Meteoriten-These Leben im All könnte von Erde stammen

Auf dem Saturnmond Titan könnte es tatsächlich Leben geben - und zwar von der Erde. Ein gewaltiger Meteoriteneinschlag hätte Gestein und Bakterien weit genug ins All schleudern können, um Titan zu erreichen. Dies ergaben Computersimulationen kanadischer Forscher.


Wie einst das Leben auf der Erde entstand, darüber rätseln Wissenschaftler bis heute. Die sogenannte Panspermia-Theorie besagt, das Meteoriten die Bausteine des Lebens aus dem Weltraum auf die Erde transportierten. Kanadische Wissenschaftler haben diese These nun umgedreht und behaupten, dass Leben auch von der Erde exportiert werden kann. Auf diese Weise könnten sich verschiedene Himmelskörper regelrecht gegenseitig mit Leben anstecken, lautet die These von Brett Gladman von der University of British Columbia in Vancouver.

Saturnmond Titan: Besuch von irdischen Bakterien?
NASA/ JPL/ SSI

Saturnmond Titan: Besuch von irdischen Bakterien?

Viele der kleinen Meteoriten, die die Erde erreichen, sind Gesteinsbrocken vom Mars oder vom Mond, die bei einer Kollision mit einem Asteroiden ins All katapultiert wurden. Ob umgekehrt auch irdisches Gestein nach einem Meteoriteneinschlag in da äußere Sonnensystem gelangen kann, war bislang unklar. Anders als bei der Strecke Mars-Erde würden sich die Steine dabei nämlich nicht mit, sondern gegen die starken Gravitationskräfte der Sonne bewegen.

Um herauszufinden, wie viele Gesteinsbrocken von der Erde aus tatsächlich die Planeten und Monde des äußeren Sonnensystems erreichen könnten, simulierten die Kanadier am Computer einen heftigen Meteoriteneinschlag. Dessen Stärke entsprach etwa dem Aufprall, der vor etwa 65 Millionen Jahren den Chicxulub-Krater auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan verursachte. Anschließend verfolgten die Forscher den Weg der virtuellen Gesteinsfragmente, die sich beim Aufprall lösten, und zählten nach, wie viele dieser Steine auf potentiell lebensfreundlichen Himmelskörpern wie dem Saturnmond Titan oder dem Jupitermond Europa ankamen.

Das Ergebnis überraschte die Wissenschaftler: "Ich nahm an, es wären nur sehr, sehr wenige", kommentiert Studienleiter Gladman gegenüber "Nature News". Tatsächlich aber landeten in einem Zeitraum von fünf Millionen Jahren 100 Objekte auf Europa und etwa 30 auf Titan.

Allerdings stünden die Chancen für irdische Mikroben nach einer solchen Bruchlandung nicht gut. So würde nach Ansicht der Forscher ein Crash auf Europa am Stein haftende Bakterien mit hoher Sicherheit auslöschen.

Auf Titan gäbe es dagegen tatsächlich Überlebenschancen für Bakterien: Die dichte Atmosphäre des Mondes würde den Gesteinsbrocken beim Eintritt zuerst zertrümmern und die Bruchstücke anschließend deutlich verlangsamen, so dass sie nicht so hart auf dem Boden aufschlagen würden, betont Gladman. Die Hitze der Landung könnte seiner Ansicht nach sogar dazu führen, dass sich für eine kurze Zeit flüssiges Wasser bildet und den Besuchern damit optimale Wachstumsbedingungen geboten würden.

hda/ddp



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