Sutter's Mill: Meteorit enthielt Bausteine für Leben

Mit einem gewaltigen Knall ging der Meteorit Sutter's Mill im April 2012 in den USA nieder. Nun haben Wissenschaftler in den Bruchstücken komplexe Kohlenstoffverbindungen nachgewiesen - wichtige Bausteine für die Entstehung von Leben auf der Erde.

Bruchstück des Meteoriten: Alkylmoleküle nachgewiesen Zur Großansicht
AP/ Smithsonian Institution/ UC of California-Davis

Bruchstück des Meteoriten: Alkylmoleküle nachgewiesen

Washington - Die chemische Analyse eines Feuerball-Meteoriten hat komplexe Kohlenstoffverbindungen zutage gefördert, die bislang bei keinem Meteoriten zuvor entdeckt worden sind. Der Sutter's-Mill-Meteorit, der im April 2012 als heller Feuerball über den westlichen USA niedergegangen war, setzte demnach unter einer Wärmebehandlung vergleichsweise komplexe Alkylmoleküle frei, die an Vorstufen der Chemie des Lebens erinnern.

Dies berichten Sandra Pizzarello und ihre Kollegen von der Arizona State University in Tempe im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Die Untersuchung lege eine deutlich höhere Verfügbarkeit von organischem, kohlenstoffhaltigem Material aus Meteoriten nahe als bislang angenommen.

Der ursprünglich wohl rund 40 Tonnen schwere Meteorit gehört zur relativ seltenen Gruppe der kohligen Chondrite. Seinen Absturz, der am Taghimmel weithin als heller Feuerball zu sehen war, hatten unter anderem mehrere Wetterradarstationen beobachtet. Dank der Aufzeichnungen konnten Forscher nach nur zwei Tagen Dutzende Bruchstücke des Brockens bergen. Insgesamt fanden sie 943 Gramm in 77 Bruchstücken. Seinen Namen hat der Meteorit von einer der Hauptfundstellen am Fuße der Sierra Nevada.

Das Team um Pizzarello hatte winzige gemahlene Bruchstücke des Meteoriten sechs Tage lang bei 300 Grad Celsius in einem sterilen Goldröhrchen gekocht. Diese hydrothermale Behandlung sei eine realistische Imitation der Bedingungen auf der jungen Erde, etwa in der Nähe vulkanischer Aktivität oder an Einschlagkratern, schreiben die Wissenschaftler.

Die Analyse des gekochten Meteoritenstaubs lieferte sauerstoffhaltige sogenannte aromatische Verbindungen sowie die komplexen, polyether- und esterhaltigen Alkylmoleküle, die niemals zuvor in Meteoriten nachgewiesen worden seien. Die Forscher schließen daraus, dass die molekulare Evolution auf der jungen Erde vom Einfang kohlenstoffhaltiger Meteoriten profitiert haben könnte.

Frühere Analysen der Flugbahn hatten gezeigt, dass der Sutter's-Mill-Meteorit wahrscheinlich aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter stammt. Der Rekonstruktion zufolge raste der im Durchmesser vermutlich 2,5 bis vier Meter große Brocken mit 103.000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre. Dabei setzte er die Energie von vier Kilotonnen TNT frei.

hda/dpa

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