Planetenforschung: Mars-Wettervorhersage warnt vor Schneefällen

Nordpol des Mars: "Dieses Wetterphänomen ist auf dem Mars einzigartig" Zur Großansicht
REUTERS / ESA / DLR / FU Berlin

Nordpol des Mars: "Dieses Wetterphänomen ist auf dem Mars einzigartig"

Auf der Erde liegen langfristige Wettervorhersagen oft daneben. Für den Mars soll ein neues Modell dagegen verlässliche Blicke in die Zukunft erlauben. Es geht um die Frage, wann es auf dem Roten Planeten schneit.

Der Mars als Reiseziel ist wieder en vogue. Gerade hat Buzz Aldrin, der zweite Mann auf dem Mond, sein Buch "Mission to Mars" vorgestellt, das er zusammen mit dem Raumfahrtjournalisten Leonard David geschrieben hat. In einem New Yorker Buchladen präsentierte er am Mittwoch seine Vision von einer permanenten US-Basis auf dem Roten Planeten. Und unmittelbar zuvor hatte die niederländische Firma "Mars One" verkündet, dass sich schon 78.000 Interessenten für einen Flug dorthin gemeldet hätten - auch wenn es eine Reise ohne Wiederkehr wäre.

Einstweilen wird der Mars allerdings von ferngesteuerten Robotern erkundet. Und für deren Bedienpersonal könnte eine neue Arbeit von Forschern der Tohoku Universität im japanischen Sendai und des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau interessant sein. Die haben nämlich eine Art Wettervorhersage für den Mars entwickelt. Im Fachblatt "Geophysical Research Letters" präsentieren die Wissenschaftler einen Ansatz, mit dem sich im eisigen Winter der Nordhalbkugel bevorstehende Schneefälle mehrere Wochen im Voraus prognostizieren lassen.

Die Forscher zeigen, dass die Schneefälle mit einem besonderen Wetterphänomen auf dem Mars zusammenhängen: Schwankungen in Druck, Temperatur, Windstärke und -richtung breiten sich auf der Nordhalbkugel im Winter wellenartig aus. "Dieses Wetterphänomen ist auf dem Mars einzigartig", sagt MPS-Forscher Alexander Medvedev. Zwar gebe es die so genannten planetaren Wellen auch auf der Erde. Doch seien Druck- und Temperaturschwankungen in der unteren Erdatmosphäre deutlich schwächer - und weniger regelmäßig.

"Für Marsmissionen ist dies eine wertvolle Information"

Auf dem Roten Planeten ist das anders: "Auf der Nordhalbkugel des Mars treten diese Wellen in der Zeit von Herbst bis Frühling mit bemerkenswerter Verlässlichkeit auf", so Medvedev. Die Wellen breiten sich demnach ostwärts aus und haben eine feste Periode von fünf bis sechs Tagen. Nahe der Marsoberfläche lassen sich zusätzlich Wellen mit höherer Frequenz beobachten. Die planetaren Wellen sorgen nach den Erkenntnissen der Forscher dafür, dass die Temperaturen in der Marsatmosphäre regelmäßig auch unter dem Wert von minus 128 Grad liegen.

Das bedeutet, dass sich aus vormals gasförmigem Kohlendioxid Eiswolken bilden - und daraus Schnee auf die Planetenoberfläche rieselt. "Eiswolken treten nördlich von 70 Grad nördlicher Breite in allen Luftschichten bis zu 40 Kilometern Höhe auf", sagt Paul Hartogh vom MPS. Unterhalb von 20 Kilometern fallen die Kristalle als Schnee.

Die Berechnungen der Forscher legen nahe, dass insgesamt etwa die Hälfte des saisonalen Eises auf dem Mars auf diese Weise auf der Oberfläche landet. Zum Einsatz kam ein Klimamodell von der Erde, das an die Bedingungen auf dem Mars - viel Staub und eine dünne, vor allem aus CO2 bestehende Atmosphäre - angepasst wurden.

Die Forscher gehen davon aus, dass sich in bestimmten Regionen auf der Nordhalbkugel des Mars die Schneefälle weit im Voraus bestimmen lassen. "Für Marsmissionen, die beispielsweise mit Rovern diese Gebiete erforschen wollen, ist dies eine wertvolle Information", sagt Hartogh. So ließen sich Fahrtrouten so planen, dass die Marsautos den heftigsten Schneefällen ausweichen können.

chs

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1. So ein Quatsch
zila 10.05.2013
"Die Forscher gehen davon aus, dass sich in bestimmten Regionen auf der Nordhalbkugel des Mars die Schneefälle weit im Voraus bestimmen lassen. "Für Marsmissionen, die beispielsweise mit Rovern diese Gebiete erforschen wollen, ist dies eine wertvolle Information", sagt Hartogh. So ließen sich Fahrtrouten so planen, dass die Marsautos den heftigsten Schneefällen ausweichen können." Warum muss da immer so eine fadenscheinige Begruendung am Ende der meisten Forschungsartikel haengen? Diese Rover bewegen sich doch kaum, vielleicht einige Dutzend Kilometer ueber die Jahre hinweg. Da macht so eine vage Prognose wirklich keinen Unterschied bzgl. Fahrtroute, hoechstens fuer Ruhephasen, aber das kriegt der Rover wohl auch so mit, wenn's schneit oder Sand stuermt.
2. Nächste Generation Fahrzeuge
derjansel 10.05.2013
Die nächste Generation der Fahrzeuge kommt bestimmt. Ich meine, wenn das Geld stimmt gibt es auch radioaktiv betriebene Geräte. Die fahren durchaus einiges mehr.
3. ||||
sample-d 10.05.2013
Zitat von derjanselDie nächste Generation der Fahrzeuge kommt bestimmt. Ich meine, wenn das Geld stimmt gibt es auch radioaktiv betriebene Geräte. Die fahren durchaus einiges mehr.
Curiosity hat doch eine Plutoniumbatterie... Trotzdem fährt er keine hohen Geschwindigkeiten, einfach weil es zu gefährlich wäre bei der Signalverzögerung...
4.
Hermes75 10.05.2013
Zitat von sample-dCuriosity hat doch eine Plutoniumbatterie... Trotzdem fährt er keine hohen Geschwindigkeiten, einfach weil es zu gefährlich wäre bei der Signalverzögerung...
Die Radionuklid-Batterie von Curiosity leistet gerade mal 110 Watt elektrisch. Das Gewicht des Rovers liegt bei 900 kg. Man kann sich leicht vorstellen, dass ein Kleinwagen mit dieser Antriebsleistung nicht wirklich schnell werden kann. Die Signalverzögerung ist nicht entscheidend, da das Fahrzeug nicht direkt von der Erde gesteuert wird. Es bekommt nur Vorgaben und steuert dann autonom, solange es nicht auf Probleme stößt.
5. Klimamodell der Erde klappt - Super
rkinfo 10.05.2013
Der Mars hat eine Atmosphäre die weitgehend vom Treibhausgas CO2 bestimmt wird was Mischrechnungen mit H2O auf der Erde im Nachteil haben.
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