Hochrechnung Milliarden bewohnbare Planeten in der Milchstraße

Der Weltraum - ein galaktischer Flohzirkus? Eine Hochrechnung hat ergeben: Jeder fünfte sonnenähnliche Stern in der Milchstraße besitzt einen Planeten wie die Erde, auf dem Leben möglich sein könnte.

AP/ ESO

Erdähnliche Planeten sind im All alles andere als selten - das vermuten Astronomen schon lange. Um jeden zweiten Stern in der Milchstraße könnte einer kreisen, besagte eine im Januar veröffentlichte Studie. Damit gäbe es allein in unserer Galaxie Milliarden Exoplaneten, die in etwa so groß sind wie die Erde.

Allerdings gehört zum echten Erdzwilling auch die passende Entfernung zum Heimatstern: Sie muss die Existenz flüssigen Wassers und damit von Leben ermöglichen. Der Planet darf also weder zu nahe an seinem Stern noch zu weit von ihm entfernt sein. Jetzt hat eine statistische Auswertung der Beobachtungsdaten des Weltraumteleskops "Kepler" Erstaunliches ergeben: Rund jeder fünfte sonnenähnliche Stern besitzt einen erdähnlichen Planeten in der bewohnbaren Zone.

"Wenn man zu den Tausenden von Sternen am Nachthimmel hochschaut, ist der nächste sonnenähnliche Stern mit einem erdgroßen Planeten in seiner bewohnbaren Zone vermutlich nur zwölf Lichtjahre entfernt und mit dem bloßen Auge sichtbar", sagt Erik Petigura von der University of California in Berkeley. "Das ist verblüffend!" Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. Die Milchstraße hat ungefähr 100.000 Lichtjahre Durchmesser.

Petigura und seine Kollegen berichten jetzt im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" über ihre Auswertung von "Kepler"-Daten. Das Teleskop hatte rund 150.000 Sterne auf Planeten untersucht, die von der Erde aus gesehen zufällig gerade vor ihrem Heimatstern vorbeigewandert sind und ihn damit vorübergehend ganz leicht abgedunkelt haben. Entdeckt wurden auf diese Weise bereits der Erdzwilling Kepler-78b und ein System aus sieben Planeten.

Petiguras Team interessierte sich jedoch für habitable Zonen: Es identifizierte unter den 150.000 beobachteten Sternen 42.000, die unserer Sonne ähneln oder etwas kleiner und kühler sind. In deren Umlaufbahnen hat "Kepler" insgesamt 603 Planetenkandidaten erspäht. Zehn davon sind in etwa erdgroß und umkreisen ihren Stern in der sogenannten bewohnbaren Zone, wo lebensfreundliche Temperaturen herrschen.

Milliarden bewohnbare Planeten in der Milchstraße

In der Analyse berücksichtigten die Forscher, dass "Kepler" nicht immer alle Planeten finden kann und die meisten Planetensysteme nicht zufällig gerade so im Raum orientiert sind, dass die Planeten von der Erde aus gesehen regelmäßig direkt vor ihrem Heimatstern vorbeiziehen. Berücksichtige man das, ergebe sich eine Quote von 22 Prozent der sonnenähnlichen Sterne, die erdähnliche Planeten in ihrer habitablen Zone besitzen. Bei einer geschätzten Zahl von 100 Milliarden sonnenähnlicher Sterne enthielte die Milchstraße eine zweistellige Milliardenzahl erdähnlicher Planeten in bewohnbaren Zonen.

Das bedeute allerdings nicht, dass alle diese Planeten für Leben geeignet seien, unterstreicht das Team. "Manche haben vielleicht dichte Atmosphären, durch die es so heiß wird, dass DNA-ähnliche Moleküle das nicht aushalten", erläuterte Co-Autor Geoffrey Marcy. "Andere könnten Gesteinsoberflächen haben, die für lebende Organismen geeignetes flüssiges Wasser halten können." Auch ist bis heute nicht bekannt, mit welcher Wahrscheinlichkeit Leben auf einem habitablen Planeten entsteht.

"Die Entdeckung des ersten extrasolaren Planeten bei einem normalen Stern ist fast 20 Jahre her", betonte der dritte Co-Autor, Andrew Howard von der University of Hawaii. Seitdem habe man herausgefunden, dass die meisten Sterne Planeten irgendeiner Größe hätten und dass erdgroße Planeten auf engen, für Leben zu heißen Umlaufbahnen relativ häufig seien. "Mit dem neuen Ergebnis schließt sich in gewisser Weise der Kreis, indem wir zeigen, dass Planeten wie unsere Erde verhältnismäßig häufig sind in der Milchstraße."

hda/dpa

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dorfneurotiker 05.11.2013
1. Aliens und Co
Wenn es jetzt schon so viele Planeten gibt die drr Erde gleichen, gibt es sicher auch Aliens da draußen. Und vielleicht hatte Daeniken ja doch recht und wir hatten Besuch von Ausserirdischen.
Ylex 05.11.2013
2. Brandneu entdeckt: Graue Löcher!
Zitat: "Milliarden bewohnbare Planeten in der Milchstraße" Na und? - völlig uninteressant, es gibt jetzt und in Zukunft keine Möglichkeiten, dahin zu kommen oder eine Kommunikation herzustellen. Schon davon gehört, dass schwarze Löcher im Alter grau werden? Ja, da hat SPON wieder nicht aufgepasst im Weltraum, ok, er ist auch relativ weitläufig, aber graue Löcher... das hätte wenigstens noch einen gewissen Unterhaltungswert gehabt.
joG 05.11.2013
3. Komisch ist da schon und die Frage. ...
....ganz brennend, wieso bei so viel Leben uns bisher keines fand.
timetogo 05.11.2013
4.
Schöner Beitrag. Schade das wir das warscheinlich nicht mehr miterleben werden, wie das besiedelt wird..
maxgil 05.11.2013
5. Jetzt
brauchen wir nur noch den Warp-Antrieb und los geht's! Wenn ich das noch erleben dürfte..... Die nächste Stufe der Evolution des H. sapiens...ab in den Weltraum! Scotty, Energie!
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