Meteoriteneinschläge Leben auf der Erde könnte viel älter sein als vermutet

Vor mehr als vier Milliarden Jahren wurde die Erde von Meteoriten regelrecht bombardiert. Bisher glaubte die Wissenschaft, dass bei den Einschlägen alle Organismen ausgelöscht wurden, doch Forscher haben jetzt neue Hinweise. Ist das Leben auf der Erde älter als bisher angenommen?


Wann bevölkerten die ersten Mikroben unseren Planeten? Stammen alle heutigen Organismen von diesen ersten Bewohnern der Erde ab? Oder brauchte das Leben mehrere Anläufe, um sich im Laufe der Jahrmillionen auf der Erde zu etablieren? Diese Fragen diskutieren zwei US-Forscher in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature".

Ihre überraschende These: Asteroideneinschläge wie vor mehr als vier Milliarden Jahren können Mikroben nur wenig anhaben - das Leben auf dem Planeten ist deshalb vielleicht viel älter, als man bislang glaubte.

Die Urzeit unmittelbar nach Entstehung der Erde war eine unwirtliche Epoche. Schon in der Frühphase des sogenannten Hadaikums vor etwa 4,5 Milliarden Jahren traf laut der gängigen Lehrmeinung ein Himmelskörper von der Größe des Mars den jungen Planeten Erde. Aus der absplitternden Materie entstand demnach der Mond (siehe Video unten).

Gegen Ende des Hadaikums, vor etwa vier Milliarden Jahren, geriet die Erde erneut in einen Asteroidenhagel. Dieses sogenannte Große Bombardement dauerte vermutlich 20 bis 200 Millionen Jahre. Diese Einschläge brachten, so hieß es bisher, sämtliches eventuell vorhandene Leben zum Absterben.

Oleg Abramov und Stephen Mojzsis von der University of Colorado in Boulder stellen dies nun in Frage. Die beiden Geowissenschaftler haben Krater auf Mond, Mars und Merkur studiert und am Computer die Folgen der Einschläge von Asteroiden verschiedener Größe simuliert.

Ihrer Ansicht nach hätte ein solcher Vorfall höchstens ein Viertel der Erdkruste zum Schmelzen gebracht. Selbst wenn sämtliche Ozeane zum Verdampfen gebracht worden wären, würde das ihrer Meinung nach nicht genügen, um alle Lebewesen zu vernichten. "Selbst unter den extremsten Bedingungen wäre die Erde durch das Bombardement nicht sterilisiert worden", sagt Abramov.

Nach den Berechnungen der Forscher wurden während des Bombardements höchstens 37 Prozent der Erdoberfläche sterilisiert. Auf weniger als zehn Prozent herrschten Temperaturen oberhalb 500 Grad Celsius. Abramov und Mojzsis glauben, dass die bei den Einschlägen entstandenen Spalten hitzeliebenden Bakterien Zuflucht geboten haben. Gerade Keime, die sich bei Temperaturen von 80 bis 110 Grad Celsius wohl fühlen, konnten in dieser Umgebung gedeihen.

Kurioserweise gelten Meteoriten, die bei entsprechender Größe auch alles Leben an der Einschlagstelle vernichten können, zugleich als Quelle allen Lebens. 2004 hatte ein Bremer Forscher Aminosäuren in einem Meteoriten entdeckt, aus denen später DNS und Proteine entstanden sein könnten. Auch die Dominanz linksdrehender Moleküle in Lebewesen können Forscher gut erklären.

Gab es schon Organismen auf der Erde?

Allerdings ist keineswegs sicher, dass es zu Zeiten des Großen Bombardements überhaupt schon Organismen auf der Erde gab. Die ältesten, aus geologischen Funden stammenden Nachweise dafür sind 3,83 Milliarden Jahre alt. Die Wissenschaftler glauben aber, dass es auch vor 3,9 Milliarden Jahren schon Lebensformen gab. "Das eröffnet die Möglichkeit, dass das Leben bis zu 4,4 Milliarden Jahre zurückreicht, was etwa der Zeit entspricht, als vermutlich die ersten Ozeane entstanden", sagt Abramov.

Dies wäre tatsächlich das früheste Datum, denn zumindest jener Einschlag, der vor 4,5 Milliarden Jahren wahrscheinlich den Mond entstehen ließ, dürfte jegliches eventuell vorhandene Leben ausgelöscht haben. "Unsere Resultate deuten darauf hin, dass seit der Entstehung des Mondes kein Ereignis dazu fähig war, die Erdkruste zu zerstören und eine vorhandene Lebenszone auszulöschen", sagt Mojzsis. "Das Bombardement hat den Lebensbaum nicht gefällt, sondern unserer Meinung nach nur gestutzt."

Die These der Forscher betrifft nicht nur die Erde. Denn wenn solche Einschläge das Leben auf der Erde nicht ernsthaft gefährdeten - dann könnten auch Lebewesen auf anderen Gesteinsplaneten solchen Katastrophen getrotzt haben.

hda/AP

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.