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Meteoriten-Einschlag: Außerirdisches Sandkorn setzt Gartenlaube in Brand

Ein Zischen, ein Blitz, ein Knall: Ein glühendheißes Trümmerstück aus dem All soll im Rheinland eine Schrebergarten-Hütte in Brand gesteckt haben: Ein Meteorit ist nach Polizeiangaben "die wahrscheinlichste Brandursache". Ein Rentner wurde verletzt.

Troisdorf/Bonn - Ein kleiner Meteorit soll eine Schrebergarten-Hütte in Troisdorf bei Bonn in Brand gesteckt haben. Solch ein Geschoss aus dem Weltall sei "die wahrscheinlichste Brandursache" für das ungewöhnliche Feuer am 8. Oktober. Das teilte die Polizei Siegburg (Nordrhein-Westfalen) nach Beratungen mit Experten heute mit. Alle anderen Ursachen könnten nach umfassenden Ermittlungen ausgeschlossen werden: Vorsätzliche Brandlegung, technische Ursachen oder eine chemische Selbstentzündung kämen nicht in Frage. Allerdings: Beweismaterial - in diesem Fall also Meteoritengestein - sei nicht gefunden worden.

Mini-Meteorit als Brandursache: Glühendes Gestein aus dem All soll diese Gartenlaube abgefackelt haben
DPA

Mini-Meteorit als Brandursache: Glühendes Gestein aus dem All soll diese Gartenlaube abgefackelt haben

Dafür hätten glaubwürdige Zeugen "eine ungewöhnliche Leuchterscheinung am Himmel unmittelbar vor der Brandentstehung beobachtet, die sich als kleiner glühender Körper Richtung Boden bewegt hatte", so die Polizei. "Wir gehen deshalb davon aus, dass ein winziger Meteorit das Gartenhaus traf, der vermutlich nicht größer als ein Sandkorn war", sagte der Sprecher.

Nach Expertenschätzungen prallen jährlich über 19.000 dieser Bruchstücke von Kometen, Asteroiden oder abgesprengten Teilen anderer Planeten mit einer Masse von über 100 Gramm auf die Erdoberfläche. Meistens stürzen sie ins Meer oder auf unbewohntes Gebiet - aber nicht immer.

Die Polizei wandte sich mit den Zeugenbeobachtungen an die Sternwarte Bochum. Die habe daraufhin mitgeteilt, "dass sich die Erde zur Ereigniszeit in der Nähe eines Meteoritensplitterfeldes befand und der Eintritt von Partikeln in die Erdatmosphäre zu erwarten war".

Die kosmischen Partikel erreichen normalerweise nicht den Erdboden, sondern verglühen in der Atmosphäre. Nach Angaben der Sternwarte könnten jedoch vereinzelt kleine Gesteinsbrocken aus dem All bis zum Boden gelangt sein. Diese Meteoriten hätten dann durch ihre große Hitze auch einen Brand auslösen können. Immerhin wird das aus dem All kommende Gestein beim Eintritt in die Erdatmosphäre stark erhitzt.

Für einen Rentner in Troisdorf wurde der Meteorit zum Verhängnis. Der 77-Jährige hatte sich in der Hütte aufgehalten und Brandverletzungen an Gesicht und Händen erlitten. Er liege immer noch im Krankenhaus, teilte die Polizei mit. Eine vorsätzliche Brandlegung sei ausgeschlossen.

Wo also ist dann das Beweismaterial? Wenn denn wirklich ein Meteorit den Brand ausgelöst habe, dann sei es nicht verwunderlich, dass das Stück nicht gefunden wurde, sagte Thilo Elsner, Direktor der Sternwarte Bochum. Ein entsprechend kleines kosmisches Trümmerstück könnte schlicht vollständig verglüht sein.

fba/dpa/rtr

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