Satellitenbild der Woche Schulhof der Krustentiere

Sie essen gern Shrimps? Die kommen oft aus Aquakulturen. Ein aktuelles Satellitenbild zeigt, wie riesig die Garnelenfarmen sein können.

Shrimp-Zucht im mexikanischen Bundesstaat Sonora im Satellitenbild
CC BY-SA 4.0 Planet Labs Inc.

Shrimp-Zucht im mexikanischen Bundesstaat Sonora im Satellitenbild


Pasta oder Reispfanne mit Shrimps, Garnelenspieße auf dem Grill - es gibt viele Gerichte, die durch Krebstiere so richtig lecker werden. Und dank Vitaminen, Mineralstoffen sowie Omega-3-Fettsäuren gelten die Meeresbewohner auch noch als gesund.

Wobei, was heißt eigentlich Meeresbewohner? Mittlerweile stammt schließlich die Mehrzahl der weltweit verzehrten Garnelen nicht mehr aus Wildfang, sondern aus Aquakulturen. Dieses aktuelle Bild des privaten Satellitenbildanbieters Planet zeigt die rechteckigen Teiche einer riesigen Shrimpzucht am Golf von Kalifornien, in der Wüste des mexikanischen Bundesstaates Sonora.

Neben Asien - Indien, Vietnam, Thailand und China - wird auch Lateinamerika für die Shrimpzucht in Aquakulturen immer wichtiger. Die Produktion in Sonora ist 2015 laut einem Bericht des "Aquaculture Magazine" um 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, auf insgesamt 60.000 Tonnen. Für dieses Jahr wird ein Wachstum um knapp zehn Prozent erwartet.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) berichtet unter Berufung auf Industrieangaben, dass im vergangenen Jahr weltweit zwei Millionen Tonnen der Tiere in Aquakulturen produziert wurden. Die EU hat 2015 insgesamt 563.000 Tonnen Garnelen aus Drittstaaten eingeführt, besonders gern konsumiert werden sie in Frankreich und Spanien. Beide Länder sind für knapp die Hälfte des Garnelenverbrauchs in der EU verantwortlich.

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Antibiotika im Abwasser

Aus Sicht von Umweltschützern lassen die Umweltstandards in Shrimpfarmen sehr oft zu wünschen übrig. Bei einer Zucht in Teichen, wie auf dem Satellitenbild zu sehen, sind vor allem die Abwässer problematisch. Sie enthalten oft neben Futterresten auch Exkremente der Tiere, Antibiotika und andere Chemikalien. Gefährliche Rückstände sammeln sich auch am Grund der Becken.

In vielen Gegenden wurden für die Einrichtung der Farmen in tropischen Gebieten auch ökologisch wertvolle Mangrovenwälder abgeholzt, die unter anderem für den Küstenschutz und die Sicherung der Fischbestände eine wichtige Rolle spielen. Unrühmliches Beispiel dafür sind etwa die Philippinen, wo laut Angaben des WWF zwei Drittel der einst bestehenden Mangrovengebiete wegen der Einrichtung von Zuchtanlagen verschwunden sind.

Und noch ein Problem gibt es: Die Tiere wollen gefüttert werden - und das passiert oft mit Fisch, der andernorts gefangen werden muss. Pro produziertem Kilogramm Garnele werden nach Angaben von Umweltschützern bis zu zweieinhalb Kilogramm Wildfisch in Form von Fischöl oder -mehl verfüttert.

Viele Probleme der Shrimpzucht in Aquakultur lassen sich durchaus lösen. Die Abwasserfrage etwa durch geschlossene Kreisläufe mit einer effektiven Reinigung. Doch längst nicht alle Anlagenbetreiber tun das, auch weil es sich finanziell nicht lohnt - zumal der globale Marktpreis nach FAO-Angaben zuletzt gesunken ist.

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chs



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