Mikrowellenkarte: Atlas zeigt Temperaturen auf dem Mond

Ein chinesischer Orbiter hat die erste umfassende Mikrowellenkarte des Mondes geliefert: Sie zeigt starke Temperaturschwankungen auf dem Erdtrabanten. Die Daten verraten Bodenschätze - und zeigen bei Mondfinsternis rätselhafte heiße Flecken.

Heiß-kalter Erdtrabant: Wärmekarte des Mondes Fotos
Europlanet

Chinesische Astronomen haben die erste vollständige Mikrowellenkarte des Mondes erstellt. Die Daten erlauben einen präzisen Überblick über die Temperaturen auf der Mondoberfläche bei Tag und Nacht. Die Karten geben zudem erstmals umfassend Aufschluss über die Energie im Inneren des Erdtrabanten, berichteten Yong-Chun Zheng und Kwing Chan von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften auf einem internationalen Astronomie-Kongress in Rom. "Es ist international keine Mission geplant, die ähnlich genaue Mikrowellendaten liefern könnte", sagte Zheng.

Die Daten hatte die chinesische Raumsonde "Chang'e 1" zur Erde gefunkt. Die Mission der Sonde ist bereits beendet, sie wurde im März 2009 kontrolliert zum Absturz auf den Mond gebracht. 2007 hatte sie unter großem Beifall der chinesischen Regierung ihre ersten Bilder zur Erde gefunkt. "Der mehr als tausend Jahre alte Traum des chinesischen Volkes, zum Mond zu fliegen, beginnt wahr zu werden", hatte Regierungschef Wen Jiabao damals gesagt.

Das Mond-Programm war ein Erfolg. 494 Tage umkreiste die Sonde "Chang'e 1" den Mond in 200 Kilometern Höhe auf einer polaren Umlaufbahn; die Sonde überflog also die Pole. Sie lieferte unzählige Daten von der Rückseite des Mondes, die von der Erde nicht vermessen werden kann. Die Mikrowellenkamera - sie war eines von acht Instrumenten an Bord von "Chang'e 1" - funkte unentwegt Wärmemessungen zur Erde.

Heiße Krater

Entstanden sind nun umfassende Karten, die die Temperaturverteilung auf der Mondoberfläche zeigen. Das Gestein heizt sich tagsüber auf 130 Grad Celsius auf, kühlt nachts auf minus 150 Grad ab. Die Karten erlauben erstaunliche Einblicke: Die Mondkrater erscheinen bei Mikrowellenstrahlung auf den Tag-Karten hell - und nicht dunkel wie im normalen Licht. Das zeigt, dass sie sich im Sonnenlicht stärker aufheizen als der übrige Boden.

Auch Bodenschätze verraten sich durch Wärmestrahlung: Wo Titan im Boden liegt, zeigen die Mikrowellenkarten hellere Flächen, also stärkere Wärmestrahlung. Auch Helium-Ausdünstungen des Bodens verrieten sich, berichten Chan und Zheng. Eine Form des Gases - das sogenannte Helium-3 - käme als Energierohstoff für menschliche Siedlungen auf dem Mond in Frage.

Eine Beobachtung auf der Nacht-Karte jedoch lässt Astronomen rätseln: Die Mondoberfläche ist nachts mit kalten Arealen gesprenkelt, die sich bei Mondfinsternis in heiße Flecken verwandeln. "Das Rätsel", sagt Zheng, "wird uns noch eine Weile beschäftigen."

boj

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