Marsreise als Videospezial: Das Rätsel des Roten Planeten

"Neugier" - was für ein grandioser Name für diesen Super-Roboter, den die Nasa jetzt zum Mars schickt. Das Wunderwerk "Curiosity" ist eine Art hochbegabter Geländewagen, der bohren, buddeln und womöglich bald die entscheidende Frage beantworten kann: Gibt es Leben auf dem Roten Planeten?

Washington - Mit dem Start eines technisch hochgerüsteten Rovers will die Nasa am Samstag ein neues Kapitel in ihrer Marsforschung aufschlagen. Der Roboter auf Rädern heißt "Curiosity", übersetzt "Neugier", und die US-Weltraumbehörde Nasa hofft, dass er seinem Namen alle Ehre macht. Wenn er im August 2012 planmäßig auf dem Roten Planeten landet, soll er dort knapp zwei Jahre lang nach Spuren von organischen Materialien suchen, den Grundzutaten für Leben. Er soll messen, bohren, schaufeln, fotografieren und analysieren.

Die notwendigen technischen Finessen dafür befinden sich an Bord: Von Röntgenaugen bis zum Lasergerät ist alles für die Mission vorhanden. Doch erst einmal muss der Rover heil ankommen. Was schon beim Start danebengehen kann, hat unlängst Russland erfahren: Die Marsmond-Sonde "Phobos-Grunt" schaffte es wegen Triebwerksproblemen nicht aus dem Erdorbit - am Dienstag wurde sie bereits offiziell abgeschrieben, am Mittwoch konnte die Europäische Weltraumagentur Esa dann doch überraschend Kontakt aufnehmen.

Mit Düsen und Fallschirm zum Mars

Entsprechend aufgeregt fiebern die Nasa-Wissenschaftler dem für 16.02 Uhr MEZ am Samstag in Cape Canaveral (Florida) geplanten Aufbruch entgegen - und geraten geradezu ins Schwärmen über ihren "Curiosity": "Es ist kein Rover, wie man ihn bisher kannte", sagt Doug McCuistion, Direktor des Marsprogramms der Nasa. Das rollende Forschungslabor sei das komplexeste von Menschenhand geschaffene Objekt, das jemals auf die Oberfläche eines anderen Planeten gebracht wurde.

"Curiosity" ist so groß wie ein Geländewagen und soll mit einer Atlas-Rakete auf den Weg geschossen werden. Mit einer Geschwindigkeit von 19.000 Stundenkilometern nähert sich der Doppeldecker dem Roten Planeten, dann bremst er mit Hilfe von Düsen und einem Fallschirm ab, um den 900 Kilogramm schweren Rover am Ende langsam an Seilen auf dem Marsboden abzusetzen - als würde er an einem Kranarm hängen.

Die Nasa selbst spricht von einem riskanten Manöver, aber sie hatte keine andere Wahl: Für Luftkissen, wie sie bisher bei Landeaktionen für ein sanftes Aufsetzen verwendet wurden, ist der Rover mit all seinen Instrumenten einfach zu schwer. Setzt der Rover auf dem Mars auf, wird er nach Nasa-Angaben 570 Millionen Kilometer zurückgelegt haben.

Gibt es noch lebende Mikroben unter der Oberfläche?

Über den am besten geeigneten Landeplatz hat sich die Nasa nach eigenen Angaben lange den Kopf zerbrochen. Sie entschied sich schließlich für den Gale-Krater, einen Schlund mit 154 Kilometern Durchmesser, von dessen Boden ein Berg fast 5000 Meter hoch aufragt. Am Fuße dieses Bergs soll "Curiosity" aufsetzen und zu seiner Erkundungstour aufbrechen.

Der Krater, benannt nach dem australischen Astronomen Walter Gale, bietet der Nasa zufolge gleich aus mehreren Gründen die besten Voraussetzungen für eine Mission mit reicher wissenschaftlicher Ausbeute: Gesteinsformationen und Sedimente am Grund deuteten darauf hin, dass es hier einmal Wasser gegeben habe. Das wiederum eröffne die Möglichkeit, dass sich tief unter der Oberfläche noch lebende Mikroben befänden. Vom Studium der fächerartigen Gesteinsschichten versprechen sich die Nasa-Wissenschaftler zudem Einblicke in die lange Evolutionsgeschichte des Planeten, erläutert Projektmanager John Grotzinger vom kalifornischen Technologie-Institut in Pasadena.

3-D-Bilder vom Mars

Um seinen Berg von Aufgaben zu erfüllen, bringt "Curiosity" zehn ausgeklügelte Instrumente mit. So kann der Roboter etwa mit zwei an einem Mast befestigten Kameras dreidimensionale Aufnahmen machen und Panoramafotos liefern. Er verfügt über einen Laser, der die chemische Zusammensetzung des Marsbodens in einem Radius von rund sechs Metern erfassen kann, über einen zwei Meter langen Roboterarm und einen Bohrer, um Gesteinsproben zu sammeln. Im seinem Bauch beherbergt "Curiosity" die nötigen Vorrichtungen zur Analyse.

Die Nasa sieht zudem freudig einem anderen Großereignis auf dem Mars entgegen: Im Januar 2012 ist es acht Jahre her, dass die Sonde "Opportunity" ("Gelegenheit") und ihr Zwilling "Spirit" ("Unternehmergeist") auf dem Mars landeten. Konzipiert waren sie eigentlich nur für eine 90-tägige Mission. Aber "Opportunity" ist immer noch im Einsatz - und so wäre man bei der Nasa kaum überrascht, wenn auch "Curiosity" eine zeitliche Zugabe lieferte.

Hier geht's zum Videospezial: Die Zukunft im All

Von Gabriele Chwallek, dpa

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