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Meteor über Sierra Nevada: Feuerball löste Luftbeben aus

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Meteorschreck im Westen der USA: Am Himmel leuchtete eine Kugel so groß wie die Sonne, ein lauter Knall brachte Häuser zum Wanken. Der spektakuläre Feuerball über Nevada und Kalifornien beunruhigte viele Menschen. Welche Gefahr geht von den rasenden Brocken tatsächlich aus?

Meteor über Sierra Nevada: Grelles Leuchten und lautes Beben Fotos
DPA/ Lisa Warren

Berlin - Sie kommen meist lautlos angeflogen, in der Regel nimmt niemand Notiz von ihnen. Nur nachts fallen uns Meteore auf - kleine Brocken aus dem Weltall, die mit hoher Geschwindigkeit in die Atmosphäre eindringen. Ihr Leuchten macht sie zu Sternschnuppen.

Jeden Tag fliegen etwa tausend Tonnen außerirdischen Materials in die Lufthülle der Erde. Aber nur selten kommt es zu so spektakulären Ereignissen wie am gestrigen Abend in den USA. Eine grelle Lichterscheinung und ein lauter Knall über der Sierra Nevada südwestlich von Reno schreckte am Sonntag die Menschen auf. Beobachter berichteten von schwankenden Häusern von Reno bis Winnemucca in Nevada und von Sacramento bis Bakersfield in Kalifornien. Einige sagten, sie hätten einen riesigen Feuerball gesehen.

Experten wie Robert Lunsford von der New Yorker American Meteor Society sind sich inzwischen sicher, dass es sich um einen typischen Feuerball gehandelt hat, eine riesige Lichterscheinung ausgelöst von einem Meteor. Lunsford hat Berichte von mehr als 20 Personen gesammelt.

Zum Zeitpunkt der Beobachtung war es in Nevada bereits hell. Die Helligkeit der Feuerkugel habe den Berichten zufolge zwischen der der Sonne und der des Mondes gelegen, schreibt Lunsford auf der Internetseite der American Meteor Society. "Ich beobachte den Himmel seit 30 Jahren," sagte der Augenzeuge Matthew Neal aus San Francisco, "aber ich habe noch niemals etwas so Erstaunliches gesehen. Der Hauptkörper war leuchtend grün, und der Kopf war strahlend rot und weiß."

Knall hat nichts mit Aufprall zu tun

Der geschilderte Knall, der Häuser zum Vibrieren bringt, ist für den Meteoriten-Experten Thomas Grau aus Bernau bei Berlin nicht ungewöhnlich. "Der Meteor erzeugt ein Luftbeben", sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE." Die Explosion habe in der Regel nichts mit dem Aufprall zu tun. Vielmehr sei das Objekt sehr tief gekommen, wahrscheinlich weniger als zehn Kilometer.

Wenn ein Meteor nicht vollständig verglüht, sondern es bis zur Erdoberfläche schafft, wird der Meteorit genannt. Grau ist Experte im Finden dieser Brocken aus dem All. Er hat vor zehn Jahren ein Stück des Neuschwanstein-Meteoriten entdeckt, und 2009 einen in Dänemark gelandeten Meteoriten.

Den Einschlag eines Meteors könne man, wenn überhaupt, dann nur in einem Abstand von wenigen Dutzend oder hundert Metern von der Einschlagstelle hören. "Die Fallgeräusche klingen wie ein Hubschrauber oder wie eine heranfliegende Granate." Der im aktuellen Fall von Augenzeugen geschilderte Knall sei hingegen in einem viel größeren Umkreis wahrnehmbar gewesen. "Je nach Flugbahn können das hundert Kilometer sein, der Feuerball ist sogar bis tausend Kilometer weit zu sehen."

Geschosse aus dem All
REUTERS
Ein Meteoroid ist ein kleines, festes Teilchen, das sich auf einer Ellipsenbahn um die Sonne bewegt. Manche kommen dabei in die Nähe der Erde. Dringen sie in die Atmosphäre ein, werden sie zum Meteor, und es kommt zu einer Leuchterscheinung.
Meteore, auch Sternschnuppe genannt, sind Meteoroide, die in die Erdatmosphäre eingedrungen sind. Wegen der starken Reibung fangen sie an zu leuchten.
Ein Meteorit ist der nicht verdampfte Rest eines Meteors, der die Erdoberfläche erreicht hat.
Als Bolid oder Feuerkugel bezeichnet man besonders helle und lange leuchtende Meteore. Ein Bolid besteht aus Stein oder Metall. Häufig erreichen Reste eines Boliden die Erdoberfläche, beispielsweise 2002 nahe Neuschwanstein.
Das Luftbeben entsteht ganz ähnlich wie der Knall, den wir hören, wenn ein Flugzeug mit Überschall fliegt. Denn auch ein Meteor rast schneller durch die Luft als Schallwellen. "Wenn der Meteor bereits in mehrere Stücke zerbrochen ist, hört man je nach Standort nicht nur einen Knall, sondern eine ganze Salve", erklärt Grau.

Hinzu kommt ein weiteres Phänomen: "Solch ein Eindringling erzeugt eine Art Einschusskanal in der Luft", erklärt Grau. "Dort herrscht dann kurzzeitig ein Vakuum." Wenn sich der Einschusskanal wieder schließe, mache dies ebenfalls Geräusche, hörbar als längeres Grollen, das bis zu einer Minute dauert.

Bislang ist unklar, ob es der Meteor über Nevada überhaupt bis zur Erdoberfläche geschafft hat. Dann müsste man Brocken finden können. Wenn genügend Informationen über seine Flugbahn vorliegen, kann die Suche durchaus erfolgreich sein. Den im Jahr 2008 über der Nubischen Wüste in Sudan beobachteten Meteor spürten Forscher in gerade mal zehn Tagen auf.

Angst davor, von einem Meteoriten erschlagen zu werden, braucht kein Mensch zu haben. "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering", sagt Grau. Es seien nur wenige Einschläge in Häuser oder Autos dokumentiert. In den USA sei einmal eine Frau verletzt worden, als ein Meteorit ihr Haus getroffen hatte.

Ansonsten verliefen die bislang dokumentierten Einschläge glimpflich. Im Oktober 2011 schoss ein 88 Gramm schwerer Meteorit in das Dach eines Wohnhauses in Paris. Ein am 18. Juli 2011 in Marokko eingeschlagener Meteorit stammte Analysen zufolge vom Erdnachbarn Mars, wie US-Wissenschaftler im Januar bekanntgaben. Im Juni 2004 schlug ein 1,3 Kilogramm schwerer Brocken in ein Haus in Neuseeland ein.

Im März 2003 beschädigte ein Steinschauer ein Gebäude in Chicago. Im Jahr zuvor war der Britin Siobhan Cowton auf der Straße ein faustgroßer, glühender Brocken vor die Füße gefallen. "Das passiert nicht sehr oft in Northallerton", kommentierte die damals 14-Jährige ihren Fund. Über Deutschland zerplatzte im April 2002 der Neuschwanstein-Meteorit in 22 Kilometern Höhe - und ließ bei Füssen Steinchen regnen. 1962 traf ein 732 Gramm schwerer Meteorit ein Haus in Kiel und schlug ein Loch in das Blechdach.

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