"Messenger"-Sonde Heiße Abschiedsgrüße vom Merkur

Die "Messenger"-Sonde der Nasa kommt dem Planeten Merkur derzeit so nah wie noch nie. Kurz vor ihrem Zerschellen Ende April schickt sie spektakuläre Bilder von Steilhängen und Eis in den Tiefen der Krater.

NASA/ Carnegie/ JHUAPL

Nur noch wenige Wochen, dann geht die Mission der Nasa-Raumsonde "Messenger" zu Ende. Am 30. April soll "Messenger" auf dem Planeten Merkur zum Absturz gebracht werden. Der Treibstoff ist alle. Kein Grund zur Trauer, denn die Sonde hat eine erfolgreiche Mission absolviert: Statt wie geplant 2500 Bilder des Merkurs hat "Messenger" mittlerweile 250.000 gemacht.

Sie hat auf dem sonnennächsten Planeten tonnenweise Eis gefunden, bisher unkartierte Regionen der Oberfläche fotografiert und festgestellt, dass der Merkur ganz langsam schrumpft. Zum großen Finale hat die Sonde nun noch einmal ganz besondere Aufnahmen zur Erde gesendet. Als die Bilder am 16. März entstanden sind, war "Messenger" nur 15 Kilometer vom Merkur entfernt - so nah wie noch nie.

Eis überdauert im Schatten

Die Aufnahmen ermöglichen Forschern erstmals Einblicke bis auf den Grund der vielen Krater nahe den Polen des Merkurs. Auf den Aufnahmen ist Eis auf dem Grund der tiefen Gruben zu erkennen. "Zunächst eine vielleicht erstaunliche Entdeckung", sagt Nancy Chabot, vom Applied Physics Laboratory der Johns Hopkins University. Tagsüber werden auf dem Merkur Temperaturen von 430 Grad Celsius erreicht. Allerdings liege das Eis in den dauerhaft beschatteten Kratern in der Nähe des Nordpols. So überdauere es wohl auch die Temperaturen auf dem sonst so sonnenverwöhnten Merkur, so Chabot.

"Dank der neuen Aufnahmen können wir zusammenhängende Gebiete des Merkurs erkennen, die wir noch nie zuvor so genau gesehen haben", sagt Sean Solomon, Geophysiker am Lamont-Doherty Earth Observatory in Palisades, New York. Er ist Leiter der Mission. Gemeinsam mit seinem Team präsentierte er die jüngsten Ergebnisse der "Messenger"-Mission auf der Lunar and Planetary Science Conference in Woodlands, Texas.

Die jüngsten "Messenger"-Aufnahmen zeigen auch treppenartige Erhebungen. Diese erinnern die Forscher an kleinere Varianten der großen Steilhänge, die bereits vom Merkur bekannt sind. Die langen Bergrücken, die sich über einen Großteil des Planeten erstrecken, sind teils Hunderte Kilometern lang. Entstanden sind sie wahrscheinlich, während sich der heiße Merkur langsam abgekühlte und weiter zusammenschrumpfte.

Die kleineren Erhebungen seien vergleichbar mit Teilen der Erdkruste in der Nähe von Erdbebenzonen, sagt Thomas Watters, Forscher des National Air and Space Museum in Washington. "Die Hänge sind so jung, wahrscheinlich bilden sie sich auch heute noch."

Fotostrecke

9  Bilder
Überraschende Ansichten: Bewegte Merkur-Oberfläche
Ein Krater namens Fuller, benannt nach dem Architekten Richard Buckminster Fuller, lässt strukturierte Abschnitte von Licht und Dunkelheit erkennen. Dies könnte darauf hindeuten, dass dort eine Eisschicht von kohlenstoffreichem Material überlagert wird.

Da die Grenze zwischen dem hellen und dunklen Bereich sehr scharf verläuft, vermuten die Forscher, dass sich diese neue Schicht erst vor relativ kurzer Zeit gebildet hat. Eine Theorie besagt, dass ein Felsbrocken von weiter außerhalb des Sonnensystems auf dem Merkur eingeschlagen ist, und dabei Wasser in Form von Eis oder anderem Material auf den Planeten gelangt ist.

Schließlich hat "Messenger", als sie in die Umlaufbahn des Planeten eintrat, auch Details in den noch mysteriösen Mulden des Merkurs ermitteln können. Die Aufnahmen weisen seltsame, helle Bereiche innerhalb einiger Mulden aus, dazu kämen unregelmäßig geformte Vertiefungen, berichtet David Blewett von der Johns Hopkins University. Die Mulden sehen jünger aus als beinah alles andere auf dem Merkur. Das zeige auch, dass der Planet viele Entwicklungen durchlaufen hat.

"Messenger" wird von den Nasa-Technikern noch fünf Mal in einen größeren Abstand zum Merkur gebracht werden, bevor die Schwerkraft des Planeten die Raumsonde unumkehrbar in die Tiefe reißen wird. Bis mindestens 2022 wird es dann ruhig werden über dem Merkur. Erst dann soll "BepiColombo" den Planeten erreichen. Die Sonde wird von der europäischen Raumfahrtorganisation Esa und der japanischen Raumfahrtbehörde Jaxa gestellt - sie soll dort weitermachen, wo "Messenger" sein Ende fand.


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nik

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
fritzihansi 18.03.2015
1. Super!
Aber schauen wir mal wie lange es dauert bis sich wieder jemand über die maßlose Geldverschwendung echauffiert und meint dass man doch das Geld besser in Kindergärten hätte anlegen sollen. :-)
t.theodor 18.03.2015
2.
Es sollte doch wie bei einem zu heiß in die Pfanne gehauenen Schnitzel sein: Zwischen dem Verbrannten und dem Rohem, muss sich eine Schicht genießbares Schnitzel befinden. Mit den kalten Krater in der heissen Umgebung ist es genauso, es ist eine "gemäßigte" Zone in der Sonden jahrelang arbeiten können. Auch wenn sie dabei nur das Eis und den Kraterrand sehen können ...
raptorx 19.03.2015
3. Geld zur Untersuchung von Müll und toter Materie
anstatt für Menschen auf der Erde. Reine Sünde !
mikesch0815 19.03.2015
4. Von der Sonne verwöhnt...
...na, dann aber nix wie hin, wenn es dort so mollig warm ist. ;) Ansonsten hochinteressante und faszinierende Aufnahmen vom Backofen des Sonnensystems. Die Sonden (auch auf dem Mars und dem Tschuri) bringen Einblicke in die Welt rund um unsren Planeten - und vielleicht auch die Erkenntnis, wie gemütlich und liebenswert unser eigener eigentlich ist. Vielleicht kommt diese Erkenntnis insgesamt sehr spät, vielleicht zu spät. Mich faszinieren diese Bilder ehrlich gesagt mehr als der Neubau einer KiTa.... :))
Schimboone 19.03.2015
5.
Ich finds super! Ich würde mir viel mehr solcher Missionen wünschen- der Erkenntnisgewinn ist in meinen Augen gewaltig- auch wenn es Geld kostet. Ich meine 427 Millionen Dollar für die Mission sind ja eher Peanuts, besonders wenn man sich mal so ansieht was an Geldsummen ausgegeben werden um sich gegenseitig umzubringen
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