Milchstraße Kosmische Leuchtfeuer verraten Struktur unserer Heimatgalaxie

Die genaue Beschaffenheit der Milchstraße ist schwer zu bestimmen. Jetzt haben Astronomen fünf ferne Leuchtfeuer entdeckt. Sie liefern wichtige Informationen über die gegenüberliegende Seite unserer Heimatgalaxie.

Kosmisches Leuchtfeuer (künstlerische Darstellung): Quasar strahlt in der unvorstellbaren Distanz von 12,9 Milliarden Lichtjahren
DPA/ ESO/ M.

Kosmisches Leuchtfeuer (künstlerische Darstellung): Quasar strahlt in der unvorstellbaren Distanz von 12,9 Milliarden Lichtjahren


London - Astronomen haben auf der anderen Seite der Milchstraße fünf veränderliche Sterne entdeckt, die neues Licht auf die Struktur unserer Heimatgalaxie werfen. Diese sogenannten Cepheïden sind die ersten Sterne, die eine vermutete Verdickung der äußeren galaktischen Scheibe bestätigen, berichtet die Gruppe um Patricia Whitelock vom Südafrikanischen Astronomischen Observatorium in Kapstadt im britischen Fachblatt "Nature".

Die genaue Struktur der Milchstraße ist schwer zu bestimmen, weil es keine Möglichkeit gibt, einen Blick von außen auf unsere Heimatgalaxie zu werfen. Bekannt ist jedoch, dass die Milchstraße eine Spiralgalaxie ist und sich unser Sonnensystem in einem äußeren Spiralarm befindet. Insbesondere von der gegenüberliegenden Seite der Galaxie gibt es allerdings kaum Informationen, weil das dichtgepackte galaktische Zentrum den Blick weitgehend versperrt.

Sterne sind noch jung

Forscher haben jedoch ober- und unterhalb des galaktischen Zentrums Wasserstoffgas beobachtet, was auf eine Verdickung der äußeren galaktischen Scheibe auf der anderen Seite der Milchstraße hinweist. Jetzt konnte das Team um Whitelock erstmals fünf Sterne identifizieren, die sich im Bereich dieser vermuteten Verdickung befinden.

Die entdeckten Körper gehören zu einer speziellen Klasse der veränderlichen Sterne - den Cepheïden. Bei diesen schwankt die Helligkeit umso langsamer, je größer ihre durchschnittliche Helligkeit ist. Aus der Schwankungsdauer lässt sich daher die absolute Helligkeit dieser Sterne bestimmen. Aus ihrer scheinbaren Helligkeit am Nachthimmel ergibt sich direkt ihre Entfernung. Cepheïden eignen sich daher sehr gut, um Entfernungen im Weltall zu bestimmen, und werden auch als kosmische Leuchtfeuer bezeichnet.

Die fünf fernen Leuchtfeuer liegen den Analysen zufolge im Bereich der vermuteten Verdickung auf der gegenüberliegenden Seite der Milchstraße: rund 3000 bis 6000 Lichtjahre ober- und unterhalb der galaktischen Scheibe und 40 000 bis 70 000 Lichtjahre vom galaktischen Zentrum entfernt. Die Sterne seien mit einem Alter von weniger als 130 Millionen Jahre vergleichsweise jung. Die Anwesenheit von derart jungen Sternen so weit von der galaktischen Scheibe entfernt sei ungewöhnlich, ließe sich aber gut mit der vermuteten Verdickung der galaktischen Scheibe auf der anderen Seite der Milchstraße erklären, schreiben die Forscher.

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nik/dpa

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