Methan entdeckt Auf dem Mars duftet es nach Leben

Mehreren Forscherteams gelang eine Entdeckung, die sich als Sensation erweisen könnte: In der Atmosphäre des Mars wurde Methan entdeckt. Als Ursachen kommen nur drei Szenarien in Frage: Kosmische Geschosse, Vulkanismus - oder Lebensformen.

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Mars-Meteorit ALH84001: Forscherstreit über angebliche Mikroben
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Mars-Meteorit ALH84001: Forscherstreit über angebliche Mikroben

Die Esa hat Methan schon frühzeitig als mögliches Zeichen für Leben auf dem Mars ausgerufen: Das Gas kann aufgrund von Oxidationsvorgängen nur für wenige hundert Jahre in der Atmosphäre des Roten Planeten bestehen. Sollte es dennoch nachgewiesen werden, würde das auf eine Quelle ständigen Nachschubs deuten. "Diese Quelle könnte Leben sein, auch wenn sie tausend Kilometer entfernt oder unter der Oberfläche vergraben läge", heißt es auf der Webseite der Esa. Die Sonde "Mars Express" wurde eigens mit dem so genannten Planetary Fourier Spectrometer (PFS) ausgestattet, das unter anderem Methan entdecken kann.

Mehrere Forscherteams haben nun unabhängig voneinander das verräterische Gas in der Atmosphäre des Mars nachgewiesen. Sowohl das Infrarot-Teleskop auf Hawaii als auch die Gemini-Südsternwarte in Chile haben die für Methan charakteristische Spektralsignatur bereits im vergangenen Jahr entdeckt, berichtet die britische BBC. Mittlerweile wurde der Fund durch das PFS von "Mars Express" bestätigt, wie Chefwissenschaftler Vittorio Formisano im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE betont.

Vulkane könnten noch aktiv sein

Für die Entstehung des Mars-Methans kommen laut Formisano drei Urheber in Frage: Fremde Himmelskörper, Mikroorganismen oder aktive Vulkane. "Kometen oder Asteroiden halte ich als Ursache für extrem unwahrscheinlich", sagt Formisano. Seiner Meinung nach hat das Methan entweder biologische, am wahrscheinlichsten aber vulkanische Ursachen.

Dass trotz intensiver Erforschung des Roten Planeten in den vergangenen Jahrzehnten keine Anzeichen von Vulkanismus entdeckt wurden, hält der Forscher für kein Gegenargument: "Die neuesten Fotos von 'Mars Express' haben gezeigt, dass Olympus Mons, der größte Vulkan des Mars, erst vor wenigen hundert Millionen Jahren einschlief und voher vier Milliarden Jahre lang aktiv war." Deshalb gebe es womöglich noch Reste vulkanischer Aktivität auf dem Mars.

Für Methan produzierende Mikroben spricht, dass genau diese auf dem Mars vermutet wurden, sollte überhaupt Leben auf dem Wüstenplaneten möglich sein. Denn auf der Erde brauchen Bakterien, die Methan aus Wasserstoff und Kohlendioxid herstellen, keinen Sauerstoff zum Leben. Sie kommen an eher prosaischen Orten vor: in Torfmooren, auf Reisfeldern oder im Margen-Darm-Trakt von Rindern.

Warten auf genauere Daten

Selbst wenn nicht Mikroben, sondern Vulkanismus die Ursache des Methanfunds wäre, könnte eine solche Entdeckung die Chancen auf marsianisches Leben erhöhen: Die Wärme, spekulieren Geologen, könnte unter der Oberfläche eingeschlossene Wasservorkommen flüssig halten und so eine lebensfreundliche Umgebung schaffen.

Endgültige Klarheit kann laut Formisano nur die genaue Ortung der Methan-Quelle bringen. Das aber wird noch auf sich warten lassen: Die beiden derzeit auf dem Mars aktiven Rover der Nasa sind unfähig, das Gas zu orten, da sie für geologische Aufgaben konzipiert wurden. Die europäische "Beagle 2"-Sonde hätte das Gas durchaus erschnüffeln können - wäre sie bei der Landung nicht verschollen.

Ob auf dem Mars jemals Leben möglich war, ist nach wie vor offen. Auch der 1996 entdeckte Meteorit ALH84001 brachte keine Klarheit: Ob auf dem Stein vom Mars tatsächlich fossile Mikroben zu sehen sind, ist unter Forschern heftig umstritten.

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