Washington - Wenn es so etwas gibt, dann ist ALH84001 der Star unter den Marsmeteoriten. Vor 16 Jahren war der Brocken aus vulkanischem Gestein auf dem Allan-Hills-Eisfeld in der Antarktis entdeckt worden. Mit seiner Hilfe konnten Forscher entscheidende Informationen über die Frühzeit des Mars sammeln. Außerdem wies der knapp zwei Kilogramm schwere Flugkörper charakteristische Strukturen auf, die manche Wissenschaftler als Bakterienüberreste deuten - also als Nachweis für Leben auf dem Mars. Allerdings ist diese These höchst umstritten.
Nun gibt es neue Erkenntnisse, die die Frage zwar weiterhin nicht beantworten, der Forschung aber wichtige Informationen über den Meteoriten liefern. Die Analysen lassen nämlich vermuten, dass ALH84001 - er liegt seit rund 13.000 Jahren auf der Erde - etwa eine halbe Milliarde Jahre jünger ist als angenommen.
Forscher um Thomas Lapen von der University of Houston haben mit einer sogenannten Isotopenanalyse der Metalle Lutetium und Hafnium das Alter des vulkanischen Steins auf rund 4,1 Milliarden Jahre bestimmt. Isotope nennt man Atome des gleichen Elements, aber mit unterschiedlicher Neutronenzahl.
Wenn der Gesteinsbrocken nun tatsächlich ungefähr 4,1 Milliarden Jahre alt ist, wie die aktuelle Datierung im Fachjournal "Science" nahelegt, dann kann er nicht aus der ursprünglichen Kruste des Mars stammen, da diese sich deutlich früher gebildet hat. Andererseits heißt das aber auch, dass während der Bildung des Meteoriten auf dem Mars noch flüssiges Magma vorhanden war.
Das bedeutet, dass die Mars-Vulkane wahrscheinlich in den vergangenen rund vier Milliarden Jahren aktiv waren - eine längere Zeit als bisher angenommen. "Der Mars beherbergt damit möglicherweise nicht nur die größten Vulkane unseres Sonnensystems, sondern auch einige der ältesten", sagt Lapen. Die Bildung des Meteoriten fällt außerdem in die Zeit, in der auf dem Mars feuchte Bedingungen herrschten und der Planet noch ein Magnetfeld besaß.
In einer ähnlichen Umgebung könnte auch das erste Leben auf der Erde entstanden sein. Deshalb könnten die aus der Gesteinsanalyse erhaltenen Daten nach Ansicht der Wissenschaftler auch dazu dienen, frühe geologische Prozesse auf der Erde zu verstehen.
Erst vor wenigen Tagen hatten Forscher um Suzanne Smrekar vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Pasadena Belege dafür präsentiert, dass auch die Venus vulkanisch weit länger aktiv war als bisher angenommen. Noch vor 250.000 Jahren sei dort Lava geflossen, folgerten die Wissenschaftler nach der Analyse von Wärmebildern der europäische Sonde "Venus Express". Es bestehe sogar die Möglichkeit, dass die Venus örtlich noch immer geologisch aktiv ist, resümieren die Wissenschaftler.
chs/ddp
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