte des Materials zu kennen, um die genaue Zusammensetzung zu ergründen, betonten die Forscher. Eine weitere Mission, die im nächsten Jahr startet, soll nun zusätzliche Messwerte liefern.

hda/dapd

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